Gesellschaft | 08.08.2014

Einundzwanzigster Brief aus Deutschland

Als die Schweiz heute Morgen munter den letzten Arbeitstag der Woche anging wusste sie noch nicht, dass sie am frühen Nachmittag ihre Stimme der Vernunft verlieren würde. Die Alpennation ist bis auf weiteres wieder auf sich alleine gestellt.
Die Friedenstaube von "Eine Zeitung" hat zwei Wochen Sendepause.
Bild: Katharina Good

So, liebe Schweizer,

 

Sie müssen jetzt ganz gefasst sein und die Ruhe bewahren, denn wir haben eine Bekanntgabe zu machen, die der eine oder andere unter Ihnen vermutlich nur schwer verarbeiten kann. Wir sind auf jede Reaktion vorbereitet und können sie auch nur allzu gut nachempfinden. Viele von Ihnen werden schreiend aus den Häusern laufen, einige werden sich selbst Verletzungen zufügen, um den Schmerz besser zu ertragen. Auch Selbstmorde aus Verzweiflung sind nicht komplett auszuschließen. Doch es ist nun einmal so wie es ist:

Wir machen Sommerpause.

Ja, es ist wahr, die kommenden zwei Freitage wird kein Brief aus Deutschland erscheinen.

Wir brauchen Urlaub. Wir sind ausgelaugt. Wir können einfach nicht mehr!

 

An dieser Stelle auch ein Gruß an die Redaktion: Hallo Tink-Redaktion, wie Ihr weiter oben gelesen habt, machen wir nun eine kleine Sommerpause. Wir hoffen, das ist Euch nicht zu kurzfristig. Sorry, aber jeder von uns dachte, der andere hätte Euch schon Bescheid gesagt – wie auch immer; Ihr findet schon guten Ersatz für diese Kolumne. Vielleicht schicken wir Euch nächste Woche eine Postkarte. Tschüß!

 

Aber Schweiz, jetzt mal ganz im Ernst: gut, zwei Wochen keine netten Worte aus Deutschland. Und?

Klar, es ist natürlich möglich, dass die Schweiz nun als Folge in sich zusammenbricht. Wie soll sie auch ohne die regelmäßigen Ratschläge aus dem Nachbarland zurechtkommen?

 

Die Sorge ist eigentlich ganz unbegründet. Sie haben es vielleicht verdrängt, aber die Schweiz existierte eine ganze Zeit lang mehr oder weniger gut, bevor wir anfingen, Sie jede Woche ein kleines Stückchen besser zu machen.

 

Aber das ist doch ein ganz guter Zeitpunkt, dass Sie zeigen, zu was Sie alleine in der Lage sind. Jetzt sind also Sie gefragt, liebe Schweizer und Schweizerinnen. Jeder einzelne von Ihnen. Funktioniert das Abwassersystem ohne unseren wöchentlichen Brief? Laufen die Kernkraftwerke? Dauert die Versorgung mit Mais, Kaffee, Tabak an? Gibt es Benzin an den Tankstellen?

 

Sie müssen wieder lernen, alleine zurechtzukommen. Helfen Sie einander. Nehmen Sie Ihren Nachbarn an die Hand, wenn er Hilfe braucht. Gemeinsam sind Sie stark!

Wir sind ja auch bald wieder da! Wirklich!

 

Sie schaffen das.

 

In diesem Sinne,

Herzlichst,

 

 

Ihr Deutschland