Kultur | 27.05.2014

Malen mit Ganzkörpereinsatz

Text von Sabina Galeazzi | Bilder von Katharina Good
Die bildende Künstlerin Patricia Murawski verfolgt in ihrer Arbeit einen ausserordentlich körperbetonten und dynamischen Ansatz. Mal taucht sie ihre Haare in Farbe, mal trägt sie die Farbe mit der Handfläche oder den nackten Füssen auf den Bildträger. Tink.ch hat die in Basel ansässige Malerin in ihrem Atelier im Gundeli-Quartier besucht.
Patricia Murawskis farblich reduzierte Bilder tragen die Spuren ihrer Machart. Pinselstriche und Abdrücke feinster Haarstrukturen weisen auf ihre unterschiedlichen Arbeitswerkzeuge hin. Seit 2010 erschafft die Künstlerin abstrakte Bilder mittels Headbangen. Die Idee dazu kam ihr während des Studiums in Augsburg, einer Stadt mit einer lebendigen Metal-Szene.
Bild: Katharina Good

Ein kreatives Chaos herrscht im verwinkelten Gemeinschaftsatelier an der Sempacherstrasse, das sich Patricia Murawski noch bis zum Juli dieses Jahres mit circa 20 weiteren Masterabsolventen der Basler Hochschule für Gestaltung teilt. Der Arbeitsort der gebürtigen Duisburgerin liegt sinnigerweise hinter einer Tür mit der Aufschrift “Panic Room”.

 

Der Körper als Malinstrument

Boden, Wände und selbst die Decke des fensterlosen Raums sind mit Farbspritzern übersäht, was keineswegs verwunderlich ist: Die junge Künstlerin ist stilistisch dem Action Painting verpflichtet, einer Form des abstrakten Expressionismus, bei der die Farbe mit Pinsel, Holzstab oder direkt aus der Dose auf die Leinwand geschüttet und gespritzt wird. In ihrem Fall taucht die Künstlerin, die nach eigener Aussage ein Faible für “Farbsauereien” hat, allerdings nicht nur ihre Pinsel, sondern sich selbst in flüssige Gouache oder Fingerfarbe. Sie nutzt ihren Körper oder wenigstens Teile desselben unmittelbar als Instrument, um daraus Farbwelten in aufeinander abgestimmten, reduzierten Tönen zu erschaffen.

 

Fliegende Haarmähnen

Zu Patricia Murawsksis wohl aufsehenerregendsten Werken gehören die sogenannten “Bang Paintings”, welche mittels Headbangen entstanden sind. Die Inspiration, Farbe mittels Haarschwüngen auf die am Boden ausgerollte oder frei in der Luft hängende Leinwand zu klatschen, erhielt die Künstlerin in Augsburg während eines Praktikums in einer Grafikagentur. Für ihre damalige Diplomarbeit lud Patricia Murawski diverse Mitglieder der lebendigen Augsburger Metal-Szene dazu ein, vor der Kamera ihre langen Haarmähnen fliegen zu lassen.

 

Kopf- Fuss- und Handarbeit

Diese Tanzform verband die Künstlerin schliesslich mit dem dynamischen Farbauftrag beim Action Painting. In ihren öffentlichen Headbang-Performances ist die Malerin meist ganz in weiss gekleidet und schwingt zu harten Gitarrenriffs aus dem Lautsprecher ihre lange Haarpracht. Am Ende der Darbietung sind Bildträger, Boden und die Künstlerin selbst mit Farbe übersäht.

 

Während die “Bang Paintings” durch Kopfarbeit entstanden sind, arbeitet die Malerin bei ihren “Tanzbildern” in erster Linie mit den Füssen. Die Acrylfarbe wird zuerst aufgetragen und dann mit tänzerischen Bewegungen mittels den Füssen auf dem Malgrund verstrichen. In ihren “Wolkensimulatoren” greift die Künstlerin schliesslich auch zum Pinsel oder nutzt ihre Handfläche, um die Leinwand mit aquarellartigen Wolkenformationen zu füllen, unter denen jeweils noch der weisse Bildgrund durchscheint.

 

Die Faszination der Farbe

Eine sinnliche, unmittelbare Herangehensweise an die Malerei ist der Künstlerin wichtig. “Ich kann diesbezüglich nicht anders. Ich brauche den direkten Bezug. Ich muss die Farbe immer anfassen”, erklärt Patricia Murawski. Die Farbe, ihre Verwendung sowie die besondere Beschaffenheit und Textur faszinieren die junge Frau. Sie liebt es, intuitiv an die Arbeit heranzugehen. Sie malt ohne einen festen Plan und reagiert spontan auf ihr Umfeld. “Ich sehe meine Kunstwerke als Babys an. Ich weiss nie, was mich am Schluss bei ihnen genau erwartet.”, so die Künstlerin. Oft malt sie an mehreren Bildern gleichzeitig, die schon mal eine Länge von 5.20 m aufweisen können.

 

Eine Inspiration bildet für Patricia Murawski die US-amerikanische Künstlerin Helen Frankenthaler, eine Zeitgenossin des bekannten abstrakten Expressionisten Jackson Pollock. In ihren “stain paintings” verwendete die Malerin grosszügig mit Terpentin verdünnte Ölfarbe, die von der Leinwand jeweils stark absorbiert wurde und ihren vibrierenden Farblandschaften die Qualität von zarten Aquarellgemälden verleiht.

 


 

Anmerkung der Redaktion:

Patricia Murawskis letzte Ausstellung fand im Rahmen des Gemeinschaftsprojektes “High Five” mit den Künstlerinnen Jeannice Keller, Angelika Schori und Claire Zumstein im Kunstverein Duisburg statt und ging am 6. April zu Ende. An der diesjährigen Art Basel im Juni wird die Malerin zusammen mit anderen Künstlern vom 14. bis zum 22. Juni an der Ausstellung “Burst Sculpture” im Kunstraum Zip teilnehmen. Voraussichtlich am 17. und am 20. Juni wird Patricia Murawski in besagtem Ausstellungsraum eine “Bang Painting” – Performance präsentieren und vor versammeltem Publikum ihre spezifisch kopflastige Form des Action Paintings zum Besten geben .