YB siegt knapp

Nach zwei Jahren Unterbruch spielt YB wieder auf dem europäischen Parkett. Mit Ermis Aradippou wartet ein unbekannter Gegner auf die Berner. Die Zyprioten spielten letzte Saison stark, wurden 4. in der Meisterschaft und zogen in den Cupfinal ein.

 

Die Berner taten sich anfangs denn auch schwer. Die Zyprioten attackierten früh und durch schnelles Umschalten konnte der Gast zum Teil sogar Überhand gewinnen, gefährlich wurden sie aber vorerst nicht. Nach sieben Minuten dann der erste Angriff der Berner, der beinahe zur Führung gereicht hätte. Yuya Kubos Kopfball zischte aber am Tor vorbei. Auch Moreno Costanzos Schuss von der Strafraumgrenze fand den Weg ins Tor nicht, denn Martin Bogatinov, Torhüter von Ermis, parierte den Versuch des St.Gallers glanzvoll.

 

 

Mvogo verhindert Rückstand

Das Heimteam liess den Ball gut zirkulieren und suchte den Weg in Richtung gegnerisches Tor. Doch plötzlich tauchten die Gäste vor Yvon Mvogo auf. Innerhalb von vier Minuten hielt der junge Torhüter mehrmals das 0:0 fest.

YB versuchte gleich zu reagieren, doch Samuel Afum verpasste aus spitzem Winkel das leere Tor und kurz vor der Pause war es Michael Frey, der um Haaresbreite das Tor verfehlte. Die Berner waren erneut sehr ineffizient – eine Eigenschaft, die sie bereits in den ersten Meisterschaftsspielen in St. Gallen und zuletzt gegen Aarau ausgezeichnet hatte.

 

Konterchancen bleiben ungenutzt

In der zweiten Halbzeit liessen die Berner gegen den limitierten Gegner, der sich noch in der Vorbereitung auf die neue Saison befindet, hinten nichts mehr zu und dank dem, dass die Zyprioten in der Defensive nicht mehr allzu gut standen, ergaben sich weiter Chancen für die Gelb-Schwarzen. In der 58. Minute kam dann die Erlösung für die gut 7000 Fans: Nach einer Flanke von Scott Sutter grätschte Raphael Nuzzolo in den Ball und der sonst souveräne Torhüter der Gäste liess den Ball in der nahen Ecke passieren. Nach dem Tor waren die Angriffe der Berner zwar nicht mehr zwingend, Chancen erarbeiteten sie sich aber trotzdem – insbesondere dann als die Gäste einen zusätzlichen Stürmer einwechselten und den Ausgleich suchten. Die Konterchancen blieben aber ungenutzt, und so ist der Vorsprung fürs Rückspiel in einer Woche auf Zypern deutlich kleiner als er hätte sein können.

 

Adrian Nikci, der heute zum ersten Mal für YB zum Einsatz kam, stellte eine Ineffizienz im Spiel fest, ist aber dennoch optimistisch:„Wir konnten den Gegner dominieren“, sagte der Zürcher.

 

Vor dem Ausflug auf die Ferieninsel steht für die Berner am Wochenende das Auswärtsspiel bei Nikcis ehemaligen Teamkollegen, dem bisher souveränen FC Zürich, auf dem Programm – eine weitere Chance, die Effizienzstatistik aufzupolieren.

Männer für Unterhaltungszwecke

Luca, 18 Jahre alt und 186 Zentimeter gross, ist Model. Mit einer Hand fährt er sich durch sein dunkelbraun glänzendes, leicht wuscheliges Haar, in der anderen hält er seine Modelmappe. “Mit 15 hatte ich mich zum ersten Mal bei meiner Agentur beworben, aber da war ich noch zu jung”, sagt er und legt seinen Kopf in den Nacken. Zwei Jahre später hat er es erneut versucht und ist seitdem bei der renommierten österreichischen Agentur Wiener Models unter Vertrag.

 

Die Bilder in seiner ledernen Mappe sind schwarz-weiss, sie zeigen einen Heranwachsenden, dessen Gesicht mit Sommersprossen versehen ist. Mal trägt er einen Hut, mal einen Pullover aus dem ein weisser Kragen ragt. Gemeinsam ist ihnen allen sein Schmollmund in Kombination mit seinem jungenhaften Blick.

 

“Jungenhafte Gesichter”

Luca entspricht dem Typ Mann, der international momentan gefragt ist. “Zurzeit wird nach frischen, androgynen Gesichtern gesucht”, erklärt die gebürtige Italienerin Roberta Manganelli, Gründerin und Agenturchefin von Stella Models. Keine Machos also, sondern schlaksige “Künstler”, “Freigeister” stehen hoch im Kurs. So auch bei dem Wiener Jungdesigner Karl Michael.

 

Für seine Unisex-Kollektion hatte er den 16-jährigen Serge engagiert. “Ich wollte jungenhafte, unfassbar schöne Gesichter” sagt er, während er einen Zug von seiner selbstgedrehten Zigarette nimmt. Karl zückt sein Smartphone und deutet auf ein Foto aus seiner neuesten Kampagne. Ein junger Mann und eine junge Frau schmiegen sich aneinander. Beide haben kurze, braune Haare und die perfekten Masse fürs Modeln.

 

Einer von 300 hat das Zeug zum Modeln

Das weibliche Schönheitsideal 90-60-90 gilt für Luca, Serge und Co. keinesfalls. Aber auch sie unterliegen strengen Auswahlkriterien: Männer, die sich bei Wiener Models bewerben möchten, sollten mindestens 182 Zentimeter gross und zwischen 16 und 22 Jahre alt sein.

 

Bei Stella Models sollte man mindestens 185 Zentimeter gross sowie zwischen 16 und 45 Jahre alt sein. Aus 300 Bewerbungen nimmt Stella Models dann gerade einmal einen Mann unter Vertrag. “Anders als bei den Frauen gibt es für männliche Mannequins kein bestimmtes Alter. Männer haben da mehr Freiheit”, so der Designer Karl Michael. Auch so etwas wie einen Magerwahn gäbe es nicht, wenngleich Male Models immer in Form bleiben sollten.

 

Überhaupt sei das Bild von zusammenbrechenden, unterernährten Models mehr Mythos als Realität. “In den letzten Jahren haben sich zahlreiche Gewerkschaften gebildet, die dafür sorgen, dass Models in den Agenturen gesperrt werden, wenn sie der Magersucht verfallen”, sagt der Jungdesigner. Zunehmen solle der 18-jährige Luca, der von Natur aus sehr schlank ist, trotzdem nicht. Selbiges gilt für Patrick (*Name von der Redaktion geändert).

 

Patrick zählt mit seinen 184 Zentimetern zu den eher kleineren Models und ist ebenfalls bei Wiener Models unter Vertrag. Der 20-Jährige wurde klassisch beim Shoppen in einer H&M-Filiale entdeckt. “Die Leute im Business leben in einer ganz eigenen Welt”, erzählt er, während er mit den Fingern über seine kantigen Kieferknochen fährt, “einmal wurde eins meiner Shootings in LA verschoben, weil der Fotograf am Vortag mit Miley Cyrus gefeiert hat.”

 

Jobs hatte Patrick, der bereits für JOOP! und Marks&Spencer modelte, schon überall: von Los Angeles über New York bis hin zu London und Mailand. Meistens sind es zwischen null und fünf Aufträgen, die der gelernte Anlagen- und Betriebstechniker im Monat erhält. “Es kann schon vorkommen, dass man an drei Tagen nacheinander Jobs hat und dann einen ganzen Monat lang nichts mehr”, stimmt Luca, der vor kurzem maturiert hat und wie Patrick nur nebenbei modelt, zu.

 

Bohnenstange trifft Sunnyboy

In der Vergangenheit winkten Male Models Aufträge in erster Linie zu Unterhaltungszwecken. “In den 80er-Jahren und 90er wurden Männer bloss für Shootings gebucht, um das Set aufzuheitern”, schwelgt Roberta Manganelli in Erinnerungen.

 

Manganelli, die 1993 die Agentur Stella Models gegründet hatte, ist auch verantwortlich dafür, dass beim Elite Model Contest, der in zahlreichen Staaten ausgetragen wird, 2010 in Österreich erstmals Burschen teilnehmen konnten. Die Situation für Male Models habe sich in den letzten Jahren auf jeden Fall verbessert. “Mittlerweile hat fast jede Marke eine eigene Männerlinie”, erzählt sie und beobachtet das gerade stattfindende Sedcard-Shooting eines merklich unerfahrenen, weiblichen Models. “Entspann dich”, sagt die gebürtige Italienerin fast beiläufig zu dem Mädchen. Mit den Mädels habe man vor allem anfangs noch mehr Geduld. Von den Burschen hingegen wird erwartet, dass sie auf Knopfdruck unkompliziert und cool sind.

 

Generell sind das prototypische Frauenmodel und das prototypische Männermodel sehr unterschiedlich. Sie war in der Schulzeit die unsichere Bohnenstange, er der typische Schönling, mit dem jeder in der Klasse befreundet sein wollte. Erfolgreiche Männermodels sind selbstbewusst, wie Schauspieler. “Sie wissen wie sie ihr gegenüber um den Finger wickeln”, ist der Jungdesigner Karl Michael überzeugt. Eine Aussage, die den 18-jährigen Luca zum Schmunzeln bringt. Er habe sich noch nie bei Castings verstellt – selbst wenn es gewünscht wird.

 

Verkehrte Welt

Die Lage für männliche Mannequins hat sich finanziell in letzter Zeit zwar verbessert. Dennoch: der weltweit bestbezahlteste Mann ist laut Forbes Sean O’Pry mit 1,5 Millionen Dollar. Sein weibliches Equivalent Gisele Bündchen hingegen verdiente 2013 42 Millionen Dollar. Selbst das weibliche Durchschnittsmodel erwirtschaftet mit rund 40’000 Dollar jährlich um etwa 150 Prozent mehr als ihre männlichen Kollegen.

 

Warum das so ist? “Der Markt für Männer ist nicht so gross”, meint Martin Siebenbrunner, ein Wiener Fotograf. Dem schliesst sich die Agenturchefin von Stella Models an: “70 Prozent des Umsatzes machen immer noch weibliche Models.” Laut Luca könne man in Österreich vom Modeln ohnehin nicht leben. Die meisten Modelaufträge lägen unter 500 Euro. Insbesondere die Vienna Fashion Week gelte unter Models und Designern als unorganisiert und kaum gewinnversprechend. In Mailand und Paris kann ein Male Model pro gelaufener Show mit mehreren Hundert bis mehreren Tausend Euro Gage rechnen. “In Wien bekommt man gerade mal um die 40 Euro netto”, sagt Patrick und grinst. Bei Stella Models üben daher von 100 Models bloss geschätzte 15 die Tätigkeit hauptberuflich aus.

 

Für viele Männermodels hierzulande ist der Beruf nicht mehr als ein netter Zuverdienst. So sehen das auch Luca und Patrick, die demnächst zu studieren beginnen wollen. Der angehende Jus- und Philosophiestudent Luca bekennt: “Modeln ist cool, aber nur für eine Zeit lang.”

Coco Chanel auf den Fersen

Mit einem Lächeln öffnet Lars Buchschacher seine Haustür. Der 18-Jährige setzt sich in den Garten und streicht sich seine Haare aus dem Gesicht. “Ich muss dringend zum Friseur”, grinst er und beginnt von seinem Leben zu erzählen, das sich vor allem um ein Thema dreht: Mode.

 

Sein grösstes Vorbild ist eine aus dem 19. Jahrhundert stammende Französin. Sie wuchs in einem Kloster für Waisenkinder auf und erlernte den Beruf der Schneiderin. Danach gründete die Stilikone ihr eigenes Modeimperium in Paris und entwarf in den 20er-Jahren erstmals das weltbekannte “Kleine Schwarze”.

 

Die wohl erfolgreichste Modedesignerin der Welt arbeitete bis ins hohe Alter an ihren nächsten Kollektionen und liegt heute auf dem Cimetière du Bois-de-Vaux in Lausanne begraben. Ihr Name ist Gabrielle Bonheur, besser bekannt als Coco Chanel.

 

Barbies als Models

Bereits seit frühster Kindheit begeisterte sich Lars Buchschacher für Mode und zeichnete leidenschaftlich gerne. Er habe als Kind mit Barbies gespielt und ihnen dabei immer wieder andere Kleider angezogen. Irgendwann wurden diese aber weniger interessant und er sehnte sich nach mehr Individualität in der Garderobe seiner Puppen.

 

“Als Viertklässler kaufte ich mir dann zum ersten Mal die Vogue und habe sie sogleich abonniert”, erzählt er. Dabei sei er auch zum ersten Mal auf eine Kollektion von Coco Chanel gestossen. An diese erinnert er sich noch sehr genau: “Die Models trugen weisse Overknee-Stiefel und vorwiegend schwarze oder weisse Kleider dazu. Jedes Outfit dieser Kollektion hat mir sofort gefallen.” Von diesem Moment an fungierte die Modepäpstin als grosses Vorbild für ihn.

 

Lars Buchschacher bringt zwei dicke Ordner zum Tisch. “Das ist meine Herbst/Winter-Kollektion”, sagt er und blättert vorsichtig von Seite zu Seite. Der modestilistische Einfluss Chanels auf diese Entwürfe ist auf den ersten Blick omnipräsent. Beim genaueren Hinsehen finden sich jedoch bei jedem Outfit viele individuelle Merkmale des Jungdesigners. Seine Mode ist leichter und wirkt weniger verspielt, ausserdem finden sich weniger spielerische oder ironische Details in seinen Entwürfen.

 

schlicht, graphisch und uni

“Ich mag vor allem geometrische Schnitte. Meine Mode ist schlicht und graphisch.” Er arbeite gerne mit Reissverschlüssen, Tweed und manchmal mit Pailletten. “Prints und auffällige Muster sagen mir nicht viel, ich benutze lieber dezentere Farben auf grossen Flächen.” Immer wieder tauchen in seinen Entwürfen aufgenähte Blumen auf, diese sind aber ebenfalls exakt angeordnet, so dass deren Verspieltheit durch eine gewisse Strenge überdeckt wird.

 

Die meisten Entwürfe sind in schwarz-weiss skizziert. Jedoch weiss Lars bei jedem einzelnen Outfit genau, welche Farbe es hat und wie sich der Stoff anfühlen muss, auch wenn er dafür manchmal keine richtige Bezeichnung im Modefachjargon findet.

 

Klare Vorstellungen

Nicht nur Chanels Mode begeistert den Jungdesigner, er bewundert auch ihren Ehrgeiz und ihr Durchsetzungsvermögen zu Lebzeiten. “Coco Chanel war eine ehrgeizige und emanzipierte Frau. Sie setzte sich mit ihren Kollektionen für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ein, indem sie Hosen und Männerkleidungsstücke für Frauen entwarf”, erklärt er.

 

Ihr seien ausserdem Selbstständigkeit und Individualität wichtig gewesen. Diesen Ehrgeiz Chanels spürt man auch beim Jungdesigner selbst: Er hat genaue Vorstellungen, was seine Zukunft betrifft und weiss, wo seine Stärken liegen. “Meine Designs heben sich von den Werken anderer Designer dadurch ab, dass ich genaue und präzise Vorstellungen davon habe, wie das Modell konzipiert sein soll.” Damit meine er nicht nur den handwerklich-technischen Aspekt, sondern auch die optischen Verhältnisse der einzelnen Teile. “Durch die klaren Schnitte und Formgebungen kommen meine Ideen optimal zum Ausdruck.”

 

Neben der Faszination hat Lars auch Kritik für Chanel übrig. Das Label werde immer wie grösser und unübersichtlicher. Er habe den Eindruck, dass die Struktur des Unternehmens verloren gegangen ist. Grössere Shows, mehr Inszenierungen und noch mehr Stars führen dazu, dass die Kleider nicht mehr im Mittelpunkt stünden. Coco Chanel selbst habe die Eigenmarke gut verkauft und geführt. Leider verlor sie aber im Alter das Gespür, mit der Zeit zu gehen und hat seiner Meinung nach zu konservative Kollektionen designt.

 

Destination Paris

Lars Buchschacher besucht halbtags einen Vorkurs für Gestaltung und beschäftigt sich den Rest des Tages mit dem Entwerfen und Nähen seiner Kollektionen. Wenn er einmal keine Lust mehr dazu habe, nähe er in der Mansarde an den Kleidungsstücken zur Abwechslung. Damit bereitet er sich täglich auf das Modestudium ab September vor, dessen zwei letzte Masterjahre er in der Modehauptstadt Paris absolvieren möchte. “Mein Traum ist es, eines Tages für das Modehaus Chanel arbeiten zu können”, sagt er vorfreudig.

 

Im Sommer reise er passend zur Haute Couture Modeschau von Chanel in die Metropole und möchte sich dort Zutritt zu diesem grossen Event verschaffen. “Normalerweise sind an die Fashionshows von solch grossen Designern nur reiche Kunden und Prominente eingeladen. Aber ab und zu findet auch ein Modestudenten Einlass.”

 

*Was ist eine Portraitception?


Die Portraitception ist eine von Tink.ch erfundene journalistische Darstellungsform, die eine Person portraitiert, um mehr über ihr Vorbild zu erfahren. Dadurch entstehen zwei Portrait in einem. Die Idee wurde erstmals in der Redaktion Bern von Reporter Rade JevÄ‘enić zur Diskussion gebracht.

Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Werwölfe zur Paarungszeit

1981 lieferte Joe Dante mit The Howling einen unterschätzten Klassiker des Werwolf-Genres ab. Darin wurde eine föhnfrisierte Fernsehjournalistin mit Burnout-Symptomen den Verdacht nicht los, dass ihre Selbsthilfegruppe von Werwölfen unterwandert war. Hätte man es bei diesem einen Film belassen, würden wir heute vielleicht über ein vergessenes Kleinod des haarigen Horrors fachsimpeln. Doch im Jahre 1985 geschah das Unfassbare: Eine tollkühne Filmcrew zog los, um im osteuropäischen Outback eine Fortsetzung herunterzukurbeln.

 

Dass für dieses Unterfangen tatsächlich ein Drehbuch zur Verfügung stand, darf angesichts des Endresultats als Gerücht abgetan werden. Wer hier nach einer kohärenten Handlung sucht, wird bestenfalls mit Kopfschmerzen belohnt. Sollte nachfolgend dennoch die eine oder andere inhaltliche Anmerkung auftauchen, dann nur, weil sie für die Rekapitulation für die dargebotenen Merkwürdigkeiten unerlässlich sind.

 

Turbogeile Werwölfe kommen zur Sache

Für die Hauptrolle des pfähleschwingenden Werwolf-Jägers liess sich kein geringerer als der legendäre Dracula-Darsteller Christopher Lee verpflichten. Als Experte für nachtaktive Fabelwesen stellt er einem wollüstigen Werwolf-Zirkel nach, der in Los Angeles sein Unwesen treibt. Besagte Biester vernaschen mit Vorliebe motorradfahrende Punks auf verlassenen Industriearealen – wobei “vernaschen” durchaus wörtlich zu verstehen ist.

 

Weil Dreharbeiten auf amerikanischem Territorium mit kostspieligen Gewerkschaftsauflagen verbunden sind, katapultiert uns ein unverhoffter Filmschnitt unter falschen Vorwänden nach Transsilvanien. Hier haust die Mutter aller Werwölfe (B-Film-Luder Sybil Danning als titelgebende Werewolf Bitch) standesgemäss in einem düsteren Schloss, komplett mit Lustwäldchen und Folterkeller. Im Hintergrund stolpern Statisten in überdimensionalen Wikingerhelmen durch die Kulisse und sorgen für das passende archaische Ambiente. Ein Glück für die Komparsen, dass ihr Sichtfeld durch die monumentalen Kopfbedeckungen beeinträchtigt wird – andernfalls müssten sie schutzlos mitansehen, wie sich die Werwolf-Familie mit Fellmützen-Fetisch ausschweifenden Orgien hingibt.

 

Geballte Trash-Gewalt

Da hier auch Minderjährige mitlesen, spulen wir etwas vor. Christopher Lee kommt in der rustikalen Siedlung unweit des Werwolf-Schlosses an und hat sogar Verstärkung mitgebracht: Reb Brown, seines Zeichens stiernackiger B-Movie-Hero und Retter unzähliger Low-Budget-Fantasy-Welten, mimt den rachelustigen Bruder eines Werwolf-Opfers und Dauernebendarstellerin Annie McEnroe darf sich als pfiffige Investigativ-Journalistin Hoffnungen auf den Pulitzer-Preis, aber nicht auf den Oscar machen.

 

Mit vereinten Kräften soll den dauergeilen Pelzknäueln so richtig das Fell über die spitzen Latexohren gezogen werden. Von jetzt an wird der Zuschauer mit allem torpediert, was das Genre des 80er Horror-Trashs hergibt: Gummimasken, Monsterfratzen, Hellebarden, Jeansjacken, Dauerwellen, … Das volle Programm! Da springen tollwütige  Wookies aus dem Gebüsch und gehen beim kleinsten Kontakt mit Weihwasser in Flammen auf, Krummsäbel werden in Silikonköpfe gerammt, Augäpfel durch Energieblitze zum Platzen gebracht und die Lichteffekte im Finale verlangen nach einem Warnhinweis für Epileptiker.

 

Triumpf der Triebe

Besondere Erwähnung verdient der Abspann, der gewissermassen ein Best Of der vergangenen 90 Minuten darstellt: Im Rhythmus des fetzigen New Wave-Soundtracks werden noch einmal die denkwürdigsten Filmszenen rezykliert – darunter tatsächlich 17-mal ein und dieselbe Einstellung, wie sich Sybil Danning die Kleider vom Leib reisst. Es ist das Destillat des puren Wahnsinns, das hier als Schlussbouquet geboten wird. Die würdige Krönung eines Films, der sich seine plumpen Sexszenen und billigen Splatter-Effekte wie cineastische Jagdtrophäen an die Wand hängt.

 

Howling II – Stirba: Werewolf Bitch darf sich somit uneingeschränkt zur Speerspitze des hormongesteuerten Gammelfilms zählen. Ein Streifen, der den grösstmöglichen Abstand zur Hochkultur sucht und findet. Mittendrin: Ein radikal professioneller Christopher Lee, der selbst die debilsten Dialogzeilen mit stoischer Ernsthaftigkeit rezitiert. Vielleicht wird man das in 50 Jahren Avantgarde nennen, heute nennen wir es Schund. Und zwar von der allervortrefflichsten Sorte.

YB zu ineffizient

Bei der Heimpremiere spielten die Berner erstmals seit zwei Jahren wieder auf Kunstrasen. YB startete druckvoll in die Partie. Sie versuchten oft mit schnellen Ballstaffetten, die Aarauer zu überwinden, blieben jedoch oft an der Verteidigung oder dem starken Torhüter Joel Mall hängen.

 

YB unter Schock

Die Aarauer zeigten nach und nach, dass sie aber auch vorne für die eine oder andere Aktion gut sind. Dante Senger versuchte es mit einem Lupfer aus grosser Distanz und der Ball zischte nur knapp über die Latte.

YB seinerseits vergab beste Chancen: Der Japaner Yuya Kubo hatte nach 26 Minuten die Führung auf dem Fuss, doch sein Schuss ging am Tor vorbei. Etwas gegen den Spielverlauf ging dann nach 35 Minuten der FCA in Führung. Nach einem Freistoss brachte der starke Dante Senger die Gäste in Führung. Der Torschütze war nach einem strittigen Freistoss unbedrängt hochgestiegen und hatte den Ball in die weite Ecke geköpft.

Die Berner wirkten für einen Moment geschockt, was sich beinahe gerächt hätte: Aaraus Routinier Daniel Gygax scheiterte bei zwei Grosschancen einmal an der Latte und einmal an YB-Torhüter Mvogo.

 

Zweites Saisontor für Kubo

Nach der Pause zeigten die Berner eine Reaktion auf die Schwächephase vor der Pause. Der eingewechselte Raphael Nuzzolo tauchte mehrmals gefährlich vor Joel Mall auf, doch dieser hielt sein Tor weiterhin sauber.

 

 

In der 51. Minute war dann aber auch der 23-Jährige machtlos. Raphael Nuzzolo spielte flach in die Mitte, wo Michael Frey zwar verpasste, Kubo verwertete den Ball aber zum verdienten Ausgleich für das Heimteam. Die Berner drückten in der Folge auf den Führugnstreffer. Die Aarauer Defensive stand aber weiterhin kompakt. In der 89. Minute wurde es aber noch einmal knapp fürs Tor der Gäste, als eine Abwehraktion misslang. Juan Pablo Garat wollte mit dem Kopf zum Eckball klären. Der Ball senkte sich aber bedrohlich früh und klatschte an die Latte.

 

 

Die Berner warten nach der erneuten Punkteteilung weiterhin auf den ersten Vollerfolg der Saison. Am Donnerstag startet YB in die Europa League Qualifikation gegen den Zypriotischen Vertreter Ermis Aradippou, gegen den eine Steigerung der Effizienz und Kaltblütigkeit vor dem Tor emminent wichtig sein wird.

Am Abend bereits kaputt, bevor das Training beginnt

In der Schweiz gibt es viele Nachwuchssportler und Nachwuchssportlerinnen in diversen Sportarten. Diese absolvieren täglich Trainings und Wettkämpfe am Wochenende. Alle diese Kinder und Jugendliche haben sowohl eine hohe körperliche als auch psychische Belastung durch Training und den ständigen Druck zu den Besten gehören zu müssen.

 

Grosser Druck durch Schule

All das wäre kein grosses Problem, wenn nicht noch die Schule dazukäme. Hausaufgaben und Prüfungen rauben Zeit, die nicht in den Sport fliessen kann. Die Ausrede: “Ich konnte die Hausaufgaben nicht lösen, ich hatte Training!”, quittieren Lehrer meist nur mit einem tadelnden Kopfschütteln.

Die Schule und auch der Sport verlangt mit steigendem Alter immer mehr. Wie soll diese grosse Doppelbelastung über längere Zeit zu schaffen sein?

 

Schüler von Sportschulen im Vorteil

Es gibt die Möglichkeit eine Sportschule zu besuchen, allerdings müssen dazu einige Bedingungen erfüllt sein, wie zum Beispiel mindestens zehn Stunden Training pro Woche. Dafür bietet die Sportschule die Möglichkeit immer pünktlich zum Training zu erscheinen und das Absolvieren von Morgentrainings. Dies erlaubt die volle Konzentration auf den Sport, ohne daran gehindert zu werden auch die Schulpflicht zu erfüllen. Aber was, wenn man nicht aufgenommen wird? Muss dann die nächste Lisa Urech oder der nächste Roger Federer seine respektive ihre Ambitionen auf den Spitzensport begraben?

 

Die meisten normalen Schulen lassen die Schüler, nach dem Einreichen eines Schreibens des Vereines, früher von der Schule gehen, damit sie pünktlich ins Training kommen. Ein Nachteil davon ist allerdings, dass man die so verpassten Stunden nachholen muss. Gerade in Fächern, in denen viel mündlich Besprochenes an den Prüfungen abgefragt wird, ist das eine echte Herausforderung. “Die Lehrer nähmen keine Rücksicht auf Leistungssportler!”, sagte Dominique, sie ist Schülerin einer normalen Schule und spielt Fussball.

 

Grosses Interesse an Sportschulen

“In den letzten 20 Jahren hat sich der Aufwand, den man im Leistungssport betreiben muss ungemein erhöht und die Sportler werden immer jünger, was zu einer hohen zeitlichen und körperlichen Belastung führt. Die Sportschule bietet den Jugendlichen und ihrem Umfeld die nötige Entlastung und Unterstützung”, sagt René Scheidegger, er ist Schulleiter der Kunst- und Sportschule Zürich. Diese idealen Voraussetzungen haben die Zahl der Anmeldungen an Sportschulen in den letzten Jahren in die Höhe schnellen lassen.

 

Eine Folge davon ist zum Beispiel ein Motivationsschreiben, das nun mit der Anmeldung mitgesendet werden muss. Ein nächster Punkt ist, dass die 6. Primarschulklasse erfolgreich abgeschlossen sein muss. Und eine weitere Voraussetzung, die allerdings seit Jahren besteht, ist die “Talent Card”, welche der Verein ausstellen kann. Wer eine Sportschule besuchen möchte, muss diese besitzen. Im Grossen und Ganzen stellt die “Talent Card” jedoch die kleinste Hürde bei der Aufnahme an eine Sportschule dar.

 

Sportschule als Risiko

In der Sportschule werden neben den Trainings am Abend, ein oder mehrere Morgentrainings in der jeweiligen Sportart bestritten, in der normalen Schule gibt es das nicht. Daher könnte man behaupten mehr Training führe automatisch zu mehr Leistung, das ist allerdings nicht unbedingt der Fall: Denn man kann den Körper als Kind oder Jugendlicher auch schnell überbelasten mit zu vielen Trainings: “Am Abend bin ich oft bereits kaputt bevor das Training beginnt.”, meint Fiona, sie ist Schülerin einer Sportschule und spielt Fussball.

 

Die Sportschule bietet den jungen Leistungssportler und Leistungssportlerinnen zwar die idealen Voraussetzungen den Sport und die Schule unter einen Hut zu bringen, allerdings hängt es auch stark von der Person und dem Willen ab, ob man auch die normale Schule nebst dem Sport packt.

 


 

Bildnachweis: flickr / Awaya Legends

Neunzehnter Brief aus Deutschland

Liebe Eidgenossen,

 

Sie haben es sicher mitbekommen: Ihr Nationalfeiertag naht. Sie werden ein weiteres Mal Raketen steigen lassen, Konfetti auf den Wiesen verstreuen, trinken, es sich gut gehen lassen, ein paar Ihrer Mitbürger werden wie jedes Jahr betrunken im Limmat ertrinken und so weiter.

 

Aber was ebenfalls jedes Jahr wieder kommt, ist die Frage, “was soll ich bloß schenken?”

 

Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, was Sie Ihrem Land zum 1. August schenken werden? Nein? Dann wird es aber allerhöchste Achterbahn! Nutzen Sie dieses Wochenende, um kräftig einkaufen zu gehen und Ihrem Heimatland eine schöne Freude zu machen.

 

Sie wissen sicher besser als wir, was die Schweiz sich so wünscht zum Ehrentag, aber gestatten Sie uns dennoch ein paar wohlgemeinte Tipps.

 

Mit Blumen macht man zum Beispiel nie etwas verkehrt. Ein schöner, großer Strauß voller bunter Blüten, warum denn nicht? Nur darauf achten, dass Sie heimische Produktion kaufen, die Schweiz ist da manchmal etwas eigen. Oder eine Tafel allerfeinste Schokolade, dagegen hat wirklich niemand etwas. Und sooo fett ist die Schweiz ja nun auch wieder nicht. Auch gerne gesehen: die neuste CD der Lieblingsband. Da wird es aber schon etwas schwieriger – nicht, dass am Ende 6.000.000 mal dasselbe Album vom Dieter Meier im Regal der Schweiz landet. Von einer CD raten wir also eher ab. Eine DVD vielleicht? Oder ein gutes Buch! Nicht so klug sind Gutscheine, da fühlt sich der Empfänger gerne nicht so wertgeschätzt und das Gefühl kann aufkommen, man hätte sich keine großen Gedanken gemacht. Außer natürlich, Sie und die Schweiz haben sich vorher auf diese Art von Geschenk geeinigt, dann ist das völlig in Ordnung.

 

Was Sie auf keinen Fall machen sollten: vermeintlich sinnvolle Geschenke schenken. Toaster, Mikrowelle, Staubsauger, das hinterlässt als Präsent keinen guten Eindruck.

 

Was aber immer geht: Laden sie die Schweiz zum Essen ein, kochen Sie ein großes Mahl und verbringen Sie den Abend zusammen. Etwas Zeit mit Ihrem Land – nur Sie und die Schweiz! – das hat doch auch mal was. Und darüber freut sich jedes Land, egal, in welchem Alter.

 

Wir sind uns sicher, Sie finden schon etwas. In diesem Sinne,

 

feiern Sie demnächst schön!

 

Herzlichst,

 

 

Ihr Deutschland

“Alle anderen Menschen sind der Vernichtung geweiht”

Tink.ch: Wer sind die Zeugen Jehovas?

Maria: Die Zeugen Jehovas sind eine christliche Religionsgemeinschaft. Sie gehen ursprünglich aus einer Bibelforscher-Vereinigung hervor, die im 19. Jahrhundert in den USA gegründet wurde. Heute sind es die Leute, die für gewöhnlich mit den Zeitschriften “Wachtturm” und “Erwachet” an den Haustüren klingeln oder auf Plätzen stehen, um Mitglieder anzuwerben.

 

Wie sieht das Weltbild eines Zeugen Jehovas aus,  woran glauben sie?

Sie glauben an Gott, den sie Jehova nennen, Jesus, und den Heiligen Geist. Zu ihrem Glaubensgebäude gehört aber auch “Harmagedon”. Das ist der Tag, an dem alle Menschen, abgesehen von den Zeugen Jehovas, vernichtet werden. Nach Harmagedon kommt das Paradies auf Erden. Dass nur sie gerettet werden bezeichnen sie als die “gute Botschaft”. Alle Zeugen Jehovas freuen sich auf den Tag, an dem sie Harmagedon überleben, weil die meisten ins Paradies auf Erden kommen wollen.

 

Kommen Andersgläubige auch ins Paradies?

Die Zeugen Jehovas nennen ihren Glauben die “alleinige Wahrheit”. Alle anderen Menschen, also auch Protestanten und Katholiken, sind der Vernichtung geweiht. Die Menschen ausserhalb der Gemeinschaft sind schlechte Gesellschaft.

 

Wie ging es dir als Kind und Jugendliche damit, dass deine Freundinnen “schlechte Gesellschaft” sind?

Ich lernte, nie Freundschaften mit ihnen zu schliessen. Liess ich mich näher auf jemanden ein, so hatte ich innerlich ein schlechtes Gewissen. Ich wurde sehr schnell zur Aussenseiterin. Mein Lehrer sagte einmal während eines Elterngesprächs zu meinen Eltern, ich sei jemand, der unter einer Käseglocke hockt. Irgendwie mittendrin, aber trotzdem nicht integriert. Ich habe damals versucht, viel durch meine Leistungen wettzumachen. Durch Leistung bekam ich Anerkennung.

 

Hast du dir manchmal gewünscht, mit anderen zu spielen, ins Kino zu gehen oder Geburtstag zu feiern?

Oh ja, sehr oft. In späteren Jahren hab ich heimlich in der Schule die Weihnachtsfeiern mitgefeiert. Ich wünschte mir oft ein ganz normales Leben, mit allem, was dazu gehört. Da meine Eltern eintraten als ich etwa 8 Jahre alt war, kannte ich Geburtstage, Weihnachten etc. von meinem Leben vor den Zeugen Jehovas. Die Zeugen Jehovas feiern nur den Tod Jesu, das so genannte “Gedächtnismahl”, und Hochzeitstage.

 

Warum sind deine Eltern damals eingetreten?

Mein Vater wurde zum damaligen Zeitpunkt sehr krank. Er war starker Raucher. Der Arzt sagte ihm, dass er sterben würde wenn er nicht aufhört zu rauchen. Meine Mutter erinnerte sich daran, dass bei ihrer Mutter eine Zeitschrift über die Zeugen Jehovas lag, die auch die Themen Krankheit und Tod behandelte. Nach dem Eintritt veränderte sich alles. Es gab von jetzt auf gleich keine Feiern mehr und mein Vater schnitt seine langen Haare ab. Sie sagten immer, diese Zeitschrift hätte ihr Leben gerettet.

 

Was gab ihnen, und vielleicht auch dir, die Gemeinschaft?

Die Gemeinschaft gibt den Menschen Halt. Alle Fragen im Leben werden plötzlich beantwortet. Man weiss, was der Sinn im Leben ist. Viele Menschen gehen genau deshalb in die Glaubensgemeinschaften. Sie sind auf der Suche nach ihrem Lebenssinn. Man schlittert durch viele Dinge, die im Leben passieren, sehr schnell in diese Gemeinschaften. Zum Beispiel durch den Tod eines Angehörigen, Arbeitslosigkeit oder Krankheit.

 

Wie denken Jugendliche bei den Zeugen Jehovas über Liebe, Sex und Besitz?

Liebe gibt es zunächst nur zu Jehova. Er wird am meisten geliebt. Sex gibt es nur in der Ehe. Wenn man jemanden gern hat und mit ihm geht, sollte immer die Absicht einer Ehe dahinterstecken. Freundschaft in “der Welt” bedeutet Feindschaft mit Gott. Freunde wird man sich immer zuerst bei den Zeugen Jehovas suchen, nicht in der Welt. Geld und Besitz sind nicht wichtig. Das was zählt, ist dein Glaube. Alles andere bezeichnen die Zeugen als ein “Haschen nach Wind.”

 

Wann bist du an dem Punkt angekommen, an dem du aussteigen wolltest?

Ich erlebte gerade meine vierte Schwangerschaft, bei der alles schief lief, was schief laufen konnte. Das Kind wurde viel zu früh geboren. Ein paar Stunden nach der Geburt stand ich am Brutkasten, sah mein Kind und wusste: “Ich könnte dich niemals sterben lassen.” Ich hörte plötzlich wieder die Stimme meines Herzens, die ich jahrelang unterdrückt hatte. In der Zeit danach traute ich mich, im Internet über die Zeugen Jehovas zu recherchieren. Was ich las, öffnete mir die Augen.

 

Wie schwer war dein Ausstieg?

Dass meine Eltern auch bei den Zeugen Jehovas sind, war ein riesen Hindernis. Denn Jehovas Zeugen dürfen keinen Kontakt mit jemandem haben, der ausgeschlossen ist. Ich hoffte Monate auf ein Herz bei meinen Eltern. Diese Hoffnung zerplatzte aber wie eine Seifenblase. Weder ehemalige “Freunde”, noch meine Eltern, noch meine Schwester reden heute mit mir. Ich werde von den Zeugen Jehovas gemieden. Trotz Allem geht es mir heute besser denn je. Ich habe echte Freunde gefunden und lerne mein Leben eigenverantwortlich zu leben. Diese Freiheit ist unwahrscheinlich schön.

 

Welche Botschaft hast du an Jugendliche, die von Zeugen Jehovas auf der Strasse angesprochen werden beziehungsweise an Jugendliche, die in der Gemeinschaft der Zeugen leben und dieses Interview lesen?

Zeugen Jehovas werden versuchen, dich einzulullen. In deren Zeitschriften wirst du immer lächelnde Menschen sehen. Dieses Lächeln ist oft unehrlich und aufgesetzt. Wenn dich jemand anspricht, dann lehne dankend ab. An die Zeugen Jehovas, die sich in der Gemeinschaft befinden: Versuche über den Tellerrand zu schauen. Nichts ist so, wie du denkst. Du lebst vielleicht in einer heilen Welt, aber sie ist nur Fassade.

 

*Name der Redaktion bekannt.

Ehrenamtliche Arbeit: Ein Plus im Lebenslauf?

Der Canisibus ist einer der beiden Essensbusse der Caritas. Die beiden Busse verteilen in Wien Essen an Obdachlose und Bedürftige an jeweils vier Standorten – jeden Tag, 365 Tage im Jahr. Schon um 16 Uhr wird damit begonnen, Suppe zu kochen und Brot zu schneiden. Von viertel vor Acht bis Acht Uhr abends wird sie noch heiss verteilt. Täglich arbeitet ein Team aus mehreren Ehrenamtlichen und einem Zivildiener zusammen. Die Menschen verlassen sich auf den Essensbus. Und das können sie auch. Denn egal bei welchem Wetter oder welchem Event, die Suppe kommt. Für viele ist das die einzige warme Mahlzeit am Tag.

 

Einen kleinen positiven Beitrag leisten

Warum sie sich ehrenamtlich engagieren? Diese Frage scheint für die drei jungen Helfer im Canisibus nicht so leicht zu beantworten zu sein. Sie möchten eben einen kleinen positiven Beitrag leisten, sagt einer der Mitarbeiter. Es mache schliesslich Spass, sie würden das gerne machen.

 

Man könne auch einiges selbst dadurch mitnehmen, erzählen sie. Man lerne viele Menschen kennen und man lerne auch Toleranz zu leben. “Die Arbeit relativiert Unnützes, mit dem man sich manchmal beschäftigt.” Eine andere ehrenamtliche Organisation – Frei.Spiel – weist auf ihrer Website sogar darauf hin, dass ehrenamtliches Engagement ein Vorteil für den Lebenslauf sei, und somit eine “Erhöhung der Berufschancen”.

 

Ehrenamt wird von Personalverantwortlichen positiv bewertet

Martin Zeilinger vom AMS Wien bestätigt, dass Ehrenamt tatsächlich ein Vorteil bei der Jobsuche sein kann. “In vielen Bereichen, wo man ehrenamtlich tätig sein kann, gewinnt man Eindrücke, die man im normalen Berufsleben nicht hat, und das macht einen auch zu einer kompletteren Person, was von vielen Personalverantwortlichen positiv gesehen wird.”

 

Das sieht auch der Bewerbungsberater und Karriere-Coach Werner Hammerl ähnlich und fügt an, dass “in vielen sozialen beziehungsweise helfenden Berufen sowie ganz allgemein bei Jobs im Non-Profit-Bereich” ehrenamtliches Engagement im Lebenslauf sehr hilfreich sein kann.

 

Auch von den Personalverantwortlichen der Unternehmen selbst erfährt man, dass Ehrenamt im Lebenslauf keinesfalls ein Nachteil ist. Dr. Stefan Lange, bei Siemens Österreich zuständig für strategische Personalgewinnung und -entwicklung, betont, dass Ehrenamt auf jeden Fall ein Plus im Lebenslauf ist.

 

Zuerst würden aber die “Hard Facts” wie Ausbildung und Berufserfahrung zählen. Anita Jech-Walloch vom Personalmanagement bei Generali erklärt, ehrenamtliches Engagement im Lebenslauf würde zwar auf die soziale Komponente im Bewerber hinweisen, doch sei es letztendlich nicht ausschlaggebend bei der Personalauswahl.

 

Bewerbungsberater Hammerl weist auch darauf hin, dass nicht jede ehrenamtliche Erfahrung bei jedem möglichen Arbeitgeber so gut ankommen muss. “Wenn man sich in der Freizeit zum Beispiel ehrenamtlich für Friedensprojekte engagiert und sich damit bei Waffenproduzenten bewirbt, wird man seine Job-Chancen vermutlich nicht gerade steigern.” Es könne auch nachteilhaft sein, wenn man zu viele Ehrenämter anführt, da das den Eindruck erwecken kann, dass man “dadurch in seiner beruflichen Verfügbarkeit eingeschränkt sein könnte”.

 

“Insgesamt werden nach unseren Erfahrungen ehrenamtliche Tätigkeiten als Zeichen von Engagement gesehen, als Zeichen von Interesse gesehen, als Zeichen gesehen, dass jemand aktiv ist, und das wird immer positiv beziehungsweise sehr positiv bewertet”, fasst Martin Zeilinger zusammen.

 

Karrierevorteil ist kein Grund für ehrenamtliches Engagement

Doch bei der Frage nach den Gründen für ihr ehrenamtliches Engagement taucht bei keinem Freiwilligen das Wort Karriere auf. “Wenn Sie jeden Einzelnen fragen, ist das bei jedem anders. Das hat viele Gründe”, meint Andrea Sommerlechner, die seit fünfzehn Jahren beim Canisibus mithilft – ihres Zeichens Frau Univ.-Doz. Dr. Sommerlechner, wie wir später erfahren.

 

“Es ist so, dass man in der Stadt, in der man lebt, erst wirklich lebt, wenn man sie ganz kennt, wenn man auch das kennt.” Sie weiss, dass die Freiwilligen auf jeden Fall auch von ihrem Engagement profitieren: “Die positiven Erfahrungen überwiegen eindeutig, das wird Ihnen vermutlich jeder sagen. Es kommt eigentlich viel mehr zurück als man hineinsteckt.”

Mit 17 ein Unternehmen? Kein Problem

Während andere Jugendliche in ihrer Freizeit auf Partys gehen, zocken oder Musik machen, investiert der 17-jährige Christoph Marti seine Zeit in das von ihm gegründete Jungunternehmen Jep Schweiz (Jugend Entertainment Produktionen Schweiz). Dort hat er MC Media ins Leben gerufen. Unter dieser Marke produziert er zusammen mit 20 Freiwilligen Apps, Webseiten und Videos.

 

Innovativ?

Unter anderem hat er eine neue Social Media App auf dem Markt gebracht, die sich unter dem Namen Pootoo finden lässt. Diese App ist auf den ersten Blick eine Mischung aus Facebook und Instagram. Man kann Fotos hochladen, Hashtags setzten, den Status posten, gemeinsam chatten und vieles mehr. Auf das Argument, dass es schon viele Social Media-Apps mit ähnlichen Funktionen gibt, kontert Christoph: “Die Idee einer Social Media-App kam von einem Freund, der mir geraten hat andere Apps ausbessern, anstatt eine komplett neu zu erfinden.”

Auf die Frage, wie lange er für die Entwicklung der App gebraucht hat, antwortet Christoph: “Für die Entwicklung habe ich ungefähr drei Wochen gebraucht. Die jetzige App ist jedoch erst eine Basisversion. Später kommen noch weitere Funktionen dazu.”

 

Autodidakt

Auch der 20-jährige Gabriel (Anm. d. Red.: Name geändert), der momentan als Polymechaniker tätig ist, hat mit seinen 20 Jahren schon viel erreicht. Wie Christoph entwickelt auch er Apps und führt ein eigenes Unternehmen. Er hat zum Beispiel eine Datingapp kreiert, die er We Date Singles getauft hat. Dies ist eine Seite, die völlig kostenlos und mit wenig Werbung ausgestattet ist. “Ich möchte möglichst eine werbefreie und kostenlose Seite haben, da die Werbung und die ständigen Gebühren bei herkömmlichen Seiten einem den Spass verderben.”, erklärt Gabriel.

 

Schon in seiner Kindheit tüftelte Gabriel an Computern herum. “Seit ich denken kann, haben mich Computern fasziniert. Über die Jahre habe ich mir all das notwendige Wissen selbst beigebracht. Ausser beim Grafischen der Website, da brauchte ich Unterstützung von meiner Cousine – sie ist Grafikerin.”, schmunzelte Gabriel.

 

Startschwierigkeiten

Da Gabriels Seite noch recht jung ist, findet man die Webseite nur in einer englischen Version. Weitere Sprachen sollen folgen. Trotzdem ist er mit der Seite bereits international tätig, zum Beispiel in Brasilien oder in Deutschland. Das Ziel ist, dass die Datingplattform bald in möglichst vielen Ländern nutzbar ist.

 

Auf die Frage, ob die zwei Jungunternehmer von ihrer eigenen Firma leben könnten, erwiedern beide: “Da die Apps gratis angeboten werden, verdienen wir, abgesehen von kleinen Werbeeinnahmen, nicht genug, um davon leben zu können. Es ist eher ein Hobby von uns, doch schon allein das Gefühl innovativ zu sein, ist Grund genug, um weiter zu tüfteln.”