Sport | 26.07.2014

Am Abend bereits kaputt, bevor das Training beginnt

Wer Leistungssport betreibt, hat eine hohe körperliche Belastung, doch auch die Bildung darf nicht zu kurz kommen. Schule ist für jedes Kind in der Schweiz obligatorisch, in Kombination mit Leistungssport ist diese Aufgabe kaum lösbar.
Die Kombination zwischen Sport und Schule ist eine grosse Herausforderung für Nachwuchssportler und -sportlerinnen.
Bild: zVg / flickr, Awaya Legends

In der Schweiz gibt es viele Nachwuchssportler und Nachwuchssportlerinnen in diversen Sportarten. Diese absolvieren täglich Trainings und Wettkämpfe am Wochenende. Alle diese Kinder und Jugendliche haben sowohl eine hohe körperliche als auch psychische Belastung durch Training und den ständigen Druck zu den Besten gehören zu müssen.

 

Grosser Druck durch Schule

All das wäre kein grosses Problem, wenn nicht noch die Schule dazukäme. Hausaufgaben und Prüfungen rauben Zeit, die nicht in den Sport fliessen kann. Die Ausrede: “Ich konnte die Hausaufgaben nicht lösen, ich hatte Training!”, quittieren Lehrer meist nur mit einem tadelnden Kopfschütteln.

Die Schule und auch der Sport verlangt mit steigendem Alter immer mehr. Wie soll diese grosse Doppelbelastung über längere Zeit zu schaffen sein?

 

Schüler von Sportschulen im Vorteil

Es gibt die Möglichkeit eine Sportschule zu besuchen, allerdings müssen dazu einige Bedingungen erfüllt sein, wie zum Beispiel mindestens zehn Stunden Training pro Woche. Dafür bietet die Sportschule die Möglichkeit immer pünktlich zum Training zu erscheinen und das Absolvieren von Morgentrainings. Dies erlaubt die volle Konzentration auf den Sport, ohne daran gehindert zu werden auch die Schulpflicht zu erfüllen. Aber was, wenn man nicht aufgenommen wird? Muss dann die nächste Lisa Urech oder der nächste Roger Federer seine respektive ihre Ambitionen auf den Spitzensport begraben?

 

Die meisten normalen Schulen lassen die Schüler, nach dem Einreichen eines Schreibens des Vereines, früher von der Schule gehen, damit sie pünktlich ins Training kommen. Ein Nachteil davon ist allerdings, dass man die so verpassten Stunden nachholen muss. Gerade in Fächern, in denen viel mündlich Besprochenes an den Prüfungen abgefragt wird, ist das eine echte Herausforderung. “Die Lehrer nähmen keine Rücksicht auf Leistungssportler!”, sagte Dominique, sie ist Schülerin einer normalen Schule und spielt Fussball.

 

Grosses Interesse an Sportschulen

“In den letzten 20 Jahren hat sich der Aufwand, den man im Leistungssport betreiben muss ungemein erhöht und die Sportler werden immer jünger, was zu einer hohen zeitlichen und körperlichen Belastung führt. Die Sportschule bietet den Jugendlichen und ihrem Umfeld die nötige Entlastung und Unterstützung”, sagt René Scheidegger, er ist Schulleiter der Kunst- und Sportschule Zürich. Diese idealen Voraussetzungen haben die Zahl der Anmeldungen an Sportschulen in den letzten Jahren in die Höhe schnellen lassen.

 

Eine Folge davon ist zum Beispiel ein Motivationsschreiben, das nun mit der Anmeldung mitgesendet werden muss. Ein nächster Punkt ist, dass die 6. Primarschulklasse erfolgreich abgeschlossen sein muss. Und eine weitere Voraussetzung, die allerdings seit Jahren besteht, ist die “Talent Card”, welche der Verein ausstellen kann. Wer eine Sportschule besuchen möchte, muss diese besitzen. Im Grossen und Ganzen stellt die “Talent Card” jedoch die kleinste Hürde bei der Aufnahme an eine Sportschule dar.

 

Sportschule als Risiko

In der Sportschule werden neben den Trainings am Abend, ein oder mehrere Morgentrainings in der jeweiligen Sportart bestritten, in der normalen Schule gibt es das nicht. Daher könnte man behaupten mehr Training führe automatisch zu mehr Leistung, das ist allerdings nicht unbedingt der Fall: Denn man kann den Körper als Kind oder Jugendlicher auch schnell überbelasten mit zu vielen Trainings: “Am Abend bin ich oft bereits kaputt bevor das Training beginnt.”, meint Fiona, sie ist Schülerin einer Sportschule und spielt Fussball.

 

Die Sportschule bietet den jungen Leistungssportler und Leistungssportlerinnen zwar die idealen Voraussetzungen den Sport und die Schule unter einen Hut zu bringen, allerdings hängt es auch stark von der Person und dem Willen ab, ob man auch die normale Schule nebst dem Sport packt.

 


 

Bildnachweis: flickr / Awaya Legends