Gesellschaft | 19.07.2014

Und die Kämpfe gehen weiter. Und weiter.

Vier Tage lang sollten die Waffen schweigen, solange dauerte das muslimische Opferfest. Allerdings fielen laut Menschenrechts-Beobachtern bereits am Freitag, dem ersten Tag der Waffenruhe, knapp 150 Menschen Gefechten zum Opfer, 53 davon waren Zivilisten. Damit hat sich die Opferzahl im Vergleich zu den letzten Monaten kaum verringert. Die vielen Opfer unter der Zivilbevölkerung stellen zunehmend insbesondere die Absichten und Massnahmen des Regimes in Frage.
Die syrischen Muslime haben ein dunkles Opferfest hinter sich.
Bild: Kaspar Rechsteiner

“Ja, das ist ein Bürgerkrieg”, liess der Sondervermittler der UNO, Lakhdar Brahimi, dieses Wochenende nach einem Treffen mit dem russischen Aussenminister verlauten. Letzterer sprach sich ausserdem für eine Rückkehr der Militärbeobachter nach Syrien aus – sobald das Blutvergiessen dort beendet sei. Die Worte: “Die Spirale der Gewalt dreht sich unaufhörlich”, lassen dann aber doch an seinem Willen zweifeln. Moskau und Damaskus sind nach wie vor enge Partner. Zusammen mit China hat Russland bisher alle Resolutionen des UNO-Sicherheitsrates gegen Syrien abgeblockt.

 

Ein weiterer Anlauf scheitert

Es war nicht die erste angekündigte Waffenruhe in Syrien, die mit der Hoffnung erwartet wurde, der Anfang eines Dialoges zu sein. Heute, fünf Tage nach Beginn des Opferfestes und ein Tag nach dessen Ende, sieht die Zukunft immer noch dunkel aus, vielleicht dunkler als zuvor. Dem Fest zum Trotz wurde weitergekämpft, bei Bodenkämpfen, mit Luftangriffen und einer Autobombe. Dies zeigt, wie verbittert und existenziell der Kampf zwischen Regierungstreuen und Regierungsgegnern inzwischen geworden ist. Beinahe machtlos, jedoch bestimmt ratlos, sehen Regierungsvertreter aus der ganzen Welt zu, wie sich die Verwüstung ausbreitet und stellen fest, dass Menschen- und Kriegsrechte verletzt werden, während weiterhin, Tag für Tag, mehr Menschen sterben.

 

Ein grosses Fest unter Muslimen

Während dem islamischen Opferfest wird dem Propheten Ibrahim gedacht, der bereit war, seinen Sohn Ismael Allah als Opfer darzubringen. Es gilt als das höchste Fest im Islam, nebst dem Fastenbrechen zum Ende des Ramadan. 72 Prozent der syrischen Bevölkerung sind sunnitische Muslime, zwölf Prozent Alawiten und zehn Prozent Christen. Unter Präsident Assad war bis anhin die Religionsfreiheit garantiert, gerade unter Zivilisten herrscht die Angst, dass sie durch die Revolution bedroht ist.

 

Und nun?

Gemäss Schätzungen einer britischen Beobachtergruppe sollen seit Beginn des Widerstandes gegen das Assad-Regime mehr als 30’000 Menschen getötet worden sein. Ein Ende des Blutvergiessens ist kaum in Sicht. Zwar sprechen Russland und die UNO davon, dass alle Kräfte auf die verfeindeten Gruppen in Syrien einwirken sollen um sie dazu zu zwingen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Konkret kommen aber gerade aus Moskau, das mit den guten Beziehungen zu Damaskus in der Position wäre, an Assad heranzutreten, keine neuen Bemühungen. Die Vereinten Nationen erwägen weiterhin keinen Einsatz von Blauhelmsoldaten in Syrien.

 


 

 

Rubrik “Ausgegraben!”

In der schnelllebigen Medienwelt verschwinden auch journalistische Glanzstücke zu früh aus dem Fokus. Über den Sommer hinweg publiziert Tink.ch in dieser Rubrik wiederentdeckte Artikel, die bereits einmal die Frontseite zierten. Dieser Artikel ist erstmals am 31. Oktober 2012 auf Tink.ch erschienen.