Kultur | 14.07.2014

Feiern ohne Geld

Text von Lea Keller | Bilder von Lea Keller
Ohne die zahlreichen Freiwilligen an Openairs könnten die musikalischen Abenteuer unter freiem Himmel nicht stattfinden. Selten sind sich die Besuchenden über die Arbeit im Hintergrund bewusst. Nach einem Selbstversuch am Openair St.Gallen als "Trash Hero" berichtet unsere Tink.ch-Reporterin über die Erlebnisse hinter der Kulisse.
Leuchtende Westen, Müllbeutel und Handschuhe: Auf in die Schlacht.
Bild: Lea Keller

Nicht alle können es sich leisten, für viel Geld die Openairs zu besuchen. Im Zeitalter der ewigen Studierenden suchen sich viele deshalb andere Wege, ihren Musikhunger zu stillen. Motivierte Grünschnäbel wie ich verpflichten sich deshalb, ihre Energie für Nützliches aufzuwenden und ihren Schlafrhythmus durcheinander zu bringen.

 

Aufgaben als Held

Die Helfenden werden an Openairs in allen möglichen Positionen eingesetzt. Mich haben die Organisatoren des Openair St.Gallen bei den Trash Heroes eingeteilt. Früh morgens schwärmen wir aus und zaubern das mit Abfall übersäte Festivalgelände der vergangenen Nacht wieder sauber. Dazu benötigen wir keine Superkräfte. Sobald die gelbe Leuchtweste angezogen ist, der schwarze Müllsack in der Linken und der Handschuh an der Rechten, kann die Tour starten.

 

Ich bin in einer Gruppe von 40 Personen unterwegs, die grösstenteils aus weiblichen Heldinnen besteht. Die Situation ist vergleichbar mit einer Kriegsmission: Uniform, Schutzausrüstung, ein Heerführer. Und natürlich einem Gegner: Abfall. Auge in Auge mit dem Schlachtfeld steht wir also da, bis der Startpfiff ertönt. Dann gibt’s kein Erbarmen mehr. Nach hunderten Handbewegungen wird der Boden langsam wieder sichtbar und eine grüne Wiese tritt zu Tage.

 

Die Besuchenden freut’s

Das Schöne an der Drecksarbeit ist die Dankbarkeit der vielen Openair-Besuchenden. Ich werde oft mit einem freundlichen Lächeln eines Besuchers bedacht – Lorbeeren für ermüdete Helfer. Natürlich gibt es auch andere Situationen. Menschen, mit ein paar Bierchen zu viel intus, lassen unangebrachte Kommentare über den Einsatz von uns Heroes fallen. Aber was soll-˜s? Drüberstehen, lautet hier der Rat. Am Ende siegt die positive Openair-Atmosphäre.

 

Vorteile als Helfer

Neben der Arbeit am St.Gallen-Openair gibt es ein Freiticket für das Openair sowie Zutritt zum Helferzelt. Den Helfern bleibt es gerne als das “golden leuchtende Zelt” in Erinnerung. Saubere Toiletten und gratis Duschen, abgegrenzt vom ganzen Rummel. Auch ein Essensgutschein im Wert von 100 Franken gehört dazu.

 

Als Helfende durfte ich zudem einen Tag früher das Gelände betreten, um meine Residenz aufzubauen. Einen Zeltplatz auf einem flachen Stück Wiese ist so gesichert. Die Vorteile als Helfende haben aber auch ihre Kehrseite: Mehrere bis zu drei Stunden dauernde Schichten pro Tag halten mich auf Trab. Organisatorische Lücken können durch die grosse Helferschar nicht vermieden werden: Verzögerungen sind an der Tagesordnung.

 

Gewinn oder Verlust?

Das Fazit dieses Selbstversuchs fällt somit nicht eindeutig aus. Wer primär wegen der Musik an ein Openair geht, dem sei vom Job als Helfer abzuraten. Arbeitsschichten und Musikerauftritte überschneiden sich. Ist jemand hauptsächlich an der Openair-Stimmung interessiert, ist nichts einzuwenden, sich in die Arbeit zu stürzen: Probieren geht über Studieren.