Kultur | 07.08.2014

Affen ante portas

In "Planet der Affen: Revolution" geht die Eroberung der Erde durch eine Horde gedopter Primaten weiter. Ressourcenkampf, Intrigen, Wettrüsten - spannend und klug werden die Mechanismen des Völker- bzw. Artenkonflikts aufgezeigt.
Die Affen greifen zu den Waffen.
Bild: zVg / Twentieth Century Fox Film Corporation

“Ihr Wahnsinnigen, ihr habt die Erde in die Luft gesprengt!”, schrie Charlton Heston, als er die Wahrheit über den Planet der Affen am Ende des gleichnamigen Science-Fiction-Klassikers von 1968 erfuhr: Die von Primaten beherrschte Welt, auf der Heston mit seinem Raumschiff abgeschmiert war, entpuppte sich nicht etwa als fremder Planet, sondern als die postapokalyptische Erde.

 

Wie genau sich die Menschen das Licht ausgepustet und die Affen das Zepter übernommen hatten, wurde damals noch der Fantasie des Zuschauers überlassen (zumindest bis die vier direkten Fortsetzungen kamen). Doch über 40 Jahre nach dem Original beschloss 20th Century Fox, die komplette Vorgeschichte in einer neuen Filmreihe zu erzählen. Und so probten die Affen 2011 in Planet der Affen: Prevolution erneut den Aufstand.

 

Neulich, kurz nach der Affen-Apokalypse…

Auf Prevolution (was soll das eigentlich heissen?) folgt Revolution: Im zweiten Teil der neuen Affen-Saga haben sich die Primaten unter der Führung von Alpha-Schimpanse Caesar im nordamerikanischen Forst niedergelassen, unweit der Ruinen von San Francisco. Die wenigen verbliebenen Menschen kämpfen in der untergegangenen Metropole ums Überleben. Denn derselbe Wirkstoff, der die IQ-Werte der Affen explodieren liess, raffte als Seuche einen Grossteil der menschlichen Rasse dahin.

 

Während die Primaten im Wald munter ihre eigene Zivilisation errichten, geht der Menschenschar in Old Frisco allmählich der Saft aus. Eine neue Stromquelle muss her – und was würde da näher liegen, als das alte Wasserkraftwerk in den Wäldern wieder anzuzapfen? Dumm nur, dass der Staudamm mitten im Affen-Territorium steht.

 

Gary Oldman bleibt als politisches Oberhaupt der Menschen nichts anderes übrig, als einen Botschafter (Jason Clarke) ins Baumhausdorf der Affen zu entsenden. Best Case Scenario: Die Diplomatie siegt, beide Arten leisten sich gegenseitige Entwicklungshilfe und alle leben glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage. Worst Case Scenario: Misstrauen und Hass führen zum Krieg und der Versklavung einer Partei. Tja, Kenner des Originalfilms ahnen bereits, wie sich die Sache entwickeln wird.

 

Affen mit Waffen

Spannend und klug wird erzählt, wie einige wenige Manipulatoren die Angst und den Hass einer ganzen Gesellschaft (beziehungsweise Spezies) schüren können. Die Intrigen auf Seiten der Affen speisen sich aus dem Misstrauen der Menschen – und beide Fronten scheinen unfähig, dem vermeintlichen Feind seine Fehler zu verzeihen.

 

Der politische Subtext ist seit dem 1968er Ur-Film fester Bestandteil der Planet der Affen-Reihe. Damals als Parabel auf die Rassenproblematik konzipiert, setzt sich die Serie auch in ihren neuesten Teilen mit Themen wie Toleranz und (dem Scheitern) kultureller Verständigung auseinander. Dazu gehört eine zynische Abrechnung mit dem Waffen-Wahn erzkonservativer Neo-Cowboys, wenn die Affen plötzlich auf Pferden durch die Strassen San Franciscos galoppieren und mit Sturmgewehren um sich ballern.

 

Realismus aus dem Rechner

Als überaus gewagt darf der Entscheid der Macher gewertet werden, statt der Menschen die Affen in den Fokus der Erzählung zu rücken und auch noch offensiv damit zu werben. Auf das amerikanische Filmplakat hatte es nicht ein menschliches Antlitz geschafft – für einen 170 Millionen Dollar teuren Spielfilm eine kleine Sensation! Aber die Rechnung ging auf: Dawn of the Planet of the Apes, wie der Film im O-Ton heisst, lockte in den USA mit einem Einspielergebnis von 72 Millionen Dollar am ersten Wochenende mehr Zuschauer in die Kinos als jeder andere Blockbuster in diesem Jahr zuvor.

 

Dennoch wurde in die europäische Version desselben Plakats schon mal notdürftig Jason Clarkes Visage hineingeflickt. Offenbar traut man hier den digital kreierten Primaten nicht dieselbe Werbewirksamkeit zu. Dabei sind sie einer der ganz grossen Trümpfe des Streifens.

 

Wenn in den ersten Filmminuten die Affensippe bei der Jagd gezeigt wird, ist das pure Kinomagie. Die ganze Kommunikation läuft nur über Mimik und Zeichensprache ab. Dass dabei dennoch die volle Bandbreite an Emotionen vermittelt wird, ist den Künstlern der neuseeländischen Effekt-Schmiede Weta Digital zu verdanken: Aus Pixeln und den dreidimensional eingefangen Darbietungen der Schauspieler (u.a. Gollum-Darsteller Andy Serkis) zauberte das Studio die wohl ausdruckstärksten Geschöpfe, die je einem Computer entsprungen sind.

 

Wenn das der Heston wüsste

Daneben sieht die menschliche Darstellerriege beinahe etwas blass aus – trotz erstklassigen Schauspielern wie Gary Oldman und Jason Clarke. Als letzte Interessvertreter einer ohnehin untergehenden Spezies haben sie jedoch auch allen Grund dazu, etwas abgekämpft zu wirken. Nur Keri Russell geht als liebende Ehefrau und Mutter vollends unter, darf sie doch scheinbar einzig und alleine zur Komplettierung des hollywoodschen Familien-Ideals hinter Jason Clarke durchs Gebüsch stampfen..

 

Alles in allem überzeugt Planet der Affen: Revolution jedoch als würdiger Vertreter der kultigen Science-Fiction-Reihe: Die pessimistische Ausgangslage des Vorgängers wird konsequent fortsetzt, effekttechnisch ist der Film ein Triumph. Und der einstmalige Held des Affenplaneten Charlton Heston, zuletzt leider für sein zweifelhaftes Engagement bei der US-Waffenlobby bekannt, dürfte angesichts des pazifistischen Subtexts im Grabe rotieren.