Kultur | 30.06.2014

Die Art war da

Text von Martin Sigrist | Bilder von Martin Sigrist
Die Schönen und Reichen trafen sich verganene Woche in Basel zum weltweit grössten Stelldichein des aktuellen Kunstmarktes. Im Mittelpunkt standen dabei schöne Künste, viel Geld und gutes Aussehen.
  • Nach der Favela von Tadashi Kawamata dieses Jahr Zerzura von Panterapantera, Art Basel.

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  • Tim Eitel bei "Galerie Eigen + Art", Art Basel.

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  • Jiro Takamatsu, Shadow, Stephen Friedman Gallery, Art Basel.

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  • Sam Durant, Black Power / Closed By Police Order, Blum & Poe, Art Basel.

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  • Hans-Peter Feldmann, Seascapes, 303 Gallery New York.

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  • Alfredo Jaar, Six Seconds, Galerie Lelong, Art Basel.

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  • Wayne Thiebaud, The Speaker, Aquavella Galleries, Art Basel.

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  • Tadashi Kawamata, Favela Café No. 3, Kamel Mennour, Art Basel.

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  • Darren Bader, The Gardeners in Paradise, Art Parcours.

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  • Laure Prouvost, Wantee, Art Unlimited.

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  • Carsten Nicolai, unidisplay, Art Unlimited.

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  • Doug Wheeler, Untitled, Art Unlimited.

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  • Ann Veronica Janssens, RR Lyrae, Art Unlimited.

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  • Alex Prager, Face in the Crowd, Art Unlimited.

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  • Troika, Dark Matter, Art Unlimited.

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  • Die Macher der 14 Rooms

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  • Santiago Sierra, Veterans of the Wars of Eritrea, Kosovo and Togo Facing the Corner, 14 Rooms.

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  • Otobong Nkanga, Diaspore, 14 Rooms.

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Dieses Jahr sollte die Art Basel nicht weiter wachsen, sondern sich innerhalb des Bestehenden neu orientieren. Der Nachwuchs, die Statements, durfte sich örtlich zu den Eminenzen gesellen, während die Gesprächsveranstaltungen und die Kunstmagazine das erste Mal konstenlos besucht werden konnten. Art Basel Direktor Mark Spiegler betonte damit die ihm wichtige Öffnung der Messe.

Bespielte Zimmer

Die Öffnung zeigte sich symbolisch auch bei den beidseitigen Zugängen der zusammen mit der Fondation Beyeler und dem Theater Basel eröffenten Performance Ausstellung 14 Rooms. Das als ursprünglich 11 Rooms gestartete Projekt wurde durch die Präsenz an verschiedenen Kunstfestivals auf nunmehr 14 Räume erweitert, in welchen Performanceprojekte gezeigt werden, Entdeckungen von Kunst und Begegnungen mit anderen Besuchenden waren garantiert, Wartezeiten leider auch.

Adieu gedruckter Katalog

Eine weitere Neuerung birgt der Abschied vom Messekatalog. Ab diesem Jahr erschien dieser nicht mehr als gedrucktes Buch sondern nur noch digital online als App. Hingegen erzählt das heuer verkaufte Buch Art Basel, Year 44 die Expansion der Art Basel-Messen über drei Kontinente. Neben Miami eröffente letztes Jahr eine Dependance in Hong Kong, um den asiatischen Kunstmarkt zu erobern.

Masse und Klasse

An den gegen 300 Galerien waren neben den obligaten und bekannten Bigshots wie Hirst, Koons, Richter und Warhol auch Neuzugänge zu sehen: Neue Malereien im alten Stil, Schriftzüge anstelle von Bildern oder Plastiken in ungewohnten Formen und Materialien.

Hingegen wurden weniger Zeichnungen präsentiert. In der schieren Masse bleibt es jedoch schwierig, bezüglich den aktuellen Trends einen klaren Kopf und offenen Geist zu behalten. Bei über 4’000 repräsentieren Künstlerinnen und Künstlern war kaum eine klare Linie zu verzeichnen, was gerade Kunst aber sowieso zu verhindern sucht. Es bleibt dabei die Frage wie viel künstlerischer Anspruch an einer Art Basel zulässig ist.

Kunst und Kommerz

Es bleibt ein Spannungsfeld zwischen dem Anspruch auf neue und spannende sowie politische Kunst und dem Kommerz, denn die Art Basel ist und bleibt eine Messe und ist gerade kein Museum. Der Fokus auf Geld ist hier durchaus Konzept. Das wird spätestens beim Eintrittspreis von 45 Franken oder der langen Schlange für die VIP-Limousinen klar. Die Mehrheit der 92’000 Besuchenden zumindest an den ersten Tagen wo die Öffentlichkeit noch draussen bleiben muss, hat hier Grosseinkäufe im Sinn. Unter den Betuchten und den Galeristen war viel Noblesse, schmal geschnittene Anzüge, raffinierte Frisuren und dazwischen die aktuellste Entwicklung im Bereich Facelifting zu sehen.

Einmal dabei sein

Weiterhin gehen wohl hauptsächlich das Fachpublikum und die (Möchtegern-)Kunstelite an die Messe. Trotzdem kamen auch anderweitig Kunstinteressierte. Sie taten dies wohl weniger, um selber das Kunstportfolio zu ergänzen, sondern um einen Blick, wenn weniger auf das aktuelle Kunstschaffen, doch auf den aktuellen Kunstmark zu erhaschen und nebenher etwas die Luft der ganz besonders gut Situierten einzuatmen.

Zaghafte Öffnung

Daneben vermochte die Art Basel als Katalysator zahlreiche Veranstaltungen ausserhalb der eigentlichen Messe zu generieren. Diese ermöglichten viel eher einen Öffnung der aussergewöhnlichen Woche gegen aussen für weniger Interessierte und weniger Involvierte, die gerade nicht Teil des kommerziellen und teuren Kunstkuchens sind. Denn die von der Messe selbst gesuchte Öffnung durch vermehrte kostenlose Angebote konnte die gläserne Wand zwischen der von der Kunst entfernten Kunstwelt und den wahren Freunden der zeitgenössischen Kunst ohne das ganze Bling Bling kaum zu durchbrechen.

Keine Kritik

Eine kritische Aktion im Andenken an die Räumung des Favela-Cafés im letzten Jahr auf dem Messeplatz wurde von der Polizei frühzeitig unterbunden. Eine kritische Ausseinandersetzung der Öffentlichkeit mit der Messe war in dieser Form an diesem Ort nicht möglich. In wiefern dieser Entscheid durch die Basler Behörden oder auch durch die Art Basel erzwungen wurde, bleibt dabei unklar. Hingegen scheint bestätigt, dass die Kunstmesse einen ganz besonderen Stellenwert bei den Ämtern geniesst.