Kultur | 17.06.2014

“Chrüsimüsi” und Konzeptkunst

Text von Katharina Good | Bilder von Katharina Good
Bevor am Donnerstag die "Art Basel" eröffnet wird, feierten einige Begleitmessen bereits gestern Vernissage. So auch die "Liste", die in der ehemaligen Bierbrauerei "Warteck" hauptsächlich junge Kunst präsentiert. Was bleibt nach dem Besuch von 78 Galerien besonders in Erinnerung? Welche Schwerpunkte würden die Besuchenden setzen, wenn sie selbst ausstellen würden?
Der holländische Designer sieht viele Ähnlichkeiten zwischen Kunst und angewandter Gestaltung. Andrew Ross arbeitet dank eines Atelierstipendiums ein halbes Jahr lang in Riehen bei Basel. Die Künstlerin Angelika Schori (rechts) würde deutlichere Schwerpunkte setzen. Christian Hörack und Laurent Gelman besuchen die Messen am liebsten beim Preview. Maria Fidel Requeros ist eine der vielen Kuratorinnen an der "Liste".
Bild: Katharina Good

Thijs Ewalts, Designer aus Rotterdam

Ich war zum ersten Mal an der Liste, leider habe ich noch nicht alles gesehen. Ich besuche oft Designermessen – der Unterschied ist erstaunlicherweise klein! Die Räume hier sind allerdings ungewöhnlich, sie gefallen mir sehr. Auch die Kunst aus Südamerika wird mir positiv in Erinnerung bleiben. Wenn ich Galerist wäre, würde ich mehr politisch und sozial engagierte Kunst zeigen.

 

Andrew Ross, Künstler aus New York

Die Art Basel kannte ich bisher nur von der Ausgabe in Miami. Es war ein grosses Spektakel, bei dem es nicht nur um die Kunst ging. Ich mag es an internationalen Ausstellungen zu sehen, was Kunst in verschiedenen Ländern bedeutet. Das Gebäude hier ist etwas heruntergekommen, was interessante Werkanordnungen ermöglicht. Mir ist insbesondere eine brasilianische Galerie in Erinnerung geblieben, die den Boden mit einer Textilarbeit versperrt. Insgesamt fand ich es aber schwierig, Bezüge zwischen den Werken herzustellen.

 

Angelika Schori, Künstlerin aus Biel und Basel

Die Kunstmessen in Basel besuche ich etwa zum vierten Mal, dieses Jahr hat mich die Liste weniger angesprochen. Vieles wirkt zusammengewürfelt, wie ein “Chrüsimüsi”. Ich würde eher zwei Künstler auswählen, die sich ergänzen – aber ich verstehe, dass die Galeristen Unterschiedliches präsentieren möchten.

 

Christian Hörack und Laurent Gelman, Kuratoren aus Basel und Neuchâtel

Wie jedes Jahr haben wir einige Kunstmessen bei der Eröffnung besucht – in der Hoffnung, dass es weniger Leute gäbe. Es ist immer etwa dasselbe: Das Format der Messe und die Präsentation prägen die Wahrnehmung. An der Liste gibt es viel Konzeptkunst, bei der man sich mehr Zeit nehmen müsste. Andere Messen setzen eher auf dekorative Kunst – die manchmal von schlechtem Geschmack zeugt, aber dafür nicht überheblich wirkt. Wir möchten da keinen Stand haben, auch wenn es als eine grosse Chance gilt. Es sind zu viele Galerien auf engem Raum.

 

Maria Fidel Requeros, Kuratorin aus Südafrika

An der Liste vertrete ich ein niederländisches Institut, das Galeristen eine Plattform für ihre Projekte bietet. Einige der ausgestellten Arbeiten setzen sich mit politischen Themen wie Homosexualität und Rassismus auseinander. So auch die imaginäre Zeitung Je Chimurenga Chronic, von der man eine Ausgabe mitnehmen kann. Bisher hatte ich kaum Zeit, die Kunst der anderen Galerien zu betrachten – geschweige denn andere Messen zu besuchen.