Kultur | 18.08.2014

“Dass wir keine Quoten hatten, fand ich persönlich eher lustig.”

Text von Michael Küng | Bilder von zvg
Tink.ch sprach mit dem Erfolgssatiriker Mike Müller (Luc Conrad) und dem Publikumsliebling Reto Stalder (Fabio Testi) über den Erfolg des TV-"Bestatters", ihren Einfluss auf das Drehbuch und die Arbeit auf dem Set.
Auf dem Bestatter-Set: Mike Müller (d.v.r.) und Reto Stalder (e.v.l.).
Bild: zvg

Tink.ch: Mike Müller, haben Sie mit diesem Erfolg der Serie gerechnet?

Nein, so etwas kann man im Vorfeld nicht wissen. Manchmal hat man während der Arbeit ein Gefühl, aber genau weiss man es nicht. Und das ist gut so.

 

Im Januar 2013 fiel durch eine technische Panne die Quoten-Messung aus. Für die erste Staffel gab es keine Quoten. Hat sie das belastet?

Wir haben von den Abrufzahlen im Internet gewusst, dass “Der Bestatter” beim Fernsehpublikum ankommt. Offiziell wurde das nie gesagt, aber die Abrufzahlen waren ein wichtiger Anhaltspunkt. Dass wir keine Quoten hatten, fand ich persönlich eher lustig. So war nämlich die Presse gezwungen, eine inhaltliche Kritik zu machen, und keine zahlenmässige. Auch das SRF musste sich überlegen, ob das Projekt inhaltlich gut war.

 

Schreiben Sie auch an den Drehbüchern mit?

Nein, gar nicht. Ich spreche aber mit den Autoren und sage, ob ich die Ideen gut finde oder nicht.

 

Vergleichbare Serien sind in Deutschland nach der dritten Staffel abgesetzt worden. Wie lange wird es den Bestatter geben?

Das ist eine Frage, die wir uns jedes Jahr stellen. Wir werden uns also nach der dritten Staffel fragen; sollen wir die Serie nach der vierten Staffel sterben lassen? Der Blick von Jahr zu Jahr hat den Vorteil, dass Sender und Produktion die Serie erhobenen Hauptes verlassen und sich im Falle einer Absetzung neuen Projekten widmen können. Ein ähnliches Vorgehen praktizieren übrigens Viktor und ich bei der Sendung Giaccobo/Müller.

 

Haben Sie Angst vor den Volksinitiativen, welche die SRG schwächen wollen?

Die Fragestellung bei der Initiative zur Abschaffung der SRG finde ich problematisch. Man könnte das Volk auch entscheiden lassen, Steuern zu bezahlen oder nicht. Generell haben wir heute eine Situation mit einem öffentlich-rechtlichen Sender, die sowohl einige Nachteile aber auch Vorteile mit sich bringt. Den Vorteil zum Beispiel, dass der Sender nicht politisch gesteuert wird. Was Christoph Mörgeli eigentlich möchte, ist ein Staatsfernsehen wie man es aus dem Osten kennt. Ich bin sehr froh, haben wir nicht eine solche Institution.

 

Reto Stalder, wie sind Sie zum Schauspiel gekommen?

Stalder: Ich habe während meiner Schulzeit im Freifach Theater gespielt. Dort hat mich dieser Schauspiel-Virus gepackt.

 

War Schauspieler immer Ihr Traumberuf?

Ich habe Schauspiel als Beruf erst später kennengelernt, als es darum ging, meine Leidenschaft professionell ausleben zu können. Früher war es mir nicht bewusst, dass es den Beruf “Schauspieler” gibt.

 

Welche Eigenschaften sollte man als Schauspieler mitbringen?

Durchhaltevermögen, Willen, Geduld, Kritikfähigkeit und die Bereitschaft, an sich zu arbeiten. Gerade beim Film ist es wichtig, Geduld zu haben. Es gibt immer mal wieder Unterbrüche, zum Beispiel wenn ein Flugzeug vorbeifliegt oder die Sonne hervorscheint. Dann muss man warten.

 

Sie sind vom Theater zum Film gekommen. Was ist der grösste Unterschied?

Beim Theater hat man einen grossen Probe-Ablauf und einen Spannungsbogen. Beim Bestatter drehen wir nicht chronologisch, sondern drei Folgen durcheinander. Das führt dazu, dass wir von einer Szene in eine Total andere gehen. Beim Theater braucht man eine starke, laute Stimme.

 

Wie sind Sie mit dem unerwarteten Erfolg nach der ersten Staffel umgegangen? Kann man das lernen?

Nein, lernen kann man es nicht. Es war für mich eine total neue Erfahrung, von wildfremden Leuten angesprochen zu werden oder Fanbriefe zu beantworten, die Geschenke oder Zeichnungen beinhalten. Darin wurde ich nicht geschult.

 

Welche Eigenschaften verbinden Sie mit Ihrer Figur Fabio Testi?

Es ist schon so, dass beim Casting darauf geachtet wird, dass die Rolle zum Schauspieler passt. Eine Leidenschaft, die ich mit Fabio teile, ist die Liebe zur Pflanzenwelt.  Mit Fabios Schrebergarten hat sie in der zweiten Staffel den Einzug in die Geschichte gefunden. Dafür bin ich den Autoren dankbar.

 

Haben sie Einfluss auf die Gestaltung Ihrer Rolle?

Nur begrenzt. Unser tolles Autoren-Team hört uns zu und achtet darauf, wie Mike und ich zusammen spielen. So können sie die Figuren weiterentwickeln. Ich kann aber nicht wünschen, dass Fabio in der nächsten Staffel einen Vogel als Haustier bekommt.

 

Haben sie schon konkrete Projekte für den Herbst geplant?

Nein. Es stehen viele Projekte an, aber es ist noch nicht spruchreif.