Kultur | 18.08.2014

“Das Floss wieder einmal im Kreuzfeuer der Behörden”

Text von Tamara Keller | Bilder von zVg
Dieses Jahr konnte das Floss des "Im Fluss-Festivals" in Basel wegen zu hohem Pegelstand nicht anlegen und musste somit für 12 von 17 Konzerten mit einer Ersatzbühne "am Fluss" stattfinden. Was Veranstalter Tino Krattiger über Notfallpläne und die Zukunft der Rheinkonzerte sagt.
Tino Krattiger ist Leiter des "Im Fluss"-Festivals in Basel, das dieses Jahr mit ungewöhlich grossen Wassemassen zu kämpfen hatte.
Bild: zVg

Das Gratisfestival “Im Fluss – das Kulturfloss” gehört zum Basler Sommer wie das Rheinschwimmen. Doch dieses Jahr konnte das Floss für die ersten zwölf Tage nicht anlegen. Der Grund: Ein zu hohe Pegelstand am Rhein. Spontan wurde das “Im Fluss” zum “am Fluss”, was erheblich am Budget nagt. Erfinder und Kapitän Tino Krattiger im Interview mit Tink.ch.

 

Tink.ch: Ist die Zahl 15 so etwas wie die persönliche Unglückszahl des Im Fluss?

Tino Krattiger: Ja, das kann man jetzt so sagen. Damit hat niemand gerechnet, dass beim 15. Jubiläum etwas schief geht. Ich hab mir das anders vorgestellt: Ich dachte da ist ein Kuchen mit Kerzen obendrauf, die man ausblasen kann. Dann lehnt man sich etwas zurück und bekommt noch ein paar Geschenke. Stattdessen haben wir kein Floss und kein Sommer, sondern Regen bekommen.

 

Was war ihr erster Gedanke als feststand, dass das Floss nicht anlegen kann?

So in der Art: “Das darf ja nicht wahr sein! Das ist jetzt wirklich der Supergau!” Es war klar: Wir müssen eine Lösung finden und wir müssen das Ganze irgendwie “umschiffen”. So ist es dann zu einer “Trockenlösung” gekommen.

 

Gab es davor nie ein Notfallplan?

Es gab es bereits, dass das Floss dastand und der Hochwasserpegel erreicht war, weswegen die Schifffahrt gesperrt war. Dann ging man entweder an Land, zum Beispiel haben wir vor “Dem schmalen Wurf” gespielt, oder man hat ein Konzert ausfallen lassen. Dass wir gar nicht anlegen können, das gab es noch nie. Da waren wir nicht drauf vorbereitet. Wir haben es dann innerhalb von 24 Stunden gelöst, indem wir eine Ersatzbühne aufgebaut haben.

 

Also erstmal schlaflose Nächte?

Ganz furchtbar viele Telefonate. Es ist ja nicht nur Einer, der dann etwas beschließt. Da sind ganz viele Leute, die mit einbezogen werden müssen bis zur Verwaltung und Polizei und in der Menge der involvierten Stellen spürt man dann schon Gegenwind.

 

Aber trotz Gegenwind hatten Sie dann schlussendlich Glück?

Glück spielt immer eine Rolle, aber wir hatten Leute die gewillt waren das Problem zu lösen oder uns die Ausnahmebewilligung zu geben. Das war nochmal ein Kampf, aber auch lustig, dass das Floss wieder einmal ins Kreuzfeuer der Medien und Behörden geriet.

 

Gab es noch andere positive Überraschungsmomente?

Erstens einmal, dass das Publikum es ganz gut aufgenommen hat. Die Leute haben vor der Bühne getanzt. Das haben wir natürlich noch nie gesehen, weil die Bühne immer 20 Meter entfernt im Wasser stand. Dann kamen Leute, die gesagt haben: So sei es ja im Grunde genommen besser. Das hab ich nicht so gerne gehört, aber ich nahm es als Trost.

Trotzdem habe ich gesagt, sobald es geht, wechseln wir dann doch wieder ins Wasser. Ich bin schliesslich Kapitän eines Flosses und nicht Kapitän einer Landbühne.

 

Viele Künstler kommen auch wegen dieser einzigartigen Atmosphäre hierher: Gab es jemanden der herkam und gesagt hat: nein, auf der kleinen Bühne will ich nicht spielen?

Nein, das dürfen die gar nicht, wir haben ja Verträge. Aber es gab so Einige, die meinten, es sei schade – sie hätten sich schon gefreut. Aber wir kriegen umgekehrt auch nicht so viele positive Feedbacks, wie normalerweise auf dem Fluss. Es macht die Künstler vielleicht dankbarer.

 

Welchen Mehraufwand war das jetzt tatsächlich für das Budget?

Erfahrungsgemäss wird sich das Ganze im Bereich von rund 30 000 bis 40 000 Schweizer Franken abspielen.

 

Was bedeutet das für die Zukunft des im Fluss?

Nichts, wir werden weiter machen. Selbstverständlich. Ich denke wir gehen gestärkt daraus hervor. Wir haben es ja geschafft! Wir schaffen es auch wieder.

 

Zur Person


 

Tino Krattiger ist 53 Jahre alt, in Basel geboren und aufgewachsen, hat aber auch seine Wurzeln im Kanton Tessin. Seit dem Jahr 2000 veranstaltet er das Im Fluss-Kulturfestival in Kleinbasel, direkt an der Rheinbrücke. Zuvor war er 20 Jahre im freien Theater tätig und verdiente sein Brot als Architekt. Vier Jahre engagierte er sich zudem im Grossen Rat des Kantons Basel-Stadt. Über seine Idee ein Festival auf einem Floss im Rhein zu veranstalten, sagt er selbst: “Ich glaube hätte ich kein Theater gemacht, wäre ich nie auf die Idee gekommen.”