Gesellschaft | 25.08.2014

“Menschen wie Mike Shiva werfen ein schlechtes Licht auf uns”

Text von Anna Riva | Bilder von zVg
Psychisches Leid kann auf verschiedene Arten gemildert werden. Während einige Menschen nach temporärer alkoholischer Betäubung streben, lassen sich andere auf therapeutische Hilfe ein. Neben den klassischen Ansätzen fordert auch die umstrittene Medialität, die Verstorbene mit Lebenden verbindet, ihren Platz. Sylvia Walukiewicz befindet sich in der Ausbildung zum Medium, hat aber schon eine eigene Praxis in Basel. Sie steht Tink.ch Rede und Antwort.
Sylvia Walukiewicz hat mit vier Jahren angefangen, mit Geistern zu kommunizieren.
Bild: zVg

Tink.ch: Was genau ist ein Medium? Was sind seine Hauptfunktionen?

Sylvia Walukiewicz: Ein Medium befasst sich mit der Vermittlung zwischen dem Jenseits und dem Diesseits. Die Verstorbenen versuchen die Lebenden zu erreichen. Ich bin da, um diese Mitteilungen zu überliefern.

 

Wie hast du entdeckt, medial begabt zu sein?

Ich habe diese Veranlagung seit der Kindheit. Als ich vier Jahre alt war, habe ich angefangen, mit den Geistern zu kommunizieren und Ereignisse im Voraus zu sehen.

 

Hat es dir keine Angst gemacht?

Nein. Ich habe die Gabe immer positiv benutzt, um Menschen zu helfen. Das ist ja keine häufige Gabe, und sie hat sich schon im zarten Alter offenbart.

 

Neben der medialen Tätigkeit betreibst du auch Life and personality coaching. Wie kannst du zwischen den verschiedenen Ansätzen wechseln?

Mein Schwerpunkt sind generell Emotionen. Die Menschen kommen mit einem bestimmten Thema zu mir und ich passe mich an die jeweilige Situation an. Beim Life and personality coaching geht es meistens um allgemeine Lebensthemen wie Selbstwert, Vergebung und Angst. Ich kombiniere meine zwei Methoden oft. Beim ersten Gespräch mit dem Kunden bin ich immer offen für Impulse von meinen Geistführern. Sie helfen mir zu verstehen, wie der Klient oder die Klientin am besten voranschreiten kann.

 

Wer sind deine Geistführer?

Jeder hat seine eigenen Geistführer, die im Jenseits wohnen. Es sind mir unbekannte Verstorbene. Ich weiss nur ihre Namen. Ich kommuniziere zudem auch mit meinem verstorbenen Vater und Grossvater. Ich kann dank meiner sensitiven Veranlagung jederzeit Kontakt zu ihnen und meinen Geistführern aufnehmen. Die Gespräche sind immer positiv und helfen mir in meiner medialen Tätigkeit weiter. Mit mehr Übung werde ich die Geistwesen zukünftig noch besser und differenzierter wahrnehmen können.

 

Wie fängt eine Séance bei dir an?

Bei der ersten Sitzung erzählt mir die Person von ihrer Situation. Dabei werden Ziele und das weitere Vorgehen festgestellt. Diese Standortbestimmung ist essentiell für den weiteren Verlauf des Heilungsprozesses.

 

Ist allen Kunden klar, was für ein Problem sie haben?

Das Wort “Problem” gefällt mir wegen seiner negativen Ladung nicht. Ich bevorzuge das Wort “Thema”. Nicht alle kommen bereits mit einem Thema. In solchen Fällen muss das Thema zuerst ergründet werden, um dann die richtigen Übungen auswählen zu können.

 

Was für Übungen?

Beispielsweise Rollenspiele. Wenn eine Frau zu mir kommt und einen Konflikt mit ihrem Partner hat, spielen wir das durch. Ich fühle mich ein und werde sozusagen der Partner, indem ich seine Energien übernehme.

 

Seine Energien? Was ist damit gemeint?

Jeder Mensch strahlt Energie aus. Sie kann zum Beispiel dominant, freundlich oder unzufrieden sein.

 

Skeptiker könnten hier einwenden, Energie wäre dann einfach ein Synonym für Gemütszustand…

Alles ist Energie. Es ist ein sehr umfassender Begriff.

 

Wie geht es dann mit der Sitzung weiter?

Indem ich zum Partner der Frau werde, bekomme ich seine Emotionen und die allfälligen Spannungen in der Beziehung zu spüren. Meistens erreichen mich die Botschaften in Form von Gefühlen. Es können aber auch Bilder sein, die dann eine Interpretation benötigen. Ich sehe oft Bilder von Menschen und Flüssen. Ein Staudamm kann zum Beispiel für angestaute Gefühle stehen.

 

Was passiert nach dem Rollenspiel?

Es wird besprochen, wie die Frau jetzt zur Situation steh,t und wie das weitere Vorgehen aussieht. Jede Sitzung ist anders und das Tempo wird den individuellen Bedürfnissen der Klienten angepasst.

 

Wie wird man ein Medium?

Im ersten Ausbildungsjahr wird eine neue Wahrnehmungsart vermittelt, die über die Sinne hinausgeht. Einige Übungen zielen darauf ab, eine Person kennen zu lernen, ohne dass je visueller Kontakt entstanden ist. Konkret heisst das: Ich sitze mit geschlossenen Augen in einem Raum. Hinter mir ist eine unbekannte Person. Ich muss lernen, sie zu kennen, ohne sie anzusehen oder auszufragen. Im zweiten Jahr der Ausbildung liegt dagegen der Fokus auf der Kommunikation mit den Verstorbenen.

 

Viele Menschen halten Sensitive für Scharlatane und mediale Tätigkeit für skrupellose Geldmacherei. Wie gehst du damit um?

Mich stört es nicht. Es ist ihre Entscheidung, wenn sie ihr eigenes sprituelles Potential nicht nutzen möchten. Zudem finde ich es schade, dass Menschen wie Mike Shiva, die nur an den monetären Aspekt denken, ein schlechtes Licht auf diese Tätigkeit werfen. Von solchen Personen distanziere ich mich. Ich übe meine Aktivität aus eigener Überzeugung aus und strebe damit nur das Wohlergehen anderer Menschen an.