Kultur | 09.05.2014

“Fröhliches kommt zum Vorschein”

Text von Naomi Dankyi | Bilder von zVg / Zoe Noble
Der afrikanisch-futuristisch klingende Electro-Pop von Oy begeistert Publikum und Veranstalter weltweit gleichermassen. Joy und Lleluja-Ha standen Tink.ch vor ihrem Konzert im "Treppenhaus Rorschach" Rede und Antwort und sprachen über den No Problem Saloon, Bühnenkostüme und Haare.
Fallen nicht nur durch ihren eigenen Musikstil auf: Lleluja-Ha (l.) und Joy von Oy.
Bild: zVg / Zoe Noble

Tink.ch: Früher habt ihr beide in anderen Formationen musiziert. Wie ist die Konstellation Oy entstanden?

Joy: Oy hat es schon vorher gegeben, da war ich allerdings noch als Solokünstlerin unterwegs. Unsere anderen Musikprojekte liefen parallel zu Oy. Nach meinem ersten Solo-Album, das eher verspielt klang, hatte ich das Bedürfnis, meine Musik noch grösser zu erschaffen. So holte ich Lleluja-Ha ins Boot, um zusammen mit ihm Oy weiter zu gestalten.

 

Funktioniert die Zusammenarbeit zwischen euch?

Joy: Ja, denn der Vorteil in unserer Zusammenarbeit besteht darin, dass Lleluja-Ha nicht nur Schlagzeuger, sondern auch Produzent und Arrangeur ist. Somit war das eine Zusammenarbeit, die quasi auf mehreren Ebenen stattfinden konnte.

 

Kürzlich erschien euer Werk No Problem Saloon. Was steckt hinter diesem Titel?

Joy: Eigentlich war es mehr ein Spiel, weil wir uns bei der Entstehung des Albums von einer Afrikareise inspirieren liessen. Einerseits schnappte ich dort häufig ein «pas de problème» oder «no problem» auf, andererseits gab es auch schöne Namen für Bars und Clubs, wie beispielsweise «The Happy Yourself Spot». All dies wurstelte ich zum No Problem Saloon zusammen. Es ist ein fiktiver Saloon, in dem das positive Denken, das Fröhliche und das Frische zum Vorschein kommen sollten.

 

Auf der Suche nach interessanten Soundschnipseln seid ihr mit einem Aufnahmegerät durch Afrika gereist.  Was habt ihr dort für Eindrücke gesammelt?

Joy: Für mich war diese Reise nichts Neues, da ich in Afrika aufgewachsen und immer wieder dorthin gereist bin. Deshalb ist es schwierig für mich, diese Eindrücke zu schildern. Ich fühle mich einfach relativ wohl, wenn ich zurückkehre. Ich würde es als Eintauchen in einen anderen Lebensrhythmus bezeichnen. Man ist drei Wochen unterwegs, hört anderen Menschen zu, fängt diverse Stimmungen ein und verarbeitet die Eindrücke in Form von Musik.

 

Llelujah-Ha: Es ist eine Kombination von Geschichten, Hintergründen und Geräuschen, die Joy aufgenommen hat. Das gibt dem Album einen guten Boden um daraus herauszuwachsen.

 

Prag, Sansibar, Reykjavik: So manche Städte dieser Welt wurden von euch bespielt. Wie kommt man als Schweizer Band dazu, rund um den Globus Konzerte spielen zu können?

Joy: Zu Zeiten als Solokünstlerin organisierte ein Schweizer Label meine Auftritte. Der Manager dieses Labels wollte von Anfang nicht im «Schwiizerchästli« fahren (lacht). Sein Ziel: Die USA. Dort spielte ich darum meine erste Tour. Anschliessend folgten Aufritte auf Festivals in Frankreich, bei denen ich in den Folgejahren nochmals auftreten durfte. Das Publikum an Festivals stammt aus der ganzen Welt, so folgten Konzerte in anderen Ländern. Bei Oy zieht sich das weiter.

 

Lleluja-Ha: Auf der einen Seite hat Joy, als sie noch als Solo-Künstlerin unterwegs war, mit ihrer Musik einen Nerv getroffen und damit einen Grundstein gelegt. Auf der anderen Seite fanden  ausländische Booking-Agenturen unsere Musik spannend und wollten deshalb mit uns zusammenarbeiten. Wir klingen sehr eigen, was viele Vorteile mit sich bringt. Joy und ich reisen gerne, interessieren uns für verschiedene Dinge und sind offene Menschen. Viele Menschen schenken uns Beachtung, nicht nur hier in der Schweiz, sondern auch im Ausland.

 

Lleluja-Ha, dich erblickt man auf der Bühne nie ohne Kostüm.

Lleluja-Ha: Ich hatte keine Lust mehr verspürt «normal« auf die Bühne zu gehen. Es macht mir Spass, neue Ausdrucksformen zu finden. Darüber hinaus stellt das Kostüm eine Projektionsfläche dar. Jeder kann darin sehen, was er möchte. Ich wirke damit nicht so einseitig wie ein Musiker, der bloss auf der Bühne sitzt.

 

Wohin wollt ihr mit Oy?

Joy: Wir möchten auf jeden Fall neue Abenteuer erleben. Es ist wie ein laufender Prozess. Zahlreiche Ideen stehen im Raum. Gerne würden wir neue Musikstücke aufnehmen. Wohin unserer Reise genau führen wird, das kann ich noch nicht sagen. Dank unserem neuen Label, das über ein Netzwerk im Ausland verfügt, kann unser Potenzial noch mehr ausgeschöpft werden. Doch zuerst werden wir mit unserem neuen Album neue Orte bespielen, wie beispielsweise Montreal, New York oder Gran Canaria.

 

Lleluja-Ha: Ich hoffe, dass es so weiterläuft wie bisher. Dass die Leute nach wie vor interessiert bleiben, uns neue Ideen einfallen und wir weiterhin etliche Konzert spielen dürfen.

 

Apropos Abenteuer: Welches war das grösste, das ihr in der Oy-Musikgeschichte erlebt habt?

Llelujah-Ha: Ich glaube das grösste Abenteuer war die Erweiterung vom Solo zum Duo und die Hoffnung, dass es funktioniert. Das war meiner Meinung nach ein grosses Risiko. Glücklicherweise hat es funktioniert (lacht).

 

Was mich noch interessiert ist, wie du deine Haarpracht pflegst, Joy.

Joy: Wie pflegst du deine Locken (schmunzelt und zeigt auf meine Haare)?

 

Ich verwende nach dem Haarwaschen stets Haaröl und Lockenschaum, und flechte sie über Nacht zu zwei Zöpfen.

Joy: Um überhaupt durchzukommen ist Haarspülung Pflicht. Aber das war es schon. Die Haare zu bürsten wird immer zu einer riesigen Aktion (lacht).