Gesellschaft | 22.07.2014

Hast du gerade geil gesagt? Wie lame ist das denn!

Was einst "einige Wörter, die Teenager halt gerne benutzen" war, hat sich längst zu einer neuen Gattung des Mundart gemausert: Willkommen im Anfängerkurs für Jugendslang.
Suude ist das neue Chillen, welches ursprünglich für das damalige "Relaxen" in Kraft getreten ist.
Bild: flickr.com/duncan

Die Neukreationen von Slang-Wörtern nehmen niemals ein Ende. Die Frage ist nur: Wie viel verträgt unsere Autorin davon?

 

Ein Einstiegs-Beispiel gefälligst? Stell dir vor, jemand, der alles andere als sprachlich gewandt ist, führt das englische Wort “sick” in seinen Wortschatz ein. Weil’s anders klingt, kommt’s an und viele Jugendliche nehmen es in den eigenen Wortschatz auf. Plötzlich ist alles “sick”: Der Kinofilm über Sklaven, das Essen im Restaurant und der russische Name deiner Hündin. Voilà , da hast du’s.

 

Der Jugendslang verdrängt in dem Falle althergebrachte, bewährte Adjektive. Ja, du könntest jetzt erwidern, keine Änderungen an der Sprache seien langweilig. Ist es auch. Aber man kann’s übertreiben. Um dem Zustand der Masslosigkeit entgegenzutreten, ist es an der Zeit, den Berner Mundart-Slang genauer unter die Lupe zu nehmen – am besten von einer unter 20-Jährigen.

 

“Geil ist out”

Erinnern wir uns zurück, als das Wort “geil” alltagstauglich gemacht wurde und zum meist gesprochenen Wort der jungen Schweizerinnen und Schweizer mutiert ist. Wenn sich deine Gemüter bereits da erregt haben, dann halt dich fest: “Geil” ist mittlerweile out. “Fett” oder “strub” muss es sein.

 

Mit allen Mitteln versuchen wir jungen Erwachsenen, den Jugendslang immer absurder zu gestalten. Denn der “gut aussehende Junge” läuft heute unter “Chabo” und was früher Kondome waren, sind jetzt “Bettficklinge”. Ganz ehrlich: Letzteres ist obszön. Doch wie man sieht, der Jugend-Slang ist in steter Weiterentwicklung – einige sehen dies als drastische Verschlechterung, andere als gutes Recht der freien Redegewandtheit.

 

YOLO

Während sich die einen nachts die Seele aus dem Leib “raven”, “bitchen” sich andere auf und feiern im Edel-Club. Über Facebook oder Instagram lässt man seine “Homies” wissen, dass das Wochenende “dr Shit” war und beschreibt Erinnerungen an die vergangene Party-Nacht mit einem simplen “epic” oder “Yolo” (You only live once).

 

Man nennt seine Vertrauten “Aute” (Hierbei ist egal, ob man vom Vater, Bruder oder Ehemann spricht) und “chillt” längst nicht mehr zu Hause, sondern man “suudet”. Suude ist das neue Chillen, welches ursprünglich für das damalige “Relaxen” in Kraft getreten ist. Zwischenzeitlich ist auch eine Kombination aufgetaucht, das sogenannte “Chillaxen” – dies konnte sich jedoch nicht längerfristig halten.

 

Der Satz “So im Fium” ist hoch im Kurs. Er kann auf jede erdenkliche Aussage als Kommentar folgen. Während die Notengebung des Lehrers “So im Fium” sein kann, geht das auch mit den überteuerten Beauty-Produkten oder dem verspäteten Zug. Um neben den vielen neu-heimischen Begriffen doch noch mit internationalem Wortschatz brillieren zu können, wurden vor einiger Zeit Begriffe wie “fresh” (mega cool), “Beef” (Puff im Sinne von Streit), “Dude” (Homie, Kumpel) und lame (lahm) fix eingeführt. Im Grunde aber ist jedes englischsprachige Wort erlaubt, solange man es in einem hippen Zusammenhang von sich gibt.

 

Wenn du also in den Gassen von Bern einem Grüppchen Teenagern begegnest, bleib ruhig stehen und schliess dich an. Ob du gerüstet wärst, lässt sich mittels diesem Dialog herausfinden:

“Chabo, was hesch gester gä?”

– “Chli gsuudet, du?”

“Ah bündig. I ha no übelst Stress gha mit mine Aute, hei mi mau wieder vou agfigget, recht lame.”

– “Ah, fuckshit. Ja aber äbe, weli Aute si scho nid kosmisch.”

 

Kosmisch? Ja, du hast richtig gelesen. Kosmisch soll nun das neue Komisch sein. Und du würdest absolut Recht behalten, wenn du darauf erwidern würdest: “Das einzige, was hier kosmisch ist, bist du.”