Gesellschaft | 20.06.2014

Vierzehnter Brief aus Deutschland

Deutschland gilt als das Land der dichten Denker. Trotzdem schmettern die weltverbessernden Ratschläge aus dem grossen Kanton Woche für Woche an unseren Alpen ab. Grund genug für die Deutschen, um jetzt bis an die Grenze zu gehen - und darüber hinaus.
Wurde eigentlich immer nur belächelt, hielt aber trotzdem den Schnabel: Die deutsche Friedenstaube von "Eine Zeitung".
Bild: Katharina Good

Guten Tag, liebe Eidgenossen.

 

Seit mehr als drei Monaten nun schreiben wir Ihnen jede Woche einen Brief. Leider kommen wir nicht umhin zu bemerken, dass sich seitdem so gar nichts bei Ihnen geändert hat. Noch immer gilt die Schweiz als das arroganteste und unfreundlichste Land Europas neben Deutschland. Wir stellen uns mittlerweile ernsthaft die Frage, ob Sie unsere vielen guten Ratschläge überhaupt Ernst nehmen?

 

Glauben Sie eigentlich, wir machen das hier alles zum Spaß?

 

Wir sagen Ihnen, Sie sollen für den Mindestlohn stimmen. Und Sie stimmen dagegen! Wir lassen vorsichtig anklingen, dass in Ihrem Land zu viele unterschiedliche Sprachen gesprochen werden und was passiert? Nichts! Noch immer gibt es dieses merkwürdig klingende Schweizerdeutsch.

 

Wir können diese Kolumne auch einfach lassen, offenbar brauchen Sie ja keine Ratschläge aus Deutschland. Oder – ach – Moment – könnte es vielleicht daran liegen, dass die Ratschläge aus Deutschland kommen? Ist es so, dass Sie unsere Briefe nicht ernst nehmen, weil sie aus dem spaßhaft so genannten «Großen – Verzeihung – Grossen Kanton- kommen?

 

Ignorieren Sie uns, weil wir Deutsche sind? Das kann es doch nicht wirklich sein, oder..? Also, das würde uns sehr erschüttern. Immerhin wird dieser Brief ja regemäßig von mehr als 10 Leuten gelesen, und die können sich doch nicht nur – naja – also die werden sich doch nicht nur über uns lustig machen…

oder…?

 

Wäre es etwas Anderes, wenn der Brief aus Belgien käme? Oder aus einem eher seelenverwandten Land wie Norwegen?

 

In diesem Falle freuen wir uns, Ihnen an dieser Stelle mitteilen zu dürfen, dass Sie ab der kommenden Woche regelmäßig Post aus Belgien erhalten.

Oder Luxemburg.

Oder den USA.

Ach, irgendein Land halt, das Sie verdammt nochmal Ernst nehmen!

 

In diesem Sinne,

 

Au revoir,

 

Ihr – ach, vergessen Sie’s einfach!