03.07.2014

“Meilenstein in der Tierhaltung”

Der neu eröffnete Elefantenpark hat Potenzial. Wie viel wollte Tink.ch genauer wissen und sprach mit dem leitenden Kurator in der Anlage am Züriberg, Martin Bauert.
  • Der Elefanntenbulle Maxie kühlt sich entspannt an einer der vielen Wasserstellen ab.

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  • Zwei der Elefanten spielen zusammen in dem grosszügigen Pool im Innenbereich des neuen Elefantenparks.

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  • Die bereits dreifache Mutter Indie lässt ihr Neugeborenes nicht aus den Augen.

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  • Im neuen Elefantenpark hat es viel Platz für die sieben Elefanten.

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  • Die Grössten essen vor allem fasernreiche Nahrung.

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  • Der neue Elefantenpark und das frisch geborene Elfantenbaby ziehen viele Besucher in den Zoo.

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  • Einige Besucher meinen, die Dekroation sei etwas kitschig

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  • Durch die grosse Kuppel fällt viel Licht in den Elefantenpark. Mit den vielen unterschiedlich grossen Fenster sollte eine urwaldähnliche Lichtstimmung geschaffen.

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  • Von aussen sieht das neue Elefantenhaus ein wenig futuristisch aus.

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Seit kurzer Zeit geht es den Elefanten im Zürcher Zoo so gut wie nie zuvor. Auf rund 11’000 Quadratmetern Fläche bietet ihnen der neue Elefantenpark ausreichend Platz. Das neue Gehege ist zudem sechsmal grösser als das ehemalige.

Die neue Anlage sei ein “Meilenstein in der Tierhaltung”, findet Martin Bauert, der leitende Kurator des Zoo Zürich. “Mit dem neuen Park wollen wir den Besuchern nicht nur die Elefanten in einer naturnahen Umgebung zeigen, sondern auch auf die Probleme der verschiedenen Tierearten hinweisen.” Seit 2002 sorgt sich der Botaniker am Züriberg um das Wohl der Tiere.

Mit der neuen Methode des “Protected Contact” wird der Zusammenhalt in der Gruppe gestärkt. Da die Tierpfleger nicht mehr in direktem Kontakt mit den Elefanten stehen, ändert sich die Hierarchie der Gruppe. Nicht der Mensch steht an oberster Stelle, sondern das Tier. Die Elefanten entwickeln so ein natürlicheres Verhalten und stärken damit die soziale Einheit der Gruppe. Zudem setzen sich die Tierpfleger nicht mehr den Gefahren im Umgang mit den Grosstieren aus.

Thailands Nationalpark als Vorbild

Auf einem Rundgang zeigt Bauert Tink.ch den neuen Park: “Wir wollten, dass die Leute in die Welt des Kaeng Kracha-Nationalparks eintauchen.” Der grösste Nationalpark Thailands diente als Vorbild für das neue Gehege in Zürich. Das Pendant in Zürich strahlt ebenso thailändisches Flair aus. “Wir wollten eine fremde Welt nach Zürich holen, jedoch keine heile”, so Bauert.

Damit spricht der Leiter der Zoobiologie auch die Schattenseite des Einzugsgebietes der asiatischen Elefanten an. Immer wieder kommt es dort zu Problemen, wenn die bis zu 6 Tonnen schweren Tiere auf von Menschen bewohnte Gebiete neben dem Nationalpark stossen. Mit Schutzzäunen und Wachposten wird solchen Konflikten entgegengewirkt. Dies thematisiert der neue Park mit diversen Exponaten eindrücklich. So sind exemplarisch ein Alarmzaun, eine zerstörte Hütte und Spuren auf dem Gehweg ausgestellt und angebracht.

“Der Zoo als Naturschutzzentrum”

Mit dem neuen Park weitete der Zürcher Zoo sein Engagement für den Umweltschutz weiter aus. “Der Zoo Zürich versteht sich als Naturschutzzentrum”, sagt Bauert. Wie schon beim Masoala Regenwald werden auch mit dem Elefantenpark Projekte zum Schutz des asiatischen Elefanten im Kaeng Krachan-Nationalpark unterstützt. Und das ist auch dringend nötig: Der Lebensraum der Elefanten als auch deren Population schmilzt täglich weiter dahin.

Abhilfe sollen die Naturschutzaktivitäten schaffen, welche der Zoo Zürich mitunterstützt. “Die Elefanten im Zoo sollen Botschafter sein für deren Artgenossen in der freien Natur”, erklärt Bauert. Das naturschützerische Konzept des Zoo Zürich macht vor der eigenen Türe nicht halt. Bei der Umsetzung des neuen Elefantenparks wurde stark auf die Nachhaltigkeit geachtet. So verwendete man etwa Holz als dominierenden Baustoff oder sammelt auf dem Dach Regenwasser zur bodennahen Bewässerung.

Bau und Umsetzung

Der Neubau sei dringend nötig gewesen, erklärt Martin Bauert. War das ehemalige Daheim der Elefanten einst ein Vorzeigeprojekt in Sachen Tierhaltung, ist es heute nicht mehr zeitgemäss. “Zoos, die ihre Gehege nicht stets erneuern, verlieren an Attraktivität.” Das Bauwerk kann sich sehen lassen. Mit einem Durchmesser von 80 Metern bietet die Halle auch bei schlechtem Wetter Schutz. Dabei kommt sie gänzlich ohne abstützende Elemente aus. “Ein architektonischer Wurf der Extraklasse”, findet Bauert.

Finanziert wurde die 57 Millionen teure Anlage von Spendern und Gönnern. Neben Schindler Aufzüge, Mettler-Toledo Waagen und Sika trug auch der Schweizer Baustoffhersteller Holcim mit Produkten zum Projekt bei. Gewerkschaften, NGOs und Menschenrechtsorganisationen kritisieren bereits seit Jahren das Zementunternehmen für seine Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung rund um den Globus.

Für den Zoo Zürich war das unproblematisch: “Holcim, als ein Schweizer Unternehmen, das nach schweizerischen Richtlinien wirtschaftet und auch unsere Naturschutzprojekte in Madagaskar unterstützt, stellte für uns kein Problem dar”, erklärt Martin Bauert.

Blick in die Zukunft

Beim Elefantenpark belässt es der Zoo Zürich nicht. Schon das nächste Projekt-Dossier liegt auf dem Schreibtisch von Martin Bauert. Geplant ist eine afrikanische Savanne, die dereinst an den Elefantenpark anschliessen wird. Darin werden vor allem Giraffen, Zebras, Vögel und Nashörner beherbergt sein. Das Projekt wird voraussichtlich 2020 realisiert sein und eröffnet werden.