Kultur | 04.07.2014

Gelandet im surrealen Wunderland

Text von Jutta Galizia | Bilder von Jasmin Rolli
Drei Tage holländische Ausgelassenheit. Vom 27. Juni bis zum 29. Juni fand in Beuningen das "Down The Rabbit Hole"-Festival statt. Neben begeisterungsfähigen Konzerten gab es wunderbares Essen, lustige Begegnungen und Freude soweit das Auge reicht.
Das imposante Eingangstor entführt den Festivalbesucher in den Kaninchenbau.
Bild: Jasmin Rolli

Ein kunstvoll gestaltetes Tor gewährt Einlass ins Innere des Geländes, dorthin, wo die Musik spielt. Auf seinem Dach wachsen Bäume und Gras, es ist mit blauen, sich drehenden Zahnrädern übersät. Hier ist alles in Bewegung, in diesem Wunderland.

 

Witzige Begegnungen

Einer der beliebtesten Plätze trägt den Namen “Idyllische Veldje” (Idyllisches Feld). Dort gibt es neben Essen ein grosses Feuer. Der Festival-Schmied, nutzt dieses Feuer zum Erweichen von Eisen, die Menschen zur Erwärmung ihrer Körper. Beim Festival-Schmied können sich die angefressenen Hasen des Wunderlandes ein einzigartiges Erinnerungsstück ans Festival schmieden. Unter Anleitung wird das orange glühende Eisen gehämmert und geformt. Das Feuer, das Durcheinander der Stimmen, das rhythmische Erklingen des Hammerschlags auf Eisen vermischt sich mit der Musik im Hintergrund und erzeugt eine beeindruckende Geräuschkulisse. Auf dem idyllischen Platz werden auch T-Shirts bedruckt und Häschen aus Keramik gebacken. Der Kreativität sind also keine Grenzen gesetzt. Und am Morgen werden hier die Yogamatten ausgerollt.

 

In der Mitte des Platzes befindet sich ein Drehkarussell, das zu lustigen Begegnungen einlädt. Es sitzen sich zwei Gruppen gegenüber: die sich drehenden und die Zuschauer. Sie blicken und lachen sich an, schneiden Grimassen und erfreuen sich aneinander. Die Begegnungen dauern nicht lange und wiederholen sich mit jeder neuen Runde. Dank dem grösstenteils holländischen Publikum fühlt man sich als Fremder im Land gut aufgehoben, denn jede Person strahlt Offenheit aus. Die ausgelassene Freude am Festival steckt jede einzelne Person an. So entsteht ein anregendes Klima um neue Menschen kennenzulernen.

 

Ohrenschmaus

Musikalisch ist für jeden Geschmack etwas dabei. Mit grosser Spannung werden die Headliner The Black Keys, MGMT oder The Foals erwartet, aber auch unbekanntere Bands vermögen die Masse anzulocken. So zum Beispiel die multikulturelle Band La Chiva Gantiva, die den Zuhörer mit ihrem Mix aus Afrobeat, Funk und Rock zum Feiern, Tanzen und Lachen animiert.

Eine weitere, eher unbekannte Band nennt sich Electric Eye. Die vier Männer aus Norwegen, welche psychedelische Musik erzeugen, erschaffen eine akustische Landschaft bestehend aus vom Blues inspiriertem Spacerock.

 

Farbiges Universum

Mit Verspätung beginnt MGMT, die erfolgreiche psychedelische Indie-Band, ihr Konzert. Ein Konzert, das ewig weitergehen könnte: Man entflieht mit MGMT in andere Sphären. Die farbenfrohen, bewegten Bilder, die hinter der Band auf der Leinwand aufleuchten, tragen viel dazu bei. Sie laden das Publikum ein, sich in einem Universum von tausend Farben zu verlieren. Bei grossen Hits singt die Masse mit und sorgt für eine grossartige Stimmung.

 

Endlose Nacht

Das letzte Konzert vom Festival gehört der Band The Foals. Energiegeladener Math-Rock beeinflusst von Minimal und Techno bringen das Publikum zum Ausflippen. Überall wird wild getanzt und gejubelt. Das Konzert ist auch für die Augen ein grosses Erlebnis: Die spektakuläre Lichtshow erntet viele Begeisterungsrufe aus der Menge.

 

Die Festival geht langsam zu Ende. Die Zeltstadt schrumpft. Zurück bleibt die Erinnerung an ein dreitägiges Festival, das seinen Besuchern ein wahres Wunderland bot. Der beste Beweis für die Existenz des Wunderlandes, ereignete sich während dem Konzert von Electric Eye. Ein junger Mann im Hasenkostüm umarmte eine männliche Karotte, umschlungen tanzten sie miteinander. In der realen Welt würde der Hase die Karotte fressen, in der surrealen Welt jedoch sind sie die besten Freunde. Auf eine Versöhnung zwischen Hase und Karotte in der realen Welt lohnt es sich leider nicht zu hoffen. Verständlich, dass der Abschied aus dem Wunderland schwer fällt.