Kultur | 08.08.2014

Der Bestatter im Altersheim

Text von Michael Küng | Bilder von Michael Küng.
Die dritte Staffel des Bestatters wartet mit neuen Drehorten in bekannter Umgebung auf ihre Zuschauer. Unter anderem wurde in einem altehrwürdigen Aarauer Altersheim gedreht. Ein Einblick in die Dreharbeiten.
Mike Müller und Reto Stalder vor ihrem temporären Berufsfahrzeug: Dem Leichenwagen. Alles muss schnell gehen: Für einzelne Szenen standen im Altersheim nur kleine Zeitfenster zur Verfügung.
Bild: Michael Küng.

Das Altersheim Herosé als Drehort stellte die Macher vor eine besondere Herausforderung: Der 24-Stunden Betrieb des Altersheims durfte nicht gestört werden. So war es an diesem Morgen der Fall: Die Crew drehte um sechs Uhr morgens schon eine Szene im Garten, damit sie den vorgesehenen Festivitäten ausweichen konnte.

 

Der erste Teil des Drehs musste vor dem angesetzten Konzert abgeschlossen sein. Auch während den Aufnahmen gab es einige Leute, die von den Dreharbeiten überrascht wurden und denen die Crew erst erklären musste, was hier geschieht. Der Regisseur liess sich aber nicht aus der Ruhe bringen. Die Szene, während der ein verhafteter Krimineller aus dem Gebäude und in Polizeiauto bugsiert wurde, war zügig im Kasten.

 

Wissenswertes zur Serie

Der Schauspieler Mike Müller (als Luc Conrad) übernahm 2012 in der neuen Schweizer Serie die Titelrolle des Bestatters. Mit dem grossen Erfolg der ersten Staffel hatte in diesem Ausmass niemand gerechnet. Die erste Staffel umfasste nur vier Folgen. Nach dem überraschenden Erfolg ging es dann in eine zweite Runde. Mit einem stärkeren Fokus auf den Aargau und mit neuen Büchern, die mit der Erfolgsautorin Katja Früh, Dominik Bernet und Claudia Pütz in einem Dreier-Team entstanden, wurden die Folgen noch besser.

 

Der Überraschungs-Liebling der Zuschauer war Reto Stalder (Fabio Testi), der mit seiner Rolle als Lehrling auch die Jugendlichen zum Einschalten brachte. Das Team bekam schliesslich als bisherige Krönung ihres Schaffens den Prix Walo für die beste TV Produktion. Mike Müller wurde zusätzlich als bester Schauspieler ausgezeichnet. Auch Barbara Terpoorten (Anna-Maria Giovanoli), die ihre weibliche Hauptrolle auf natürliche Weise verkörpert, wurde durch die Serie einem breiteren Publikum bekannt. Die Schauspieler sind bei der folgenden dritten Staffel alle wieder dabei.

 

“Jetzt wird die Ernte eingefahren”

Die Stimmung am Set ist familiär. Die Erfolge  der ersten und zweiten Staffel schweissten die Darsteller, die Produzenten  und die Redakteure zusammen. Am Set spricht man darüber, dass die neue Staffel inhaltlich und darstellerisch nochmal eine Ebene höher anzusiedeln sei als die vorangegangenen Staffeln.

 

“Jetzt wird die Ernte eingefahren”, meinte Thomas Lüthi, der als Redakteur bei SRF die Serie betreut. Als Aarauer war er auch daran beteiligt, dass die Folgen im Mittelland spielten. “Die Krimiserie sollte in einer Kleinstadt angesiedelt werden, wie zum Beispiel Olten, Solothurn, Baden oder eben Aarau, da unsere Zuschauer meistens in dieser Umgebung leben. Als die Wahl auf Aarau fiel habe ich mich sehr gefreut”, erzählte er.

 

“Vor der zweiten Staffel, etwa vor einem Jahr, ging ich mit den Autoren durch Aarau und habe ihnen die wichtigsten Merkmale von Aarau gezeigt. Dabei entstand zum Beispiel die Idee, den Aargauer Weinbau in den Mittelpunkt einer Folge zu rücken.”

 

Beliebt auch im Ausland

Seit die erste Staffel so erfolgreich war, sind Gerüchte über einen Verkauf ins Ausland im Umlauf. Denn auch die Kritiker in Deutschland haben die Serie wohlwollend zur Kenntnis genommen. Tatsächlich besteht Interesse zum Beispiel vom Zweiten Deutschen Fernsehen ZDF. Allerdings ist das Schweizerdeutsch das Hauptproblem. Das ZDF möchte keine synchronisierte Sendung am Hauptabend ausstrahlen. Es würde schwierig, bei einem Verkauf die Sendung sinnvoll im ZDF-Programm unter zu bringen.

 

Es gibt aber auch andere Sender, die händeringend nach neuen Serien suchen, so zum Beispiel SAT1, denen Ersatz für ihre zu Ende gegangenen Klassiker (der letzte Bulle und Danni Lowinski) fehlt. Bei einem Verkauf wäre der Fortbestand der Serie besser gesichert, da man den Erlös in die Weiterentwicklung der Serie oder in ein neues Projekt stecken könnte. So müsste man nicht nur Gebührengelder aufwenden und hätte mehr Spielraum.

 

Wie es weitergeht

Die zweite Staffel endete im Ungewissen: Gerichtsmediziner Semmelweiss wurde angeschossen und es blieb offen, ob die Figur überlebt hat. Dazu meinte Lüthi lächelnd: “Denken sie, wir bringen einen unserer Hauptcharakteren um?” Ob die Autoren den Mut dazu hatten, ist ab Januar 2015 zu sehen.