Kultur | 21.08.2014

Der Altherrenwitz der Action-Veteranen

Verschwitzte Tanktops, rauchende Knarren, ranzige Rentner und mehr Haarfärbemittel als bei den Oscars: Willkommen in der Welt der Expendables, wo echte Männer sich mit dem Bajonett rasieren und Statisten auf fahrenden Zügen verhauen - ohne Rücksicht aufs künstliche Hüftgelenk.
Er liebt es, wenn ein Plan funktioniert: Sylvester Stallone eifert punkto Haarfarbe seinem Vorbild Hannibal Smith vom A-Team nach.
Bild: zVg / Ascot Elite Entertainment Group Die Expendables gehen auf Gefechtsstation. zVg / Ascot Elite Entertainment Group

“Wie viele abgehalfterte Actionstars können sich vor ein und derselben Kameralinse kloppen?”, hat sich Sylvester Stallone 2010 gefragt und mit The Expendables die Probe aufs Exempel gemacht. Aus dem Beschäftigungsprogramm für arbeitslose Krawall-Rentner wurde eine erfolgreiche Filmreihe, die mittlerweile in die dritte Runde geht.

Und weil die Befreiung einer Bananenrepublik (Teil 1) und der Rachefeldzug am Mörder eines Teammitglieds (Teil 2) schon abgehakt sind, bekommen wir nun die drittbeste Actionfilm-Handlung aus dem Drehbuchbaukasten serviert: die Begleichung einer alten Rechnung mit einem abtrünnigen, wahlweise auch totgeglaubten Teammitglied. Bühne frei für den Italian Stallion und seinen demolierten Botox-Visagen, die diesmal den grössenwahnsinnigen Mel Gibson aus dem Verkehr ziehen sollen.

 

Grösster Pluspunkt der ersten beiden Expendables-Filme war immer die augenzwinkernde Selbstironie, mit der auf die turbulente Vita der Hauptdarsteller verwiesen wurde. Es tat gut zu sehen, dass die ikonischen Raubeine von einst im Alter über sich selbst lachen konnten. Auch im dritten Teil macht Stallone keinen Hehl daraus, dass er und seine Mitstreiter eigentlich zu alt fürs Kriegspielen sind. So schickt er Jason Statham, Dolph Lundgren und den frisch aus einem fahrenden Gefängnis gepflückten Wesley Snipes in Rente, nachdem eine vermeintliche Routinemission für Terry Crews im Koma endete. Die alten Knacker sollen einer jungen, knackigen Nachwuchs-Söldnertruppe weichen, mit der Stallone den verpatzen Auftrag zu Ende bringen will.

 

Kollision der Generationen

Die angestrebte Verjüngungskur dient in erster Linie natürlich dazu, jene Zuschauergenerationen abzuholen, die Action-Grössen wie Schwarzenegger und Lundgren nur noch vom Hörensagen kennen. Entsprechend austauschbar sind die Neuzugänge geworden. Nicht nur werden sie an generischen Schauplätzen rund um den amerikanischen Kontinent rekrutiert, sie strapazieren auch jedes noch so ausgeleierte Komparsen-Klischee: Vom Computerexperten mit einem Faible für Extremsportarten bis zur verrenkungsfreudigen Blondine mit Killerblick und Sixpack ist alles dabei, was das Figuren-Reissbrett hergibt.

 

Ihr Ziel ist simpel: Mel Gibson soll vom Schauplatz eines internationalen Waffendeals direkt vors Kriegsverbrecher-Tribunal nach Den Haag geschleift werden. Natürlich wird er nie dort ankommen, denn Rädelsführer Stallone hat noch ein persönliches Hühnchen mit ihm zu rupfen. Und das geht am Ende selbstverständlich nicht ohne etwas Schützenhilfe von der alten Garde. Selbst Harrison Ford, Arnold Schwarzenegger und Jet Li werden für die finale Schlacht per Helikopter eingeflogen. Gemeinsam mit den neuen Helden wird ein ehemaliges Luxusressort (jetzt Geheimresidenz von Mad Mel) in Schutt und Asche zerlegt – eine knappe halbe Stunde lang.

 

Weniger Blut, mehr Explosionen

Das ist genauso stumpfsinnig wie die ganzen Action-Streifen, durch die Schwarzenegger und Co. schon in den Achtzigern randalierten, aber es fliesst wesentlich weniger Blut. Stallone, der alte Schlawiner, hat passend zum neuen Zielpublikum nämlich eine niedrigere Altersfreigabe herausgeschunden und dazu sämtliche Blutfontänen und abgetrennte Gliedmassen aus dem Film verbannt. So muss die Kamera immer ganz schnell wegschwenken, wenn mal wieder einem namenlosen Statisten die Gurgel durchgesäbelt oder die Rübe verdroschen wird. Zum Glück sind die Expendables auch darauf vorbereitet und vertrauen nun umso mehr auf die Pyroeffekt-Abteilung – oder greifen gleich zum Panzer.

 

Alles in allem also Altbewährtes von der Radau-Front, aufgepeppt mit etwas Frischfleisch und erleichtert um übertrieben brutale Sauereien. Achtziger-Action, zurechtgestutzt für ein frisches Publikum unter 18 Jahren. Nur die bescheuerten Dialoge blieben von der Zensurschere unangetastet, was wohl der allgemeinen Belustigung dienen soll. Sowas wurde vor 30 Jahren noch direkt ins Videotheken-Regal gefeuert, heute wird an Nebenschauplätzen in Cannes dafür geworben. Kanonenfutter für Kulturpessimisten? Wir wollen mal nicht so sein und schmunzeln wohlwollend über diesen Altherrenwitz der Action-Veteranen – auch wenn wir ihn mittlerweile zum dritten Mal hören.