Kultur | 01.05.2014

Kurz und bündig

Text von David Bucheli | Bilder von zVg
Kurzfilme können kleine Episoden, einzelne Pointen oder eine ganze Lebensgeschichte erzählen. Die Schweizer Beiträge an der Kurzfilmnacht 2014 decken das komplette Spektrum ab und glänzen mit Originalität.
"The Kiosk" kommt nicht nur in der Schweiz gut an.
Bild: zVg

Während Spielfilme aus der Schweiz reihenweise an den Kinokassen floppen, erfreuen sich einheimische Kurzfilme wachsender Beliebtheit. Das Medium bietet jungen und unabhängigen Filmemachern Raum für Experimente ohne den kommerziellen Druck der herkömmlichen Kino-Nahrungskette.

 

Die Kurzfilmnacht-Tour von Swiss Films, der Promotionsagentur des Schweizer Films, bringt jedes Jahr ausgewählte Titel von den Festival-Leinwänden in regionale Kinosäle. Das vierstündige Programm, oder Teile davon, laufen in insgesamt 23 Schweizer Städten und bieten nebst ausgewählten Highlights aus aller Welt auch einen Querschnitt durch das helvetische Kurzfilmschaffen.

 

Wiedersehen macht Freude

Kernstück jeder Kurzfilmnacht ist die Sektion Swiss Shorts. Sie präsentiert preisgekrönte Werke aus der Schweiz, die nicht selten auch International für Furore sorgten. Fleissige Festivalbesucher werden darunter naturgemäss einige alte Bekannte antreffen: Alfonso vom Zürcher Filmhochschulabgänger Jan-Eric Mack war unter anderem bereits in Locarno, Solothurn und München zu sehen. Sprungbrett auf die nationale und internationale Festivalbühne bot dem 19-minütigen Streifen die letztjährige Kurzfilmnacht, zu deren Tour-Auftakt der Film in Zürich Premiere feierte. Die Tragikomödie um einen kauzigen Show-Hypnotiseur bietet präzise inszeniertes und brillant gespieltes Erzählkino auf engstem (Zeit-)Raum.

 

Auch The Kiosk von Anete Melce dürfte vielen Kurzfilmfreunden bereits ein Begriff sein. Das Werk lief vergangen Herbst als Vorfilm zu Halb so wild, wurde mit dem Schweizer Filmpreis Quartz für den besten animierten Kurzfilm geehrt und war sogar in New York am renommierten Tribeca-Filmfestival zu sehen. Erzählt wird die turbulente Geschichte einer korpulenten Kiosk-Dame, die aufgrund ihres Körperumfangs in ihrem eigenen Laden gefangen ist und dennoch die Welt entdecken möchte.

 

Langer Titel, kurzer Film

Noch mehr Aufsehen erregte die schon 2012 erschienene autofiktionale Film-Biografie mit dem ausufernden Titel Man kann nicht alles auf einmal tun, aber man kann alles auf einmal lassen. Mithilfe von Archivmaterial und ohne Rücksicht auf Faktentreue dichtet die Regisseurin Marie-Elsa Sgualdo eine rührend-komische Liebes- und Lebensgeschichte zusammen – und das in gerade mal fünfzehn Minuten. Seit anderthalb Jahren tingelt der Film von Festival zu Festival, darunter Spitzenveranstaltungen wie Cannes und Locarno.

 

Verdichtetes Kino

Kuriose Plots, eigenwillig umgesetzt und bevölkert von schrulligen Figuren, zeugen von der Vielfalt des Schweizer Kurzfilms. So wird in Rat de mareé ein bünzliger Museumswächter von einer mannsgrossen Ratte belästigt und in Vigia das Bienensterben mittels frecher Zeichentrickanimation beleuchtet.

 

Daneben bereichern auch Kürzest-Beiträge die Kurzfilmnacht: In Western wird die klassische Duellsituation der Western-Klimax überraschend aufgelöst, Zeitgeist gibt einen ebenso prägnanten wie zynischen Kommentar auf die Handy-Gesellschaft ab. Keiner der beiden Filme dauert länger als zwei Minuten, dafür sind sie umso pointierter und sorgen für noch mehr Abwechslung im ohnehin unberechenbaren Programm.

 

Nachhaltige Eindrücke

Wer Sitzleder zeigt und die komplette Kurzfilmnacht durchhält, erinnert sich beim Verlassen des Kinos kaum an jeden einzelnen Film. So gross ist das Angebot an Impressionen, so vielseitig die Auswahl. Umso erfreulicher die Tatsache, dass trotz zahlreichen starken Beiträgen aus dem Ausland auch viele Schweizer Filme bleibenden Eindruck hinterlassen. Sie stammen zumeist von einer jungen Generation aufstrebender Filmemacher, den Hoffnungsträgern des einheimischen Kinos. Es ist eine Generation voller origineller und eigenständiger Stimmen – Stimmen, die etwas zu sagen haben.