Gesellschaft | 13.08.2014

Geheimtipp für heisse Tage

Text von Tabita Zaugg | Bilder von Tabita Zaugg
Einfach mal entspannen ohne Unmengen von Geld auszugeben? In der kleinen Seebadi in Rapperswil SG, die von ihren Besuchern liebevoll Schlossbadi genannt wird, fällt es leicht abzuschalten. Und das ohne einen Rappen auszugeben.
Entspannt und idyllisch: Die Schlossbadi in Rapperswil.
Bild: Tabita Zaugg

Wenn man vom Rapperswiler Bahnhof die Unterführung zum Seebecken nimmt und dann den mit Platanen gesäumten Weg am See entlang läuft, kommt man zur St. Galler Schlossbadi. Sie ist von aussen recht unscheinbar, wodurch manch unwissender Passant sie übersieht. Dumm gelaufen, denn der Eintritt ist frei, so lohnt sich ein Besuch nur schon um die Aussicht zu geniessen und eine Pause zu machen.

Auch das Lesen wird in der Schlossbadi zum besonderen Ereignis: Wer kein Buch dabei hat, kann sich eines der Gratisbücher oder eine der Gratiszeitschriften ausleihen, die liebevoll aufgereiht für die Gäste bereitstehen. Und ist die Geschichte so packend, dass man sie nicht mehr aus der Hand legen möchte, macht das nichts: Die Bücher sind zum Mitnehmen gedacht.

 

Schöne Aussichten

Auf der Seeseite der Badi hat es einen Holzsteg, der  in zwei breiten Liegerosten zum See hinaus endet. An diesem Steg hat es zwei Nischen, die früher zu den Umkleidekabinen gehörten. Diese Umkleidekabinen wurden aber nie gebraucht, so baute man sie kurzerhand in gemütliche Nischen um, in denen man auch bei Regen trocken an einem der vielen Tischchen sitzen kann. An diesem Liegesteg gibt es auch zwei Sprungbretter, je ein Meter und drei Meter hoch, sowie ein Floss in einer Entfernung von etwa vierzig Metern.

 

Am zweiten Liegesteg hat es ein weiteres Dreimeter-Sprungbrett. Weiter hat es ein Floss in nur zwanzig Meter Entfernung, sodass es schnell und leicht zu erreichen ist. Auf der Dachterrasse der Badi befindet sich die Ruhezone, in der viele Liegepritschen stehen die dazu einladen, sich unter den bunten Schirmen zu Entspannen und die malerische Aussicht zu geniessen.

 

Geschmackssache

Wie in den meisten Badis gibt es einen Badi-Kiosk mit vielerlei Snacks und Getränken. Nach einem Blick auf die Menü-Karte fällt langjährigen Besuchern schnell auf, dass diese reichlich dünner geworden ist. Wieso es keine Salate und ganze Mittag- oder Abendmenüs mehr gibt hat aber einen guten Grund: Lange verkaufte die Schlossbadi Birchermüesli. Anfangs verkaufte es sich auch, doch dann kamen die abgepackten Sandwiches und Salate in Mode, und das Birchermüesli blieb liegen. Also wischte man Birchermüesli wieder von der Menütafel weg und der grösste Teil der Kundschaft vermisste es auch nicht. Später wurde es jedem frei zu Picknicken oder etwas am Badikiosk zu kaufen. Und diese Freiheit schätzen die Kunden sehr.

 

Offen für alle

Die Badi ist nicht übertrieben schick, sodass man sich auch ohne Bikini oder Badehose von Gucci und Täschchen von Louis Vuitton nicht fehl am Platz vorkommt. Sie ist zudem mit ihrem Retroflair absolut hipstertauglich.

 

Ältere Damen geniessen es, bei Tee und Kaffee zu Tratschen, während Kinder fröhlich herumtollen oder im abgetrennten Nichtschwimmerbereich plantschen und Jugendliche sich mit ihren Freunden auf Badetüchern ausstrecken. Manche Besucher sind hergekommen um zu schwimmen, andere um die Mittagspause hier zu verbringen. Für beide Besuchergruppen ist diese Badi ein Ort der Erholung. Denn hier ist jeder willkommen.