Gesellschaft | 18.07.2014

Achtzehnter Brief aus Deutschland

Besonders als Schweizer muss man dieser Tage darauf achten, dass das Lesen deutscher Briefe vor lauter Neid nicht allzu schwer auf den Magen schlägt. Viel eher sollte man bei gutem Wein und reifem Käse zwischen den Zeilen lesen und die eigenen Erfolge wieder einmal vor Augen führen. Schliesslich ist auch die Schweiz Weltmeister, wenn auch in einer anderen Disziplin.
War am umstrittenen Gaucho-Tanz nicht beteiligt: Die Friedenstaube von "Eine Zeitung".
Bild: Katharina Good

Tja, wie fangen wir heute an?

 

Es ist ja so einiges passiert in der vergangenen Woche.

 

Weniger bei Ihnen in der Schweiz als vielmehr bei uns in Deutschland.

 

Um es kurz zu machen: Ja, heute erhalten Sie einen Brief vom amtierenden Fußballweltmeister.

 

Seit wir diese Briefe an die Schweizer Nation schreiben, bekommen wir immer wieder Reaktionen von Schweizern. Briefe, Anrufe, nächtliche Hausbesuche, E-Mails, etc.

 

Die meisten werfen uns dann Sachen vor wie: «Gott, ihr Deutschen seid sooo arrogant!« oder «Bitte lieber Gott, lasst sie jetzt nicht auch noch Weltmeister werden. Dann heben die ja endgültig ab!« oder «Was fehlt euch Deutschen eigentlich noch, um euch so richtig geil zu fühlen? Hä? Der Weltmeistertitel?«

 

Wir haben das bisher immer milde weggelächelt und gesagt: «Beruhigt euch doch. Ein Weltmeistertitel ändert doch mal so gar nichts. Das ist doch nur Fußball«

 

Naja, aber nun stellen wir fest: ES IST GROSSARTIG! (Anmerkung der Autoren: in diesem Fall wird «großartig- mit «ss- geschrieben, weil es kein Versal-ß gibt.)

 

MANN, WIR SIND WELTMEISTER! DEUTSCHLAND HAT ZUM VIERTEN MAL DEN POTT GEHOLT!

 

Aber gut, es ist ja echt nur Sport und nichts Weltbewegendes. Die Schweiz hat ja auch etwas zu feiern, wir zählen mal die größten Erfolge der letzten Zeit auf:

 

Glückwunsch! Die größte Alpkäserei der Welt steht auf Schweizer Boden! (Link: http://www.nzz.ch/schweiz/150-kilometer-anfahrt-fuer-guten-alpkaese-1.18345719)

 

Leute, das ist doch schon was! Auf alle Fälle ein Grund, mehr als stolz auf die Leistung des eigenen Landes zu sein. Wir wollen den Erfolg auch nicht niederreden, indem wir die Frage aufwerfen, warum eine Käserei mitten im Nichts stehen muss. Auch wollen wir gerne verschweigen, dass die Welt auf genau diesen Rekord bislang nicht gewartet hat.

 

Es gab sicherlich auch andere Menschen auf der ganzen Welt, die ebenfalls gerne die größte Alpkäserei der Welt haben wollten. Aber die niederländischen Konkurrenten mussten wohl schnell den Hut ziehen, weil sie einfach keine geeigneten Alpen finden konnten. Dem Vernehmen nach war auch ein chinesischer Milliardär sehr daran interessiert, auf seinem riesigen Grundstück in der Nähe von Shanghai eine noch viel größere Alpkäserei zu errichten. Dafür wollte er die Alpen eins zu eins nachbauen lassen. Leider haben ihm die Behörden einen Strich durch die Rechnung gemacht und er darf wegen Umweltschutzauflagen nur die Toskana nachbauen. Jetzt hat er zwar die größte Toskana-Käserei der Welt, aber eben leider nicht die größte Alpkäserei.

 

Sie sehen also, diesen Erfolg wird Ihnen so schnell niemand nachmachen können! Ein Hoch auf die Schweiz. Sie dürfen jetzt feiern.

 

Beste Grüße,

 

Ihr Weltmeister