Gesellschaft | 14.05.2014

Schattenseiten der Palmeninseln in Dubai

Pompös, luxuriös, protzig - das sind die landläufigen Attribute für Dubai. Das beste Beispiel für die Extravaganz der Wüstenstadt sind die künstlich erbauten Palmeninseln. Sie werden in den westlichen Medien oft als "achtes Weltwunder" bezeichnet. Doch kann Dubai trotz den ökologischen Sünden diesen Titel mit gutem Gewissen tragen?
Die kleinste von drei Inseln "Palm Jumeirah" an der Küste Dubais.
Bild: zVg flickr.com/w4nd3rl0st

Die Palmeninseln in Dubai sind die grössten von Menschen erbauten Inseln der Welt. Sie grenzen unmittelbar an die Küste Dubais. Zum Projekt gehören die zwei Inselgruppen The Palm, Jebel Ali und die kleinere The Palm, Jumeirah. Eine dritte Insel ist bereits am Entstehen.

 

Die Inseln werden jeweils palmenförmig konstruiert und von einem halbmondförmigen Wellenbrecher umgeben. Allein die kleinste Palmeninsel Jumeirah umfasst sechs Quadratkilometer. Für deren Bau wurden 40-˜000 Arbeiter eingesetzt – zum grössten Teil angereiste Gastarbeiter aus Afrika und Asien. Die Besitzerin und Auftraggeberin der Palmeninseln ist Nakheel, eine staatseigene Bau- und Immobiliengesellschaft.

 

Die Entstehung der Inseln

Der Bau von Jumeirah startete im Juni 2001 und wurde, wegen fehlerhaften Berechnungen und heftigen Stürmen, die die Bauarbeiten für drei Wochen lahm legten, mit zwei Jahren Verspätung im Jahr 2008 beendet. Der Sand musste grösstenteils dem Meeresboden entnommen werden, wodurch sich die Sandbeschaffung erschwerte.

 

Der Wellenbrecher besteht nicht aus Sand, sondern aus grösseren Steinen. Er muss bis zu vier Meter hohe Wellen brechen können, um den Inselbewohner eine maximale Sicherheit bieten zu können. Für die gesamte Aufschüttung der beiden Inselgruppen wurden rund 200 Millionen Kubikmeter Steine und Sand benötigt. Zum Vergleich: Damit könnte man eine 6,5 Meter hohe und 1,5 Meter dicke Wand dreimal um den Äquator bauen. Heute sind die Palmeninseln eines der markantesten Wahrzeichen Dubais.

 

Störung der Meeresströmungen

Der Entschluss, noch eine dritte Inselgruppe zu bauen, basierte darauf, dass sich die Grundstücke auf den anderen beiden Palmeninseln schon während dem Bauprozess sehr gut verkaufen liessen. Die voreiligen Käufer dachten nicht an potentielle Schattenseiten der Inseln.

 

Hauptsächlich haben sich die hiesigen Unternehmer mit dem frühzeitigen Kauf von etlichen Luxushotels ins eigene Fleisch geschnitten. Denn aufgrund der Wellenbrecher wurden die natürlichen Meeresströmungen rund um die Inseln beeinträchtigt. In der Folge kam es zu einer mangelnden Wasserzirkulation in Küstennähe. Dies führte zu starker Algenbildung: In den Hotels fing es an, unangenehm zu riechen. Laut der deutschen Fachzeitschrift Geo Saison ist “der submarine Lebensraum in den warmen, flachen Wassern des Golfs durch die Bauarbeiten nachhaltig geschädigt”.

 

Durch diese Probleme blieben nach wenigen Wochen die Touristen aus – ein Schock für die Besitzer. Die Verantwortlichen reagierten mit Drainage, einer Technik, um das Wasser wieder zum Zirkulieren zu bringen. Weiter wurden Unterbrüche in die Wellenbrecher gebaut, um die Zirkulation des Wassers zwischen den Palmwedeln zu fördern. Unterwasser wurden Spezialnährstoffe eingesetzt, die das Wachstum beschleunigen und die Unterwasserwelt für Taucher attraktiv machen sollen.

 

Ungewisser Blick in die Zukunft

Umweltschützer sowie Investoren kritisieren vor allem die eingesetzten künstlichen Stoffe, die die Biodiversität des Meeres beeinträchtigen. Trotz Notlösungen nehmen die Palmeninseln immer noch Lebensraum von diversen Meerestieren und -pflanzen weg.

 

Natürlich sind die positiven Seiten nicht zu vergessen, wie die Exklusivität der Inseln und die traumhaften Strände. Von Dubai wegzudenken sind sie nicht mehr, denn über die Jahre sind sie zu dessen Markenzeichen geworden.

 

Die Regierung streitet nach wie vor ab, dass die Palmeninseln der Umwelt schädigen würden. Es ist daher eher unwahrscheinlich, dass der Bau der dritten Insel abgebrochen wird, wie es Umweltschutzorganisation auf der ganzen Welt fordern.