Kultur | 04.08.2014

“Drei Stunden Schlaf müssen manchmal ausreichen.”

Text von Melanie Bösiger | Bilder von Sharon Alt
Seit mehr als zwanzig Jahren rückt Angelo Cefola an Festivals und in Clubs Bands ins richtige Licht. Der 45-jährige Rheinfelder ist als freier Lichttechniker in der ganzen Welt unterwegs, seit vier Jahren auch am Brienzersee Rockfestival. Dort erzählte er Tink.ch von seiner Arbeit.
Ein Lichttechniker drückt nicht nur Knöpfe - Er baut meist auch alle Leuchtmittel selbst auf.
Bild: Sharon Alt

“Hinter dem Lichtpult bin ich eher zufällig gelandet. Ein Freund von mir spielt in der Trash-Metal-Band Destruction, da fuhr ich vor 25 Jahren einige Tage im Tourbus mit. Irgendwann fragte er, ob ich mich nicht einmal an der Beleuchtung versuchen wolle. Ich habe meinen Job gut gemacht und bin dann für den Rest der Tour hinter dem Lichtpult geblieben. Danach wurde ich im Konzertlokal Z7 in Pratteln angestellt. Das war ein grosses Glück, denn ich hatte noch nicht viel Erfahrung. Knöpfe drücken ist das eine, aber wie die ganze Anlage funktioniert, wie sie aufgebaut wird, das musste ich erst noch lernen.

 

Im Z7 durfte ich seither unzählige nationale und internationale Acts ins richtige Licht rücken, mehr als hundert jedes Jahr. Ich habe mir einen Namen gemacht in der Szene – schweizweit, europaweit oder sogar weltweit. In der letzten Zeit war ich unter anderem in Norwegen, Frankreich, China, Indonesien und Japan unterwegs. Ich kann gar nicht sagen, welche von all den Bands, die ich schon beleuchtet habe, meine Lieblinge sind. Sehr gerne würde ich einmal bei Muse hinter dem Lichtpult stehen.

 

Mittlerweile habe ich viel Erfahrung und kann auch eine Band beleuchten, deren Musik ich vor dem Konzert nicht gekannt habe. Ich bin selber Gitarrist, habe ein gutes Taktgefühl und kann schnell reagieren. Die Leute merken, ob das Licht im richtigen Moment ausgeht, der Takt stimmt. Wir klären vor dem Konzert ab, ob die Musiker spezielle Wünsche haben. Manche lassen mich einfach machen, einige wollen zu bestimmten Songs spezielle Effekte, andere geben mir für das ganze Konzert eine Liste, wann welches Licht ein- und auszuschalten ist. An Festivals haben wir nicht viel Zeit zur Absprache, da habe ich meist freie Hand. Einige grosse Bands haben auch fertig vorbereitete Lichtshows, die ich nur noch durchdrücken muss.

 

Die meisten Musiker sind ohne eigenen Lichttechniker unterwegs. So komme ich hier am Brienzersee Rockfestival kaum zu Pausen. Am Samstag spielte ab 13 Uhr bis nachts um drei Band um Band, von denen ich nur zwei nicht beleuchtet habe. Das sind lange Tage und kurze Nächte, drei bis vier Stunden Schlaf müssen manchmal ausreichen. Seit Donnerstag bin ich im Einsatz. Wir haben die ganze Technik aufgebaut und räumen am Sonntagabend bis Mitternacht wieder auf. Danach habe ich eine kurze Pause, nächste Woche fliege ich für eine Show vor 15’000 Menschen nach England, und von dort geht es direkt wieder zurück – ans Open Air Gampel.”