Kultur | 05.05.2014

“Ich war eine der Ersten, die durch Youtube bekannt wurde”

Text von Sandro Bucher | Bilder von zVg / Universal Music
Ihr Gesicht ziert in den nächsten Monaten Plakate in der ganzen Schweiz: Nina Nesbitt ist die Headlinerin des diesjährigen "Blue Balls Festivals" in Luzern. Im Interview mit Tink.ch erzählt sie von ihrer Liebe für die Schweiz, und warum ihr Debüt-Album nach einer chemischen Stoffgruppe mit zweifach negativ geladenen Sauerstoff-Ionen benannt ist.
Nina Nesbitt ist der diesjährige Hauptact am Blue Balls Festival in Luzern (18. - 26. Juli).
Bild: zVg / Universal Music

Tink.ch: Vor vier Jahren hast du die ersten Youtube-Videos produziert, in denen du bekannte Pop-Songs mit der Akustikgitarre gecovert hast. Wenig später folgten bereits die ersten Auftritte in deiner Heimatstadt Edinburgh. Wann war der Moment, in dem du gedacht hast: “Wow, das könnte etwas Grosses werden?”

Nina Nesbitt: Es gab nicht wirklich einen Moment. Viel eher fand der Aufbau etappenweise, Stufe für Stufe statt. Insgesamt dauerte es etwa zwei Jahre, bis die Leute Interesse an mir gefunden haben. Aber als es dann soweit war, war es sehr aufregend. Ich war eine der ersten Künstlerinnen, die durch Youtube bekannt wurde. Damals realisierte noch niemand, welche Möglichkeiten Youtube bieten kann.

 

Schreibst du lieber Songs oder stehst du lieber auf der Bühne?

Das ist schwer zu sagen. Ich liebe beides. Songs schreiben kommt bei mir natürlicher als das Singen. Ich könnte jeden Tag schreiben. Aber ich könnte auch jeden Tag auf Tour sein und auf der Bühne stehen. Allerdings bin ich eine introvertierte Person, weshalb ich anfangs vor allem an meinen Performances und Bühnenauftritten arbeiten musste.

 

Vor kurzem erschien dein Debüt-Album “Peroxide”. Ein Peroxid ist laut Wikipedia ein Stoff, der ein Oxidion, also ein zweifach negativ geladenes Sauerstoff-Ion, enthält. Was hat es mit dem Titel auf sich?

Peroxide sind eine Metapher für die Beziehung zu meinem Ex-Freund, die ich im Album verarbeitet habe. Für mich war es eine ambivalente und verwirrende Beziehung, doch die Gefühle waren sehr stark. Peroxide können, je nach Zustand, Dinge in Brand setzen und bei Menschen schwere Verbrennungen hinterlassen. Allerdings können Peroxide auch dunkle Stoffe hell färben. Für mich ist peroxide ein starkes Wort, das die ambivalenten Aspekte der Liebe zusammenfasst.

 

Bei deinem Debüt-Album hattest du Unterstützung von Jake Gosling, einem Produzenten, der auch schon mit Grössen wie Lady Gaga, Daft Punk und One Direction zusammenarbeitete. Wie hast du die Arbeit mit ihm erlebt?

Es war fantastisch. Er hat es geschafft, die Musik in meinem Kopf zum Leben zu erwecken. Inzwischen ist er auch privat einer meiner besten Freunde geworden, also war die Zusammenarbeit gleich doppelt grossartig.

 

Hat Jake Gosling deinen Stil beeinflusst, oder hast du schon immer gewusst, wie dein Debüt-Album klingen soll?

Anfangs wusste ich nicht wirklich, wie es klingen sollte. Viel eher wurde mein Debüt-Album zu einem musikalischen Tagebuch. Im Mittelpunkt stehen vor allem die Geschichten und Texte, nicht unbedingt die Musik, die die Geschichten lediglich begleitet. Beim nächsten Album will ich mich unbedingt wieder mehr auf die Musik konzentrieren.

 

Für jemanden, der noch nie von Nina Nesbitt oder Peroxide gehört hat: Was kann man von dir und deiner Musik erwarten?

Eine Singer-Songwriterin mit Biss und ehrlichen Lyrics in meinen Songs.

 

Vor einigen Tagen hast du deinen ersten Gig in der Schweiz gespielt: Eine Akustik-Session in Luzern. War es dein erstes Mal in der Schweiz?

Ja, es war mein erstes Mal in der Schweiz. Ich habe es absolut geliebt, Luzern ist eine der schönsten Orte, an denen ich je war. Die Stadt ist  sauber, und der Vierwaldstättersee ist traumhaft. Ich freue mich bereits darauf, zurück zu kommen.

 

Du wirst im Sommer am Blue Falls Festival in Luzern als Hauptact auftreten. Bist du bereits nervös?

Ich bin jetzt schon aufgeregt. Ich finde es fantastisch, dass das Blue Balls Festival junge Nachwuchstalente fördert und unterstützt. Gleichzeitig bietet man den Besucherinnen und Besuchern aber auch bekannte und namhafte Künstler. Die Veranstaltenden verstehen, dass die aufkommenden Künstler mehr Promotion brauchen als die gestandenen Künstler.

 

Du bist 19 Jahre jung und wirst bereits als neuste Pop-Sensation des Vereinigten Königreichs gehandelt. Hättest du jemals gedacht, dass deine Karriere so steil aufwärts gehen würde?

Nein, ganz und gar nicht. Aber ich bin trotzdem immer noch ambitioniert. Ich bin noch nicht einmal in der Nähe der Ziele, die ich erreichen möchte. Ich bin zwar zufrieden mit meinem bisherigen Weg, denn ich habe auch viel harte Arbeit  in meine Karriere hineingesteckt.

 

Hast du bereits Pläne für die nächsten 10 Jahre?

Nein, keine Ahnung! Ich will auf jeden Fall weiterhin Musik machen und live auftreten. Aber soweit ich weiss, könnte ich in fünf Jahren auch ein Heavy-Metal-Album machen! (lacht)