Gestatten: Creme, Sonnencreme

Superkraft Nr. 1: Wasserfeste Sonnencreme geht nicht baden

Die Lipide (Fette) der Sonnencreme verhindern, dass der Superheld prolliger Sonnenanbeter baden geht. Allerdings braucht es zur Aufrechterhaltung dieser Superkraft etwas Unterstützung (tja, kein Superheld kommt ohne sein irdisches Helferlein aus). Dies gilt auch für das Supermodel der Werbung, das sich nicht unendlich oft ins Wasser werfen und wieder an den Strand legen kann, ohne von Zeit zu Zeit den Superhelden aufzufrischen. “Auch wasserfeste Sonnencreme sollte im Verlauf des Tages erneut aufgetragen werden, vor allem dann, wenn Patienten regelmässig baden gehen.”, meint die Dermatologin Frau Dr. Gansser.

 

Superkraft Nr. 2: Sonnencremes kennen kein Alter

Die Sonnencreme muss sich, anders als die ewig jungen Models der Werbung, mit ihrem Alter beschäftigen. Die Lipidanteile der Sonnencreme scheiden sich bei zunehmendem Alter und lösen unweigerlich die letzte Phase des Lebens einer jeden Sonnencreme ein, da helfen auch Anti-Falten-Cremes nicht mehr.

 

Superkraft Nr. 3: Sonnencreme findet es nur in den Ferien toll

Die Zutaten für einen Sonnencreme-Spot gleichen einer Einkaufsliste: einmal Model (vorzugsweise weiblich, Kinder sind immer gut und ab und an ein Mann kann nicht schaden), einmal Strand, viel Sonne, etwas Wind (die Haare sollen ja fliegen) und eine farblich und formmässig ansprechende Flasche voll mit dem Held der Werbung. Kein Wunder, dass bei dieser Darstellung viele denken, dass sich die Sonnencreme nur an Stränden und auf Ausflügen rumtreibt. Da hat die Werbung aber ihre Rechnung ohne die heimtückischen UV-Strahlen gemacht, die frecherweise auch in Städten oder kälteren Regionen ihr Unwesen treiben. Unser Superheld sollte also schleunigst sein Arbeitsradius vergrössern!

 

Superkraft Nr. 4: Sonnencreme nimmt es mit seinem Dr. No auf

Zu jedem Superhelden gehört ein anständiger Erzfeind. Spiderman schlägt sich mit Venom herum, Batman tritt gegen Joker an und Bond macht Jagd auf Dr. No. Und die Sonnencreme? Gerüchten zufolge hat sie den Kampf gegen den Krebs angetreten. Leider ist sie nicht ganz so effektiv wie andere Superhelden: “Die Sonne allein ist nicht der einzige Risikofaktor für Hautkrebs.”, wie Frau Dr. Gansser weiss. Unser Superheld braucht demzufolge tüchtige Unterstützung, wenn er gegen seinen Joker bestehen will, denn obwohl er das Risiko vom Bösewicht verschlungen zu werden minimiert, besiegen wird er ihn nie.

Zweiundzwanzigster Brief aus Deutschland

Hallo, hier sind wir wieder.

 

Erinnern Sie sich noch?

 

Wir haben Ihnen bis vor drei Wochen jeden Freitag einen netten Brief zukommen lassen, in dem wir, als Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland, kluge Ratschläge an die Schweizer Nation verteilten und Ihnen erklärten, wie Sie vieles, wenn nicht sogar alles, besser machen können.

 

Wir haben in den vergangenen drei Wochen zahlreiche Briefe erhalten mit der Aufforderung, uns bitte nicht mehr in die Belange der Schweiz einzumischen. Einige flehten uns regelrecht an, den Urlaub um weitere vier Monate zu verlängern. Andere berichteten uns von ihrer Auswanderung und ihrem neuen Leben in einem Land fernab unserer Briefe. Ein Herr, der seinen Namen nicht nennen wollte, schickte uns sogar einen Scheck über 20.000 Franken und bat uns, das Geld anzunehmen und dafür auf den “wöchentlichen Schund” zu verzichten.

 

Und nun sitzen wir hier in unserem neu eingerichteten Büro und schreiben den ersten Brief nach unserer kleinen Sommerpause an unserem hypermodernen neuen PC. Und erstmals tragen wir dabei einen Anzug. Von Armani.

 

Jetzt aber beschleicht uns das Gefühl, unser neuer Wohlstand könnte auf Blutgeld beruhen. Ja, es könnte gar aus zweifelhaften Geschäften stammen. Wie wir der internationalen Presse entnahmen, soll es in der Schweiz nur so von Mafiosi wimmeln.

 

Huch. Haben die da etwa gerade Mafia geschrieben? Mafia? In der Schweiz?

Ja, wir nehmen da kein Blatt vor den Mund. Wir sind deutsch genug, kriminelle Ausländer zu erkennen und öffentlich anzuprangern!

 

Aus unserer Sicht ist zum Beispiel Joseph Blatter ein Ausländer. Und wer hätte mehr Erfahrung darin, Milliarden reinzuwaschen, umzuverteilen und wieder in seiner Tasche landen zu lassen als Herr Blatter?

Aber es nützt ja nichts, wir müssen Ihnen wohl noch mehr die Augen öffnen. Tun Sie bitte nicht so, als wären Sie von der Existenz der Mafia in der Schweiz überrascht. Blatter ist nur ein offensichtlicher Repräsentant, daneben gibt es noch: Nestlé.

 

Sie haben richtig gelesen. Eine Recherche unsererseits hat ergeben, dass der Konzern in etwa so viel Umsatz macht wie die kalabrische Mafiavereinigung ‘Ndrangheta, ein offizieller Jahresumsatz von 93 Milliarden Franken steht einem geschätzten Umsatz von 90 Milliarden gegenüber. Und beide, meine Damen und Herren, verdienen Ihr Geld mit Drogen und Menschen töten.

Den Rest der Interpretation überlassen wir Ihnen, uns wird das jetzt zu heikel.

 

Herzlichste Grüße,

 

 

Ihre BRD

“Schreibe jeden Tag, wenn auch nur einen Satz”

Ein Foto von Jeff Wall war der Auslöser für das Stück Schiffbruch. “Ich habe das Bild angeschaut und mich gefragt: Wie sind die Figuren in das Bild gekommen? Wer sind sie?”, erinnert sich Rebecca C. Schnyder. “Dann habe ich die Figuren in meinem Kopf sprechen lassen.” Ja, das klinge etwas verrückt, gibt sie lachend zu, aber sie lasse sich gerne von Fotos inspirieren und höre den Figuren in ihrem Kopf erstmal zu, was sie mitzuteilen hätten.

 

Ein mitreissendes Stück

Zu sagen hatten die Figuren einiges, entstanden ist daraus das aktuelle Bühnenstück von Rebecca C. Schnyder, die sich seit rund fünf Jahren “freischaffende Autorin” nennt. Das Stück handelt von Kartoffeln und einem Tattoo, einer Halskette und dem elterlichen Haus. Um diese Elemente spinnt Schnyder ihre Geschichte über Verantwortung, Ausbrechen und Abhängigkeiten.

Schiffbruch besticht durch seine Authentizität: Die Dialoge wirken aus dem Leben gegriffen, die Figuren wie alte Bekannte der Autorin: jede und jeder mit einer eigenen Vergangenheit, Verletzungen, Träumen und Traumas.

 

Die Themen werden meist nur oberflächlich angeschnitten und entfalten gerade dadurch ihre Tiefen, die Figuren möchten gar nicht so recht über sich sprechen und kommen doch immer wieder auf die gleichen Punkte zurück. Wie eine Spirale bohrt sich daher die Geschichte über zwei Schwestern und ihren behinderten Bruder immer tiefer in das Bewusstsein der Zuschauer hinein. Es ist rührend anzuschauen, wie die drei nach dem Tod ihres Vaters versuchen, einen Schritt aufeinander zuzugehen. Es macht wütend zuzusehen, wie dies nicht gelingt. Und es wird zunehmend ermüdend zuzuhören, wie sich die drei in die Haare geraten, vertragen, erneut in die Haare geraten. Doch es sind in diesem Fall keine sinnlosen Streitereien. Sie bringen das Stück, aber auch die Protagonisten weiter. Und nicht zuletzt lebt Schiffbruch vom Tempowechsel, vom emotionalen Ausbruch und dem sich Zusammenreissen.

 

Der Text ist erst das Vorspiel

Die Überzeugungskraft des Stücks liegt nicht nur an der Sprachgewalt der jungen Autorin, sondern auch an der überzeugenden Leistung der Schauspielerinnen und Schauspieler (Vera Bommer, Jeanne Davos, Frank Wenzel und Bruno Kocher). Die Inszenierung von Regisseur Stefan Camenzind gibt zudem den richtigen Rahmen für die Entfaltung der intensiven Dialoge. “Er hat seine Fantasie auf meinen Text draufgeworfen und das Stück stellenweise noch stärker gemacht.”, findet Rebecca C. Schnyder.

Damit spricht sie an, was sie am Schreiben für das Theater derart reizt: “Der Text ist das Vorspiel und wird erst auf der Bühne vollendet. Beim Schreibprozess habe ich stets vor Augen, dass alles von Schauspielern gesprochen wird.” Mit dem Theater fühlt sich die Ostschweizerin seit jeher verbunden. Sie hat schon in der Kantonsschule für die Theatergruppe geschrieben und am Stadttheater Bern als Regieassistentin gearbeitet.

 

“Schreibe jeden Tag, auch wenn es nur ein Satz ist.”

Rund zwei Jahre hat der Schreibprozess für Schiffbruch gedauert. Angefangen hat alles mit dem eingangs beschrieben Bild. Es folgten Dramatiker-Workshops wie der vom “Stückemarkt” in Berlin, zu dem Rebecca C. Schnyder eingeladen wurde. “Man muss sich mit dem eigenen Schreiben auseinandersetzen und auf Kritik hören.”, erklärt sie. “Auch wenn es manchmal hart ist.”

 

Um das Stück vom Papier auf die Bühne zu bringen, hat sie auf Crowdfounding gesetzt und in 45 Tagen 16-˜000 Franken gesammelt. “Die Finanzierung in der freien Szene ist nicht leicht”, sagt sie. Sowieso sei Unbeständigkeit ein Thema, mit dem sich Autoren und Autorinnen auseinandersetzten müssten. “Anfangs machte ich mir deshalb Sorgen”, gibt die 27-Jährige zu, “doch dann hat ein Freund zu mir gesagt: Was ist das Problem? Du hast ja zwei Hände, um zu arbeiten.” Sie jobbt heute noch im Service und empfiehlt es allen Schreibenden. “Man kann nicht über die Welt schreiben, wenn man sich im Zimmer versteckt”, meint sie und gibt gleich noch einen weiteren Tipp: “Schreibe jeden Tag, auch wenn es nur ein Satz ist.”

 

Ausgebucht

Schreiben, das ist für die lebensfrohe, junge Frau eine Notwendigkeit – Beruf und Berufung zugleich. “Wenn es nicht das Einzige ist, was man machen möchte, dann lässt man es lieber”, empfiehlt sie. Obwohl sie sich durch und durch als Autorin sieht, meint sie lachend über sich selbst: “Ich bin ein kleiner Bünzli, aber ich fühle mich wohl damit.” Das Erscheinen ihres Gedichtbands vor fünf Jahren war bereits ein wichtiger Schritt für Schnyder als Autorin. Als nächstes Projekt schreibt sie nun ihren ersten Stückeauftrag: ein weiterer Meilenstein. Und vermutlich nicht der letzte Auftrag dieser Art: “Einer Theatergruppe, die ebenfalls ein Stück von mir wollte, musste ich sagen: Frühestens in eineinhalb Jahren”, erzählt sie. “Ein gutes Gefühl.”

Das Stück Schiffbruch wurde mit dem “Preis für das Schreiben von Theaterstücken” der Schweizerischen Autorengesellschaft (SSA) ausgezeichnet.

 

Weitere Vorstellungen:


 

6. September 2014: Theater im Burgbachkeller Zug

11./12./13. September 2014: Tojo Theater Bern

Ein Landkind in der Stadt

Lust auf ein Experiment? Schlendere durch eine Stadt, nimm Augenkontakt mit entgegenkommenden Passanten auf, beginne ein Starrduell. Wendet dein Kontrahent den Blick ab und verdreht womöglich die Augen? Oder aber sein Mustern deiner Wenigkeit macht klar, dass er dich als Entflohener der nächstgelegenen Klapse abstempelt? Stadtkind.

 

Das Landkind hingegen grüsst dich kleinlaut. Jawohl, es grüsst! Gedankt seis dem Grosi, das es jahrelang auf dem Schulheimweg zurechtwies. Grüssen sei eine Frage des Anstands. Weil der Dorfradius es gleichzeitig wollte, dass es sich dabei um das Grosi seines Mitschülers handelte, wurde pariert.

Hatte das Landkind Pech, lag die einzige Bildungsanstalt im Umkreis von zehn Dörfern in seinem Kaff. Das hiess elf Jahre lang, fünf Tage die Woche, ein bis zwei Mal täglich ein keifendes Grosi.  Solche Erlebnisse brauchen ihre Zeit, bis sie verarbeitet sind.

 

Akklimatisierte und Unverbesserliche

Weitere Feldstudien können im Bereich der öffentlichen Verkehrsmittel betrieben werden: Hier sind Landkinder gleich mehrfach verhaltensauffällig. Akklimatisierte beschränken sich darauf, dem Chauffeur beim Aussteigen einen schönen Tag zu wünschen.

Wochenaufenthalter, Neuzuzügler oder Unverbesserliche fallen mehr aus der Reihe. Schuld ist ihre innere Uhr. Die tickt noch nicht gemäss städtischem Nachtfahrplan. Zuverlässig um elf Uhr geht der Alarm los. Der Stall ruft. Die letzte Verbindung in ihr halbstündig entferntes Kaff würde jetzt fahren. Hektik pur, denn die Länge des Fussmarsch rechtfertigt das Abwarten des ersten Zugs am nächsten Morgen. Du zückst das Taxi-Argument? Du Stadtkind, du! Mag die Aussicht auf ein “schnelles” Heimkommen auch verlockend sein. Alleine die Frage nach den ungefähren Fahrkosten stürzst dein Portemonnaie in eine tiefe Depression.

 

Verkehrshackordnung

Auch Zebrastreifen bieten ideale Versuchsanordnungen. Er trennt zuverlässig Stadtkinder von ihren ländlichen Ebenbildern. Das Stadtkind überquert mit festem Schritt, den Blick nach vorne oder unten gerichtet die Strasse. Ohne das Tempo zu drosseln geht es seines Weges. Das ist dem Landkind nicht möglich. Früh hat es gelernt, dass es in der Verkehrshackordnung den Platz gleich hinter dem Wild einnimmt. Seine einzige Chance nicht den gleichen Ausgang wie das zukünftige Strassengeschnetzelte zu nehmen: “warte – luäge – lose – laufe”. Ein Gesetz, dem es selbst in der Fremde zuverlässig Folge leistet.

Die Beweislage, nach getätigter Feldforschung, zeichnet ein unmissverständliches Bild: Selbst jahrelange Abstinenz vermag die Verhaltensauffälligkeit von Landkindern in der Stadt nicht einzudämmen. Es bleibt ungewiss, ob daran selbst starke Massnahmen wie eine lebenslängliche Stadtwohnung etwas zu ändern vermögen.

 

 


Bildnachweis: flickr.com/superzelle

 

 

“Menschen wie Mike Shiva werfen ein schlechtes Licht auf uns”

Tink.ch: Was genau ist ein Medium? Was sind seine Hauptfunktionen?

Sylvia Walukiewicz: Ein Medium befasst sich mit der Vermittlung zwischen dem Jenseits und dem Diesseits. Die Verstorbenen versuchen die Lebenden zu erreichen. Ich bin da, um diese Mitteilungen zu überliefern.

 

Wie hast du entdeckt, medial begabt zu sein?

Ich habe diese Veranlagung seit der Kindheit. Als ich vier Jahre alt war, habe ich angefangen, mit den Geistern zu kommunizieren und Ereignisse im Voraus zu sehen.

 

Hat es dir keine Angst gemacht?

Nein. Ich habe die Gabe immer positiv benutzt, um Menschen zu helfen. Das ist ja keine häufige Gabe, und sie hat sich schon im zarten Alter offenbart.

 

Neben der medialen Tätigkeit betreibst du auch Life and personality coaching. Wie kannst du zwischen den verschiedenen Ansätzen wechseln?

Mein Schwerpunkt sind generell Emotionen. Die Menschen kommen mit einem bestimmten Thema zu mir und ich passe mich an die jeweilige Situation an. Beim Life and personality coaching geht es meistens um allgemeine Lebensthemen wie Selbstwert, Vergebung und Angst. Ich kombiniere meine zwei Methoden oft. Beim ersten Gespräch mit dem Kunden bin ich immer offen für Impulse von meinen Geistführern. Sie helfen mir zu verstehen, wie der Klient oder die Klientin am besten voranschreiten kann.

 

Wer sind deine Geistführer?

Jeder hat seine eigenen Geistführer, die im Jenseits wohnen. Es sind mir unbekannte Verstorbene. Ich weiss nur ihre Namen. Ich kommuniziere zudem auch mit meinem verstorbenen Vater und Grossvater. Ich kann dank meiner sensitiven Veranlagung jederzeit Kontakt zu ihnen und meinen Geistführern aufnehmen. Die Gespräche sind immer positiv und helfen mir in meiner medialen Tätigkeit weiter. Mit mehr Übung werde ich die Geistwesen zukünftig noch besser und differenzierter wahrnehmen können.

 

Wie fängt eine Séance bei dir an?

Bei der ersten Sitzung erzählt mir die Person von ihrer Situation. Dabei werden Ziele und das weitere Vorgehen festgestellt. Diese Standortbestimmung ist essentiell für den weiteren Verlauf des Heilungsprozesses.

 

Ist allen Kunden klar, was für ein Problem sie haben?

Das Wort “Problem” gefällt mir wegen seiner negativen Ladung nicht. Ich bevorzuge das Wort “Thema”. Nicht alle kommen bereits mit einem Thema. In solchen Fällen muss das Thema zuerst ergründet werden, um dann die richtigen Übungen auswählen zu können.

 

Was für Übungen?

Beispielsweise Rollenspiele. Wenn eine Frau zu mir kommt und einen Konflikt mit ihrem Partner hat, spielen wir das durch. Ich fühle mich ein und werde sozusagen der Partner, indem ich seine Energien übernehme.

 

Seine Energien? Was ist damit gemeint?

Jeder Mensch strahlt Energie aus. Sie kann zum Beispiel dominant, freundlich oder unzufrieden sein.

 

Skeptiker könnten hier einwenden, Energie wäre dann einfach ein Synonym für Gemütszustand…

Alles ist Energie. Es ist ein sehr umfassender Begriff.

 

Wie geht es dann mit der Sitzung weiter?

Indem ich zum Partner der Frau werde, bekomme ich seine Emotionen und die allfälligen Spannungen in der Beziehung zu spüren. Meistens erreichen mich die Botschaften in Form von Gefühlen. Es können aber auch Bilder sein, die dann eine Interpretation benötigen. Ich sehe oft Bilder von Menschen und Flüssen. Ein Staudamm kann zum Beispiel für angestaute Gefühle stehen.

 

Was passiert nach dem Rollenspiel?

Es wird besprochen, wie die Frau jetzt zur Situation steh,t und wie das weitere Vorgehen aussieht. Jede Sitzung ist anders und das Tempo wird den individuellen Bedürfnissen der Klienten angepasst.

 

Wie wird man ein Medium?

Im ersten Ausbildungsjahr wird eine neue Wahrnehmungsart vermittelt, die über die Sinne hinausgeht. Einige Übungen zielen darauf ab, eine Person kennen zu lernen, ohne dass je visueller Kontakt entstanden ist. Konkret heisst das: Ich sitze mit geschlossenen Augen in einem Raum. Hinter mir ist eine unbekannte Person. Ich muss lernen, sie zu kennen, ohne sie anzusehen oder auszufragen. Im zweiten Jahr der Ausbildung liegt dagegen der Fokus auf der Kommunikation mit den Verstorbenen.

 

Viele Menschen halten Sensitive für Scharlatane und mediale Tätigkeit für skrupellose Geldmacherei. Wie gehst du damit um?

Mich stört es nicht. Es ist ihre Entscheidung, wenn sie ihr eigenes sprituelles Potential nicht nutzen möchten. Zudem finde ich es schade, dass Menschen wie Mike Shiva, die nur an den monetären Aspekt denken, ein schlechtes Licht auf diese Tätigkeit werfen. Von solchen Personen distanziere ich mich. Ich übe meine Aktivität aus eigener Überzeugung aus und strebe damit nur das Wohlergehen anderer Menschen an.

Eine ausgeprägte Konzentrationsfähigkeit

Die 250 freiwilligen Helfer des Buskers hatten es nicht immer einfach. Viele Besucher waren genervt von den Helfer, die voller Euphorie die Buskersbändeli verkaufen wollten. Dabei machten diese schlicht ihren Job, und das sehr gerne. “Es ist ein Erlebnis, hier arbeiten zu können, man trifft viele Leute und hat eine Menge Spass.”, meinen Nadine und Fabienne, die sich als freiwillige Helferinnen am Buskers engagieren.

Mit insgesamt 70’000 Besuchern in drei Tagen war die Berner Altstadt bis an ihre Grenzen gefüllt, was der Job zwischenzeitlich sehr anstrengend machte. Es erfordere Konzentration, in der grossen Menschenmenge zu erkennen, welche Personen noch kein Bändeli tragen. Wenn man dann nach einer freundlich gestellten Frage in genervtem Ton abgewiesen werde, könne das manchmal ernüchternd sein.

 

Kindheitstraum

Die langjährige Festivalgängerin Fabienne lässt sich davon ihre Freude am Buskers nicht verderben. Für sie ist es nicht der erste Besuch: Bereits als Kind haben sie ihre Eltern jedes Jahr an das Strassenmusikerfest begleitet. Dieses Jahr nimmt sie aber zum ersten Mal aktiv als Helferin teil. Ihr diesjähriger Einsatz sei wie ein kleiner Kindheitstraum, der in Erfüllung gehe. Als sie in ihrer Schule die Anzeige gesehen habe, meldete sie sich sofort an und schleifte ihre Kollegin Nadine gleich mit.

 

Ehrenamtliche Kulturförderung

Die freiwillige Arbeit wird mit einem gratis Eintritt und Verpflegung entgeltet. Was aber wirklich zähle, sei die gesammelte Erfahrung und die einzigartige Musik des Berner Buskers, die sie während ihres Einsatzes geniessen konnten. Für beide ist klar, auch nächstes Jahr wollen sie wieder als Helfer am Buskers die Berner Kultur unterstützen. “Wir wollen uns nächstes Mal aber lieber in der Küche beweisen”, denn von den gereizten Nicht-Käufer der Festivalbändeli haben die beiden fürs Erste die Nase voll.

Single-Wellness-Hotel-Paranoia

Die Augen sind leer, trüb. Alles dröhnt. Alles schwitzt. Was der schlammige Aquakultur-Pangasius der Meeresdelikatessen ist, ist der Single-Wellness-Hotel-DJ unter den Disc Jockeys. Verbraucht und am Ende einer zusammenbrechenden Ökologie fristet er sein letztes Dasein. Aber er ist, zusammen mit dem Zumba-Trainer, nur eine der hier ansässigen Lebensformen.

 

Die Aquakultur nennt sich hier Wellness. Statt Zuchtfisch tummeln sich erfolgreiche Geschäftsmänner und Friseurmeisterinnen ab 46, die nach der ersten Scheidung und Matura der Kinder nun für ein paar Tage Stress und Hemmungen ablegen wollen. Aber aalig bleibt aalig: statt in antibiotikaverseuchten Käfigen zwängt man sich hier in den libidogetränkten Whirlpool. Vonstatten geht das Ganze in einem aus dem Nichts gestanzten Gebäudekomplex in der Pampa. Wo auch sonst? Denn so versammelt einsam wie hier, bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als mit den anwesenden Menschen zu kommunizieren. Als Alleinreisende/r wird man zusätzlich beim abendlichen 5-Gänge-Menü mit Fremden an einen Tisch gesetzt, damit die Kommunikation im warmen, gut genährten Klima floriert.

 

Als Freunde- oder Freundinnen-Gruppe darf man auch kommen (nur nicht als bei Anreise existierendes Pärchen oder Kind). Die Freundinnen kommen meist tatsächlich zum Wellness-en. Aber vor allem kommen sie zum -essen. Was die auf Aufriss gepeilten Mädels am Kuchenbuffettisch übrig lassen, wird von den Freundinnen verschlungen. Hier trumpft die Gier. Und ebenso die Paranoia.

 

Wird man am Käsebuffet nach dem Weichkäsemesser gefragt, fürchtet man perverse Übergriffe. Wird man im Sportpool zum Wetter angelabert, überlegt man, wie man im ersten Satz erwähnen soll, dass man vergeben ist. Der Whirlpool wird zur Haibucht, die hoteleigenen Clubs zu ethanolgelockerten Landungsstellen der Firmenaudi-Angereisten. Und wenn man den Drink zur Linken abstellt, sieht das wohlmöglich jemand als ein Zeichen.

 

Überhaupt paart sich die Paranoia mit grandioser Selbstüberschätzung. Der Typ wollte wahrscheinlich tatsächlich nur das Käsemesser lokalisieren – du wirst es ja wahrscheinlich wissen, gierig wie du dir die Bries und Camemberts mit Trauben-Walnuss-Deko reingeschoben hast.

Und überhaupt ist das Wetter ja wirklich zum Kotzen.

 


 

Bildnachweis: flickr.com/Michael

Risikolose Gleichheit

Kein Schmerz, keine Kriege, keine Diskriminierung, keine Not und keine schweren Enttäuschungen. Das ist die scheinbar perfekte Welt von Jonas, dem 12-jährigen Protagonisten von Lois Lowrys Roman “The Giver”. The Giver ist das bekannteste Werk der US-amerikanischen Autorin, die 1937 in Honolulu, Hawaii, als Tochter eines Militärzahnarztes geboren wurde. In Jonas’ Gemeinschaft ist alles geregelt: Wie viele Babys pro Jahr zur Welt gebracht werden, welchen Lebenspartner jemand bekommt oder zu welchem Zeitpunkt die Kinder ein Fahrrad bekommen. Festgelegt und überwacht wird alles vom Ältestenkomitee, einer Gruppe von auserwählten und hoch geachteten Gemeinschaftsmitgliedern.

 

Doch der Preis, den Jonas’ Gemeinschaft für dieses Leben bezahlt, ist hoch. Denn in dieser Welt gibt es nicht nur keine schlechten Gefühle, sondern auch keine guten. Was zählt ist, dass die Menschen und die Gemeinschaft funktionieren. Am besten geht das dann, wenn alles gleich ist und sich die Menschen nicht zwischen verschiedenen Dingen entscheiden müssen. Denn müssten die Menschen wählen, könnten sie schliesslich falsch wählen. Was ein Risiko für eine einwandfrei funktionierende Gemeinschaft darstellte, wurde ausgelöscht und vergessen. Keine Farben, keine Tiere, so wenig Individualität wie möglich. Die Erinnerungen an alle diese Dinge scheinen in Jonas’ Gemeinschaft nicht zu existieren oder werden als Phantasie betrachtet. So wird beispielsweise der Begriff “Tier” lediglich als Ausdruck dafür verwendet, jemanden als unangepasst und ungezogen zu beschreiben.

 

Die Macht der Erinnerungen

In einem Vortrag der internationalen Lehrerorganisation “Facing History and Ourselves”, erzählt die Autorin, dass The Giver entstanden sei, als ihre Eltern noch gelebt hätten, aber schon sehr alt und im Pflegeheim gewesen seien. Bei einem Besuch habe ihre Mutter ihr ihre Lebensgeschichte erzählt. Die schönen Erinnerungen wie die Romanze mit Lowrys Vater, aber auch die schmerzhaften Erinnerungen wie den Tod von Lowrys älterer Schwester Helen. Dabei habe sie die ganzen Gefühle noch einmal durchlebt, sei in ihrem Bett im Pflegeheim gelegen und habe gekichert oder eben auch geweint.

 

Lowrys Vater dagegen habe sich nicht daran erinnert, was mit seiner Tochter geschehen ist. Der Schmerz ausgelöscht durch eine Krankheit namens Alzheimer. Auf ihrer Rückreise habe sich Lowry überlegt, was passieren würde, wenn man die Erinnerungen kontrollieren und manipulieren könnte. Entstanden ist The Giver.

 

Vom “Giver” zum “Receiver”

In Lowrys Roman sind die Erinnerungen aber nicht verschwunden, sondern werden aufbewahrt, und zwar in einem Menschen. Von Generation zu Generation werden diese Erinnerungen weitergegeben: Der “Giver” gibt sie weiter an den “Receiver”. Als Jonas 12 Jahre alt wird, wird er zum neuen “Receiver” gemacht, denn der Beruf wird wie alles andere nicht selbst gewählt, sondern zugeteilt. Als Receiver lernt Jonas die Welt kennen, wie sie früher einmal war: farbig, mit Gerüchen, Tieren, Schnee, Sonnenschein, eigenen Entscheidungen, Schmerz aber auch mit Liebe. Jonas will diese Erinnerungen mit seinen Freunden teilen, ihnen zeigen, wie anders, vielfältig und echt das Leben sein könnte. Doch wie, so schreibt Lowry, soll man jemandem erklären, was Sonnenschein ist, wenn er diesen noch nie gespürt hat? Zusammen mit seinem Lehrmeister, dem “Giver” sucht Jonas nach einem Weg, den  Menschen ihre Erinnerungen zurückzugeben.

 

Diesen Herbst im Kino

The Giver erschien 1993 als englische Erstversion und ein Jahr später auch in Deutsch unter dem Titel “Hüter der Erinnerung”. Für dieses Werk erhielt die Autorin Lois Lowry bereits zum zweiten Mal die Newbery Medal, in den USA eine der bedeutendsten Auszeichnungen für Kinder- und Jugendliteratur. Die erste Medaille wurde Lowry im Jahr 1990 für den Roman “Number the Stars” verliehen,  in dem die Themen Holocaust und Freundschaft im Vordergrund stehen. Obwohl Lowrys Bücher der Kinder- oder Jugendliteratur zugeordnet werden, behandeln sie also Themen, die nicht nur für diese Altersgruppe interessant sind. The Giver ist deshalb auch für Erwachsene eine empfehlenswerte Lektüre: einfach geschrieben, kurz, und zum Nachdenken anregend. Eine Verfilmung von The Giver unter der Regie von Phillip Noyce kommt am 2. Oktober in die Kinos. Die Rolle von Jonas übernimmt darin der 25-jährige Australier Brenton Thwaites, der “Giver” wird gespielt von Jeff Bridges, der aus der Komödie “The Big Lebowski” (1998) bekannt sein dürfte.

 

Lieblingszitat

“If everything’s the same, then there aren’t any choices! I want to wake up in the morning and decide things!”