Gesellschaft | 15.08.2014

Al Capones Erziehungsanstalt

Text von Laura Rufer | Bilder von Laura Rufer
Berüchtigte Verbrecher und Gefängnisausbrecher wie der Mafioso Al Capone verbrachten Jahre isoliert auf der Insel Alcatraz. Ihr Leben war geplagt von einer Sehnsucht: Der Freiheit.
Die Gefängnisinsel Alcatraz im San Francisco Bay ist Stoff zahlreicher Legenden. Mithilfe der abgebildeten Puppenköpfen gelang den Häftlingen die Flucht.
Bild: Laura Rufer

Rost nagt an den Zelltüren des einst berüchtigtsten Gefängnisses der Welt. Die Zellen sind nicht nur eng, sondern auch karg und trostlos. Ihre Insassen durften sie zwar verschönern, doch wirklich häuslich wurden die Zellen nie. Wo sich heute Touristen tummeln, sassen und gingen früher noch Mafiosi, Mörder und andere Verbrecher.

 

Der US-Hochsicherheitstrakt war für seine Bewohner kein Zuckerschlecken. Die Regeln im Gefängnis vor der Westküste der USA waren hart wie etwa einen Blick auf die Gefängnisverordnung zeigt: “Sie haben Anspruch auf Verpflegung, Kleidung, Unterbringung und medizinische Versorgung. Alles andere sind Privilegien.” Kaum ein Insasse erhielt je die Gelegenheit, diese Privilegien zu nutzen. Entsprechend gross war der Wille einiger Insassen, dem Gefängnis den Rücken zuzukehren, koste es was es wolle. Im schlimmsten Fall sogar das Leben..

 

Mit Puppenköpfen und Löffeln aus Alcatraz

So sorgte nicht nur die Insel mit ihrem berüchtigten Gefängnis für Schlagzeilen, auch die Insassen  schafften es mit ihren Fluchtversuchen des Öfteren in die Medien. Oftmals endeten die Fluchtversuche aber erfolglos: So kamen beispielsweise nach einer misslungenen Flucht in einer Schiesserei drei Insassen und zwei Wärtern ums Leben.

 

Der legendärste und durchdachteste Ausbruch war jener im Jahre 1962. Frank Morris und die Gebrüder Anglin, welche ihren Fluchtversuch seit Monaten sorgfältig geplant hatten, setzten ihn im Juni 1962 in Tat um. Anstelle ihrer Köpfe lagen auf den Kissen in ihren Zellen selbstangefertigte Puppenköpfe mit Haaren und glaubhaft echten Gesichtern. Mit Löffeln und einem improvisierten Bohrer durchbrachen sie die dicken Betonwände ihrer Zellen. Danach führte sie ihr Weg zu den Belüftungsschäften, durch welche sie ins Freie kletterten.

 

Auf das Festland wollten sie mithilfe von Schlauchbooten gelangen, die sie aus Regenmänteln zusammengebaut hatten. Ob ihnen diese Flucht über den Ozean gelang, ist bis heute unklar. Die Polizei sowie die Gefängnisleitung von Alcatraz gingen nach dem Verschwinden der drei Ausbrecher davon aus, dass sie ertrunken sind. Ihre Leichen wurden aber nie gefunden. Deshalb fahndet die Polizei noch heute nach ihnen.

 

Harte Bedingungen

Einer der Gründe für die harten Bedingungen auf Alcatraz waren nebst Regeln die Bauart des Gefängnisses und das Wetter. So wurde Alcatraz häufig von heftigen Winden heimgesucht, die für tiefe Temperaturen sorgten. Die Insassen froren beinahe täglich in ihren Zellen. Nur die Gitterstäbe schützten vor Wind und Wetter.

 

Wärmere Unterbringungs-Varianten waren die Isolationszellen, die sich im D-Block befanden. Sie waren geschlossen und ohne jegliches Tageslicht. Selbst für die Schwerverbrecher auf Alcatraz war der Aufenthalt in diesen Zellen das Übelste, was sie sich vorstellen konnten. Darin verlor der Insasse jegliches Gefühl für Zeit. Es war ein unerträgliches Warten. Ein Warten bis zur offiziellen Schliessung des Gefängnisses im Jahre 1962. Damit entkamen die Insassen den harten Bedingungen, auch ohne Fluchtversuch.

 

Alcatraz heute

Nach der Schliessung des Gefängnisses wurde Alcatraz  zum Naturschutzgebiet erklärt. Die Insel gehört seit den 70er-Jahren zu den Nationalparks am Golden Gate in San Francisco. Auf Alcatraz findet sich kaum Vegetation, auch Tierarten sind eher spärlich vertreten. Heute ist Alcatraz als Museum für Besucherinnen und Besucher mit der Fähre zugänglich.