Gesellschaft | 20.08.2014

Google in der Pizzeria

Text von Benjamin Schlegel | Bilder von Benjamin Schlegel
Angelo D'Onghia fotografiert Firmen für Google Street View. Ein, zweimal auf den Auflöser drücken und schon ist die Aufnahme im Kasten? Weit gefehlt.
Angelo D'Onghia ging durch ein Aufnahmeprozedere - und muss Quoten erfüllen, um Google-Fotograf zu sein.
Bild: Benjamin Schlegel

Seit knapp einem Jahr bietet Google mit Street View die Möglichkeit, neben Strassen und Städten auch das Innere von Gebäuden zu erkunden. Diese Aufnahmen macht Google allerdings nicht selber.

 

Erster Fotograf in der Ostschweiz

Angelo D’Onghia ist der erste Fotograf der Ostschweiz, der diese Dienstleistung für den Grosskonzern übernimmt. Um seine Dienste anbieten zu können, musste er sich erst in einem langen Prozess von Google zertifizieren lassen. “Es war relativ schwierig”, erklärt D’Onghia. Google schreibt ihm vor, jeden Monat eine gewisse Anzahl Firmen zu fotografieren. “Damit stellt Google sicher, dass sich nicht Fotografen zertifizieren, die dann kaum Aufnahmen machen.”

 

Bei der Auswahl der Ausrüstung lässt Google keinerlei Freiheit. Um zertifiziert zu werden muss der Fotograf sämtliches vom Konzern vorgeschriebenes Equipment verwenden. Zudem muss der Fotograf mehrere Kunden nachweisen können, für die er bereits vorher gearbeitet hat. Erst wenn diese zwei Grundkriterien erfüllt werden, darf er für Google fotografieren.

 

In Geschäfte hineinsehen

Seit gut zwei Woche hat Google das Street View auch auf Hotels ausgeweitet und bewegt sich damit in Richtung virtuelles Reisebüro.  Bei “Google Maps Business View Hotel” gibt es die Möglichkeit, die Ansicht in verschiedene Zimmerkategorien zu unterteilen, was beim normalen “Google Maps Business View” nicht funktioniert. Die zertifizierten Fotografen von Google haben nun einige Monate Zeit, um Hotels zu finden, damit sie auch für diesen Dienst zertifiziert werden.

 

Für ein kleines Geschäft wie die Pizzeria Superpizza in St. Gallen braucht D’Onghia etwa eine Stunde für die Aufnahmen und danach nochmals einige Stunden, um die Bilder zusammenzuführen. Er hatte aber auch grössere Aufträge wie zum Beispiel das Studio des Radio FM1 in St. Gallen. Dort war er sechs Stunden mit den Aufnahmen beschäftigt und nachher nochmals 20 Stunden mit dem Bearbeiten und Zusammenfügen des Bildmaterials. Wichtig sei, dass keine Personen im Raum herumlaufen, da sie sonst halbtransparent auf den Bildern erscheinen. Vergisst er mal eine Aufnahme, kann er von vorne beginnen, da das Licht meistens nicht mehr genau gleich ist und es deshalb komisch aussehen würde.

 

Öffentliche Sehenswürdigkeiten als Hobby

Neben Gebäuden fotografiert er auch öffentliche Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel die Solitüde, ein Aussichtspunkt in St. Gallen. “Das Fotografieren ist ja auch mein Hobby, diese Aufnahmen sind quasi Öffentlichkeitsarbeit”, so D’Onghia auf die Frage, ob er dafür etwas von Google erhalte. Mit den Aufnahmen beginnt er immer vor den Gebäuden, um den nahtlosen Übergang zum Google Street View zu gewährleisten. Die Stadt St. Gallen ist bereits fertig fotografiert von Google, allerdings noch nicht aufgeschaltet. Möglicherweise muss aber Google die Aufnahmen aus Datenschutzgründen nochmals neu machen.

 


Die Aufnahmen von Ostschweiz360 können unter www.ostschweiz360.ch/kunden betrachtet werden.