Sport | 08.05.2014

“Unter Sportlern gibt es gute Partys”

Text von Tatjana Pürro | Bilder von zVg
In Sotschi gab Dario Cologna alles. Zweimal Gold brachte er aus Russland nach Hause und das, obwohl der sympathische Bündner am Anfang der Saison eine schwere Fussverletzung erlitt. Woher nahm Cologna die Energie und Motivation, um trotzdem voll durchzustarten?
"Die Begegnung mit den Medien ist für mich mehr Arbeit als das Laufen an sich."
Bild: zVg

Tink.ch: Du hast einmal erwähnt, dass Hall of Fame von The Script in Sotschi das Lied war, das dich motiviert hat. Ist es nicht langweilig, ständig das gleiche Lied anzuhören?

Dario Cologna: Ich habe in der Olympia-Zeit nicht ausschliesslich dieses Lied gehört. Es war eines der Lieder, die ich vor dem Rennen oder abends im Bett anhörte, um mich vorzubereiten. Der Text erzählt davon, dass man Grosses erreichen möchte und das will man als Sportler an den Olympischen Spielen natürlich auch. Dieser Song vermittelt die richtige Einstellung, die ein erfolgreicher Sportler haben muss.

 

Glaubst du, dass die Musik etwas zu deinem Erfolg beigetragen hat?

Nicht direkt. Natürlich vermag Musik zu motivieren. Aber fürs Training nahm ich nie meinen iPod mit, während andere ständig die Kopfhörer in den Ohren hatten. Ich geniesse die Stille der Natur. Sie gibt mir Energie, mehr als ich von der Musik bekäme. Von daher war Musik sicher keiner der wichtigen Eckpfeiler zum Olympiasieg.

 

Was sind dann für dich die Eckpfeiler deines Erfolgs?

An erster Stelle sind meine Eltern zu erwähnen. Sie haben mich von klein auf unterstützt und mir alles ermöglicht. Ohne meine Familie wäre ich nie so weit gekommen.

Weiter gehört hartes Training dazu, wenn man im Sport vorne mitmischen will. Und nicht zu vergessen eine Portion Talent, die ich glücklicherweise mit auf den Weg bekommen habe.

Viele Faktoren spielen eine Rolle. Ich bin froh, dass bei mir alle gut zusammengespielt haben. Das ist nicht selbstverständlich.

 

Hast du neben all dem harten Training noch Zeit für dich selbst?

Im Sommer, wenn ich hauptsächlich zuhause in Davos trainiere, habe ich genügend Zeit für mich. Ich kann mal ins Kino gehen, oder sonst etwas tun, was ich gerne mag.

Der Winter hingegen ist intensiv und trotzdem brauche ich auch dann Zeit, um mich auszuruhen. Meine freie Zeit während der Saison nutze ich meistens, um nichts zu tun. Ein gemütlicher Abend ist wichtig für die Erholung und ich gönne mir auch gern einmal ein gutes Abendessen oder Zeit mir meinen Freunden.

 

Kannst du als Spitzensportler mit Freunden feiern gehen und einmal so richtig auf den Putz hauen?

Aber sicher doch! Unter Sportlern gibt es gute Partys. Zwar nur selten, aber dafür haben wir dann immer richtig etwas zu feiern. Vielleicht einen Sieg bei einem besonderen Rennen oder am Ende einer gelungenen Saison. Wir feiern natürlich nicht zwischen den Rennen, das wäre schlecht für unsere Leistungen. Ich geniesse gute Feste, brauche aber so etwas nicht jedes Wochenende. Der Sport gibt mir viel mehr, als irgendwelche Partys mir geben könnten.

 

Von Berufsmusikern hört man manchmal, dass die Musik für sie nur noch Arbeit ist und sie ausserhalb der Arbeits- und Probezeiten weder Musik hören wollen, noch Lust haben, Musik zu machen. Wie ist das bei dir und dem Sport? Nur noch Arbeit oder doch auch Hobby?

Das Langlaufen ist meine grosse Leidenschaft und es ist ein Privileg, dass ich es auf diesem Niveau ausüben darf. Ich liebe den Sport und bin nach wie vor mit Freude dabei. Dadurch bekomme ich auch die nötige Energie, um schnell zu laufen. Natürlich ist es auch Arbeit. Dies merke ich besonders an Tagen wie heute. Die Begegnung mit den Medien ist für mich mehr Arbeit als das Laufen an sich.