09.07.2014

Lausbub, Hippie und Schamane

Der ehemalige Sänger von Led Zeppelin spielte am Dienstag am 48. Montreux Jazz Festival. Er zeigte dabei, dass er ein Rezept kennt, wie eine Rocklegende nicht zum Schatten ihrer selbst werden muss: sich selbst bleiben, neue Stile ausprobieren.
Frei von Nostalgie: Robert PlantAuf der Bühne fühlt er sich offensichtlich immer noch wohl. Zurzeit tourt er mit The Sensational Spaceshifters.
Bild: 2014 FFJM - Lionel Flusin / zvg

Man könnte leicht in Nostalgie verfallen, wenn man ein Konzert besucht, das mit dem Namen einer der grössten Rocklegenden der Geschichte wirbt. Robert Plant, der ehemalige Sänger von Led Zeppelin machte acht Jahre nach seinem letzten Gastspiel in Montreux am sagenumwobenen Jazzfestival am Genfersee Halt.

 

Im Publikum befanden sich auch jüngere Generationen, aber es gab sehr viele “Led Zep”-Fans, die ihr bestes Band-T-Shirt aus dem Schrank gekramt hatten. Sie durften allerdings nicht erwarten, selig in einem Meer aus alten Hits zu schwimmen. Plant hat sich seit der Auflösung der Hardrockband im Jahr 1980 in diversen Soloprojekten engagiert und dabei keine Berührungsängste mit Genres wie Pop, Folk, Country, ostafrikanischem Blues, Trip Hop oder Elektro gezeigt. Sein Album Raising Sand (2007) mit der Bluegrass-Sängerin Alison Krauss erhielt fünf Grammys.

 

Muntere Selbstironie

So präsentierten Plant und seine aktuelle Begleitband, die Sensational Spaceshifters, im Auditorium Stravinski eine interessante Stilmischung. Gitarrist Justin Adams nahm etwa für Little Maggie, einem Lied aus dem neuen Plant-Album, das im September erscheint, ein Banjo hervor. Adams ist der Produzent von Tinariwen, die in Europa mittlerweile kein Geheimtipp mehr sind, so spielte die Tuaregcombo 2013 an der Bad Bonn Kilbi in Düdingen. Die Sensational Spaceshifters lieferten eine klasse Gesamtleistung ab. Exotische Akzente setzte auch der Sambier Juldeh Camara mit einer Ritti, einer traditionellen Geige aus seiner Heimat.

 

Led Zeppelin-Klassiker waren rar und manchmal kaum wiederzuerkennen. Aber das war sowieso egal. Man konnte sich auch einfach der Show dieses 65-jährigen Mannes hingeben, der die Leute immer noch mühelos mitreissen kann. Ja, die Bühnenpräsenz (und die Locken!) hat Plant nicht verloren. Seine Stimme ist im Alter gar noch umwerfender. Mag er kein sexy Rocker mehr sein, ist ihm doch die charmante Ausstrahlung geblieben, die jetzt irgendwo zwischen Lausbub, Hippie und Schamane liegt. “It’s nice to be silly”, sagte er, es mache Spass, albern zu sein, als er zwischen zwei Songs wieder einmal Anekdoten erzählte. Plants muntere Selbstironie wirkte ansteckend und man hatte nie den Eindruck, er beschwöre alte Zeiten herauf.