Gesellschaft | 11.07.2014

Siebzehnter Brief aus Deutschland

Auch der siebzehnte Brief aus Deutschland dreht sich um das Thema Nummer eins in Deutschland: Alkohol.
Bild: Katharina Good

Guten Tag,

 

Zunächst einmal möchten wir uns für unseren letzten Brief von vergangener Woche entschuldigen. Uns erreichten in diesen Tagen etliche Briefe empörter Eltern, die uns vorwarfen, unsere Vorbildfunktion verletzt zu haben. Sie schrieben von verstörten Reaktionen ihrer Kinder, nachdem sie den Brief lasen. Wir hatten bis dato nicht gewusst, dass offenbar auch Personen unter 18 unsere Briefe lesen.

 

Das tut uns Leid.

 

Da auch Tink.ch die Fortsetzung unserer wöchentlichen Briefe an gewisse Bedingungen knüpft, sind wir nun verpflichtet, die folgenden Zeilen zu veröffentlichen:

 

Liebe Schweizer, lasst die Finger vom Alkohol! Alkohol ist schädlich! Alkohol lässt Euch Sachen sagen (und schreiben), die Ihr hinterher bereut!

 

Wir müssen uns seit dieser Woche zum Beispiel den Vorwurf gefallen lassen, dass wir die Schweiz in Wahrheit mögen, ja, gar LIEBEN! Das ist wirklich lächerlich und haben wir so auch niemals geschrieben. Daran würden wir uns doch erinnern!

 

Aber gut, damit sollte das kleine Missverständnis nun aus der Welt geschafft sein.

 

Kommen wir zu den wichtigen Dingen im Leben: Ach nein, entschuldigung, wir wollten weiter über Alkohol reden.

 

Ihr Schweizer habt gar keine Bierkultur, zumindest keine von Rang und Namen. Fragt man Nichtschweizer, was sie vom Schweizer Bier oder Wein halten, erhält man als Antwort gerne: “Klar, geht. Wenn man eh schon betrunken ist.” Oder: “Zum Kotzen gerade gut genug.” Oder auch, vor allem im ländlichen Österreich: “Her damit, für meine Schweine reicht das locker.”

 

Andere Länder haben da einen sehr viel besseren Ruf. Zum Beispiel Frankreich – Millionen Touristen pilgern Jahr für Jahr nach Marseille und Bordeaux und Lausanne, um sich ordentlich besten Wein hinter die Binde zu kippen. Russland ist bekannt für seinen sagenhaften hochprozentigen Wodka. Und in keinem anderen Land gibt es besseren Whiskey als in Irland!

 

Doch niemand, wirklich niemand auf der ganzen Welt käme je auf den Gedanken, in die Schweiz zu fahren, um sich durch die alkoholischen Delikatessen zu saufen. Allein der hohe Preis würde die Menschen abschrecken.

 

Aber auch der Schweizer selbst greift bekanntlich ja nur ungern zum Alkohol. Es heißt, die Angst vor dem Verlust der Selbstkontrolle ließe den Schweizer maximal zwei Biere am Abend trinken. Oder alternativ ein Glas Weinschorle.

 

Angeblich ist deshalb auch noch nie ein betrunkener Schweizer gesichtet worden. Vermutlich stammt daher auch der alte, in aller Welt gerne erzählte Witz: “Welche drei Dinge musst du mitnehmen, wenn du feiern gehst? – Genug Alkohol, eine Flasche Wasser und einen Schweizer, der dich später wieder nach Hause fährt.”

 

Im Ernst, auch in Deutschland hört man häufig bei jungen Leuten das Bedauern, dass sie keine Schweizer in ihrem Bekanntenkreis hätten. Dann würden wenigstens die Diskussionen aufhören, wer am Wochenende den Fahrer macht.

 

Aber wir hatten für diese Woche ja eigentlich ein ganz anderes Anliegen für unseren Brief. Ja, denn diesmal wollten wir Sie aufrichtig loben und Ihnen unsere Anerkennung aussprechen. Denn wir haben erfahren, dass die Schweiz – oh, wir stellen gerade fest, dass wir keinen Platz mehr zur Verfügung haben. So ein Ärger aber auch.

 

Naja, dann vielleicht nächste Woche.

 

In diesem Sinne,

 

Herzlichst,

 

Ihr Deutschland!