Gesellschaft | 19.08.2014

Leben im Krieg

Text von Emma Kohler | Bilder von zvg
Der Kriegsreporter Kurt Pelda will Leuten in der Not helfen. Deshalb reist er in verschiedene Krisengebiete und gibt mit Bildern und Berichten den Leidenden eine Stimme. Dabei setzt er jedes Mal seine Gesundheit, sogar sein Leben aufs Spiel. Und auch jenes von Anderen.
"Niemand kann mir am Ende meines Lebens vorwerfen, ich habe nur zugeschaut und nichts getan", so Kurt Pelda (links).
Bild: zvg

Angefangen hat beim Schweizer Kriegsreporter Kurt Pelda alles harmlos. Mit 14 Jahren hegte er erstmals den Wunsch, in ein Kriegsgebiet zu reisen. Seine Mutter hatte ihm vom Einmarsch der Russen in Afghanistan erzählt. In den folgenden vier Jahren stieg sein Interesse daran, und er las regelmässig die Neuigkeiten. Der junge Helfer bereitete sich darauf vor, bald selbst vor Ort Eindrücke zu sammeln. Nach der Matura war es dann endlich so weit und er machte sich auf den Weg, seinen Jugendwunsch zu erfüllen: Leuten in Not zu helfen.

 

Aller Anfang ist schwer

Dort angekommen, war das nicht mehr so einfach wie erwartet. Es stellte sich heraus, dass er sich unter Freiheit mehr vorstellte als die muslimischen Rebellen und sie somit nicht dasselbe Ziel anstrebten. Kein Grund zum Aufgeben, dachte er sich und beschloss, der Welt die Geschehnisse im Krieg näher zu bringen.

Damit begann seine inzwischen fast 30-jährige Karriere als Kriegsreporter. Doch auch hier gab es Startschwierigkeiten: In Afghanistan wurde er verraten und wäre um ein Haar in einen sowjetischen Hinterhalt geraten. Zuhause in der Schweiz wollte ihn die Militärjustiz derweil wegen “fremden Militärdienstes” anklagen. Doch am Schluss wurden alle Anklagepunkte entkräftet. Pelda konnte sich nun wieder auf seinen Wunsch konzentrieren, professioneller Journalist zu werden.

 

Klares Ziel vor Augen

Er nahm Kontakt mit den Rebellen auf und begleitete diese mehrfach in ihrem Krieg gegen die Regierung. So war er bei Massakern, Anschlägen und weiteren Verstössen gegen die Menschlichkeit dabei, schrieb darüber und fotografierte. Manche seiner Bilder und Artikel gingen um die ganze Welt. Trotzdem hätte er sich eine Reaktion der Mitmenschen erwünscht, die seine Beweggründe mehr unterstützen. In seinen Augen handelt weder die Schweiz, noch ein anderes Land richtig. Statt Flüchtlinge und Unschuldige zu unterstützen, kümmern sie sich lieber um anderes. Er selbst tue aber das Richtige. “Niemand kann mir am Ende meines Lebens vorwerfen, ich habe nur zugeschaut und nichts getan”, so Pelda.

 

Helfer am falschen Ort

Viel Lebensenergie steckte er in die Veröffentlichung der Gesichter und Namen der Leidtragenden, nur so könne ihnen geholfen werden. Auch hier ist er enttäuscht von der Reaktion des Umfelds. Wir würden nur durch die Brille der Asylpolitik schauen, anstatt das Geld dorthin zu stecken, wo es am nötigsten sei. Bei Naturkatastrophen würden viel zu viele Helfer und Spenden aus der westlichen Welt hingeschickt, während für die “durch Menschenhand verursachten Probleme nichts übrig bleibt”.

 

Ehrlichkeit gegenüber der Familie

Als Kriegsreporter ist es schwierig, Beziehungen aufrecht zu erhalten – egal ob mit Freunden oder Partnern. Er versucht es trotzdem. Mit seiner Ex-Frau hat er zwei Kinder.  Ist er in der Schweiz, verbringen die beiden Buben drei Tage pro Woche bei ihm. Wenn ihn seine Söhne fragen, was er in den verschiedenen Konfliktgebieten miterlebt, versucht er die Geschehnisse gemildert, aber ehrlich zu erzählen. Lügen will er nicht. Reist er in ein Land, in dem die Lage sehr ernst und gefährlich ist, beschweren sich seine beiden Söhne. Doch aufhalten tut den zweifachen Vater das nicht.

 

Leiden der Bekannten

Doch nicht nur problematisch, sondern auch gefährlich sind Beziehungen. Wer einen Reporter im Kriegsgebiet unterstützt, bringt sich selbst in Gefahr. Durch Peldas Anwesenheit kann es durchaus passieren, dass ein Haus von unschuldigen Zivilisten zum Ziel eines Angriffs wird. Es könne auch vorkommen, dass Leute, die ihm helfen, gesucht, gefangen genommen und gefoltert werden. Er betont aber, dass sich dem alle bewusst seien und freiwillig helfen, weil sie etwas bewirken wollen.

 

Positives lässt am Job festhalten

Es gibt aber nicht nur Schattenseiten in diesem Beruf. Pelda erzählt vom freudigen Wiedersehen mit Überlebenden und gesammelten Erfahrungen. Und für ihn am wichtigsten: Er konnte helfen. Kommt er für längere Zeit nicht nach Hause, vermisst er seine Kinder. Dass diese sich um ihren Vater sorgen, ist ihm ebenfalls bewusst. Seinen Beruf will er deswegen allerdings nicht aufgeben. Mit der festen Überzeugung, gleichzeitig für seine beiden Söhne, wie aber auch für Leidtragende im Krieg da sein zu können, übt er den Job weiterhin aus und begibt sich immer wieder in Gefahr.

 


 

Rubrik “Ausgegraben!”

In der schnelllebigen Medienwelt verschwinden auch journalistische Glanzstücke zu früh aus dem Fokus. Über den Sommer hinweg publiziert Tink.ch in dieser Rubrik wiederentdeckte Artikel, die bereits einmal die Frontseite zierten.Dieser Artikel ist erstmals am 11. November 2013 auf Tink.ch erschienen.