Kultur | 19.06.2014

“Man kann eine Arbeit subjektiv nicht mögen”

Text von Sabina Galeazzi | Bilder von zVg
Seit 10 Jahren präsentiert die "Liste" Art-Fair Basel zusätzlich zu den einzelnen Galerien junger Künstler ein Performance-Projekt, das performativ-arbeitenden Kunstschaffenden eine Plattform bietet, um sich auf dem Kunstmarkt zu etablieren. Fabian Schöneich ist Assistenzkurator der Kunsthalle Basel und betreut das Projekt bereits zum zweiten Mal.
Fabian Schöneich ist Leiter des diesjährigen Performance-Projekts der "Art Basel".
Bild: zVg

Wie kam das Performance-Projekt der Liste-Art Fair Basel zustande?

Vor  10 Jahren hat die Leitung beschlossen, ein Performance-Programm zu starten, das von jungen Kuratoren betreut wird. Diese erhielten freie Hand bei der Auswahl junger Performance-Künstler. Darauf aufbauend sollte ein Programm entwickelt werden, das in der Messewoche von Montag bis Sonntag stattfindet und durchschnittlich 7 Performance-Arbeiten beinhaltet.

 

An wen richtet sich das Projekt?

Die Idee des Performance-Programms ist einerseits einen Rahmen zu schaffen, der Performance-Kunst und junge Künstler fördert. Ausserdem wollen wir ein Umfeld kreieren, dass zur Diskussion über die Funktion und Bedeutung von Performance-Kunst einlädt.

 

Du leitest das Projekt seit 2 Jahren. Was unterscheidet dein Performance-Programm von dem deiner Vorgänger?

Für mich war damals die Entscheidung wichtig, diese Performance-Arbeiten nicht an der Kunstmesse selbst zu zeigen, wie das bisher der Fall war. Bisher wurden die Künstler eingeladen und haben vor allem im Innenhof des Warteck-Areals, auf der Terrasse oder der Strasse vor dem Warteck-Gebäude ihre Arbeit präsentiert. Das fand ich persönlich nicht so spannend, da  die Performance-Arbeiten wie ein Nebenprogramm der Liste aussahen und nur teilweise von den Messebesuchern wahrgenommen wurden. Es entstand dadurch auch kein Rahmen, der zu einer intensiven Auseinandersetzung mit den Performances einlud. Daher habe ich den grössten Teil der Performance-Arbeiten von der Messe isoliert. Jede Arbeit wird nun an einem bestimmten Ort in Basel gezeigt. Diese Orte werden in Zusammenarbeit mit den Künstlern ausgewählt. Ich frage sie, was ihnen für ihre Arbeit wichtig erscheint und suche dann einen geeigneten Aufführungsraum aus, oder schlage ihnen gezielt einen vor.

 

Es existiert also ein thematischer Schwerpunkt für das diesjährige Performance-Projekt?

Letztes Jahr lag der Fokus des Projekts spezifisch auf Sound. Ich habe damals Künstler eingeladen, die sich in bestimmter Weise mit Musik und Klangkunst beschäftigt haben und Musiker, die in ihren Werken Elemente der bildenden Kunst einfliessen liessen. Dieses Jahr ist es so gedacht, dass Künstler aus verschiedenen Sparten der Performancekunst eingeladen werden, um zum einen die Kategorie “Performance” auszuloten und zum anderen ein breites Spektrum an Arbeiten zu präsentieren. Die Thematik ist also viel offener gefasst. Es gibt Arbeiten, die sich stark mit Musik auseinandersetzen und sich am Format eines Konzerts orientieren.  Es gibt aber auch auf Bühnen zugeschnittene Tanzchoreographien und performative Vortragsarbeiten. Diese Mischung soll verschiedene Sparten abdecken und aufzeigen, welche Genres in die Performance-Kunst einfliessen können.

 

Werden am diesjährigen Performance-Projekt auch neue Arbeiten gezeigt?

Dieses Jahr sind vier Neuproduktionen vertreten, wobei zwei davon spezifisch für die Liste weiterentwickelt wurden. Zu den bereits bestehenden Performances gehört dieses Jahr die Arbeit von Lawrence Abu Hamdan. Seine am Vortrag orientierte “Lecture-Performance” wird am Samstag, dem 21. Juni, auf dem Novartis Campus stattfinden

 

Du hast bereits erwähnt, dass die Förderung junger Künstler auch beim Performance-Projekt eine Rolle spielt. Dies wird auch im Pressetext betont. Was bedeutet in diesem Zusammenhang “jung”?

Die älteste Künstlerin ist ungefähr 35 Jahre alt und der jüngste Kunstschaffende etwa 27. Man spricht von jungen Künstlern meist bis zu einem Alter von 35 bis 40 Jahren. Wobei es da keine eigentliche Faustregel gibt.

 

Nach welchen Gesichtspunkten wählst du die Künstler jeweils aus?

Ich versuche dadurch, dass ich sehr viele Arbeiten ansehe und mich mit unterschiedlichen Künstlern beschäftige abzuschätzen, welche Performances für einen spezifischen Rahmen interessant sein könnten. Einerseits ist meine Auswahl subjektiv, auf der anderen Seite beruht diese Subjektivität gerade darauf, dass ich mir eben viele Formate anschaue und mit der Zeit auch die Möglichkeit habe, eine differenzierte Auswahl zu treffen.

 

Die Art Basel präsentiert dieses Jahr mit «14 rooms« ebenfalls ein Performance-Projekt. Dieses wird mit Geldern aus dem Swisslos-Fonds im Wert von 10-˜000 Franken unterstützt. Der Schwerpunkt liegt auf der Reinszenierung bekannter Performances von Grössen wie Marina Abramović oder Bruce Nauman. Was hältst du davon?

An sich ist es ein sehr spannendes Projekt. Es ist jedoch auch immer wichtig, über das “Warum” und “Wie” der Durchführung zu diskutieren. Das Projekt begann 2011 am Manchester International Festival als “11 rooms”. Das Format soll voraussichtlich bis 2025 fortgeführt werden, wobei jedes Jahr ein weiterer Aufführungsraum, genannt «room«, für die Performances dazukommen wird.  Die Idee zeigt,  dass auch Institutionen wie die Art Basel, in Kollaboration mit dem Theater Basel und der Fondation Beyeler, sich mit Performance auseinandersetzen und versuchen, diese zu präsentieren. Weniger interessant finde ich, dass teilweise sehr grosse Namen auftauchen, die man aus der Kunstgeschichte kennt. Natürlich ist es toll Arbeiten zu sehen, von denen man schon viel gelesen hat. Auf der anderen Seite  finde ich es aber spannender neue Projekte zu fördern, die von einer jüngeren Generation von Künstlern stammen.

 

Was macht deiner Meinung nach eine gute Performance aus?

Wenn sie anregend oder auf irgendeine Art und Wiese inspirierend ist. Sie kann natürlich auch negativ inspirierend sein. Man kann eine Arbeit subjektiv nicht mögen, was aber nicht bedeutet, dass sie nicht anregend ist. Eine gute Performance verbindet Elemente und entwickelt bestimmte Genres weiter; zum Beispiel, was Tanz, Malerei oder die Auseinandersetzung mit Sprache für das Format “Performance” bedeuten. Ich glaube allerdings, dass es für eine ansprechende Performancearbeit kein allgemeingültiges Rezept gibt.

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