Gesellschaft | 23.05.2014

Wissenschaftliche Misswahlen

Die meisten Wissenschaftler beherrschen ihr Fach hervorragend. Nur: Können sie entsprechende Inhalte prägnant und für ein Laienpublikum verständlich präsentieren? Der jährliche internationale Wettbewerb "FameLab" bietet Studierenden die Möglichkeit, sich an diesem Vorhaben zu probieren.
Die neun Nachwuchswissenschaftler: Mittendrin Siegerin Jennifer Fowlie (4. v.r.) und Publikumsliebling Simone Bottan (1.v.l.).
Bild: zVg / Kurt Müller Klusman

Das Verständnis für wissenschaftliche Zusammenhänge ist die eine Sache. Eine Herausforderung ist es, diese Inhalte einem grösstenteils aus Nicht-Wissenschaftlern bestehenden Publikum zu erklären.

 

Dieser Herausforderung stellten sich Anfang Mai neun Studierende aus der ganzen Schweiz vor grossem Publikum in der Zürcher Bar “Moods”. Die Studierenden versuchten mit ihren 3-minütigen Auftritten, wissenschaftliche Zusammenhänge gekonnt und ganz ohne technische Hilfsmittel aufzuzeigen, um so Jury und Publikum von sich zu überzeugen.

 

FameLab richtet sich an Studierende aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen, so beispielsweise Naturwissenschaften, Mathematik, Medizin oder Psychologie. Seit 2005 spürt FameLab weltweit junge Wissenschaftler zwischen 18 und 35 Jahren auf, die Kommunikationstalent aufweisen und so Menschen mit ihrer Darbietung zu überzeugen wissen. Die Schweiz nimmt seit 2012 am Wettbewerb teil. Ermöglicht wurde dies damals von der Universität Zürich und CERN, in Zusammenarbeit mit dem British Council Switzerland.

 

Miss Universe-Wahl der Wissenschaft

Moderator Deni Subasic sieht bei FameLab Parallelen zur “Miss Universe”-Wahl, denn schliesslich vertrete der Sieger des Abends die Schweiz am internationalen Finale, dem Cheltenham Science Festival in Grossbritannien. Dort messen sich die Sieger aus Europa, Asien, Afrika und den USA. Daher erstaunt es nicht, dass bereits das Schweizer Finale in englischer Sprache durchgeführt wird. Zudem steht bei FameLab – wie bei einer Misswahl – die Auftrittskompetenz im Vordergrund, gekoppelt mit schöner Wissenschaftssprache.

 

So durchliefen die neun Finalisten als Vorbereitung für das Schweizer Finale eine “Master-Class”: Ein Workshop, an dem an der Auftrittskompetenz gefeilt wird und die Teilnehmenden mithilfe von einem englischen Kommunikationsexperten gezielt üben, nebst Fachkompetenz insbesondere durch ein souveränes Auftreten zu überzeugen.

 

And the winner is…

Am besten umgesetzt hat dies aus Sicht der Jury Jennifer Fowlie. Die gebürtige Schottin doktoriert an der Universität Genf und erklärte an einem Insektenbeispiel, wie Mathematik leben retten könne. Aber auch das Publikum durfte einen Sieger küren: Simone Bottan aus Italien sorgte mit seiner Darbietung für die meisten Lacher des Abends. Er lieferte wissenschaftliche Beweise, weshalb Menschen, die grösser sind als 1.50 Meter, besser sitzend pinkeln sollten. Zugleich beweise dies auch, dass Mama immer Recht habe – vor allem seine.

 

Man darf nun gespannt sein, ob Siegerin Jennifer auch am internationalen Finale Mitte Juni in Cheltenham zu überzeugen vermag und gar als internationale FameLab-Siegerin auserkoren wird.