Kultur | 07.08.2014

Ein Rock’n’Roll-Leben am Brienzersee

Text von Melanie Bösiger | Bilder von Sharon Alt
Am 10. Mai erschien die neue CD "Karman Line" der Schweizer Band "Stranded Heroes". Sie spielen groovigen Rocksound und stechen am Brienzersee Rockfestival durch überraschende Harmonien und eine tiefe, kraftvolle Stimme hervor. Tink.ch hat die vier Musiker zum Interview getroffen.
Zur Zeit voll und ganz im Rock'n'Roll-Feeling: "Stranded Heroes".
Bild: Sharon Alt

Tink.ch: Wart ihr schon im Brienzersee schwimmen?

Anja (Gesang): Nein, noch nicht.

Stefan (Gitarre): Aber ich trage schon meine Badehose!

 

Es ist Samstagmittag, wie war das Konzert am Brienzersee Rockfestival für euch?

Stefan: Es war echt cool. Wir sind richtig im Flow.

Kusi (Schlagzeug): Klar wäre es schön, um acht Uhr zu spielen. Aber das kann man nicht aussuchen. Wir haben trotzdem Freude, dass wir am Brienzersee Rockfestival spielen konnten!

Anja: Ich bin total happy mit dem ganzen Konzept der neuen CD. Auch mit unseren Bühnen-Outfits, den Overalls und dem Bühnenbild. Es stimmt alles.

 

Was war das beste Konzert, das ihr je gespielt habt?

Stefan: Da gibt es viele Erlebnisse. Der Auftritt am Heitere Open Air war sicher eines der Highlights. Da waren viele Leute, die Stimmung war unverkrampft.

Kusi: Und das Montreux Jazz Festival war etwas Besonderes. An einen solch geschichtsträchtigen Ort eingeladen zu werden, ist natürlich eine Ehre. Wir haben nach unserem Auftritt eine von Claude Nobs signierte Urkunde bekommen. Daran hatten wir wirklich Freude!

 

Ihr seid euch also gar nicht einig?

Anja: Nein, es gibt so viele schöne Orte für Konzerte. Ein wunderschöner Platz ist das Open Air an der Plage Salavaux am Murtensee. Da spielten wir direkt am Sandstrand. Die Leute tanzten im Regen, die Stimmung war umwerfend.

Kusi: Auch das Open Air in Magden gehört dazu. Es war das erste Konzert mit Dave, unserem neuen Bassisten. Wir merkten dort, dass die neue Bandkonstellation super funktioniert.

 

Das Intro eurer ersten CD Metamorphin lautet We are Stranded Heroes and we are Rock’n’Roll. Wie kommt ihr zu einem solchen Statement?

Stefan: Das ist angelehnt an Lemmy Kilmister, der auch immer gesagt hat: “Helou, we are Motörhead and we play Rock’n’Roll.” Das fanden wir komisch, irgendwie lustig. Darum haben wir das übernommen.

Anja: Wir beliessen es aber nicht dabei, sondern machten daraus “We are Rock’n’Roll”. Bescheiden wie wir sind (lacht).

 

Hört ihr die CD selber auch ab und zu?

Stefan: Wenn die CD neu erscheint, schon. Bei jedem Hören entsteht ein neuer Eindruck, man hört andere Dinge, die einem gefallen.

Anja: Zum Vorbereiten der Konzerte höre ich unsere CDs oft im Auto.

Kusi: An Konzerten probieren wir gerne Neues aus, spielen da etwas anders und ändern dort etwas. Deshalb höre ich gerne dazwischen die CD, um den Song wieder in der ursprünglichen Form präsent zu haben.

 

Bei euch läuft die CD also immer wieder. Wird sie auch von den Radiosendern gespielt?

Anja: Von den grossen kommt immer dieselbe Antwort: Sie spielen nur die Top 50 der Hitparade. Bei einigen Independent-Radiosendern werden wir aber gespielt, das ist cool. Zum Glück ist die Radiolandschaft in der Schweiz so vielfältig.

Kusi: Wenn du einem grossen Sender einen Song schickst, ist das wie Lotto spielen. Wenn der Verantwortliche dich gerade toll findet, hypt er dich. Dann hast du gewonnen. Und sonst bist du eine von 25 Bands, die ein Tape geschickt hat und nicht gespielt wird. Da kann man nicht böse sein, aber es ist halt schade.

 

Aber den Videoclip sieht man ab und zu im Fernsehen.

Anja: Ja, der kommt wirklich gut an. Im Herbst kommt das neue Video zu From The Void, unsere erste, richtige Ballade. Der Song kam mir beim Staubsaugen in den Sinn und war sofort fertig. Meist sind die besten Lieder jene, die spontan geschrieben werden und an denen man nicht lange bastelt. Manchmal küsst einen einfach die Muse.

 

Ihr habt den grössten Bus auf dem Festivalparkplatz – Geniesst ihr gerade das Tour-Leben?

Anja: Das ist natürlich ein Traum. Das ist das Rock’n’Roll-Leben! Gestern spielten wir am Feelgood Festival in Gösgen, heute sind wir hier. Einige Wochenenden mit der Band unterwegs zu sein, ist toll. Ich weiss allerdings nicht, ob ich das einen ganzen Sommer aushalten würde (lacht).

Dave (Bassist): Doch, doch, das würdest du!

 

Und jetzt geht’s weiter mit eurer Tour?

Stefan: Jetzt kommen schon bald wieder die Clubs. Am Mittwoch sind wir in Zürich, im September kommen weitere Gigs. Und nachher planen wie die Herbst-Winter-Tour.