Kultur | 22.05.2014

Facettenreicher Rock-Pop aus Zürich

Text von David Schneider | Bilder von zVg
Die vierköpfige Zürcher Band KEjNU hat ihr 20 Song umfassendes Doppel-Album "Centillion" veröffentlicht. Darauf zeigt Mastermind und Frontmann der Band Nuél Schoch mit einer Bandbreite von Rock, über Pop bis Electronica wie viele Gesichter Musik haben kann.
Ihr neustes Album ist noch keinen Monat alt und erst wenige Konzerte jung: "KEjNU"-Frontman Nuél Schoch im Interview.
Bild: zVg

Tink.ch: Ein Wort, das immer wieder fällt, wenn von euer Musik gesprochen wird: facettenreich. Wenn du euren Stücken ein Gesicht geben müsstet, wie würde dieses aussehen?

Nuél Schoch: Es wäre ein sympathisches, aber entschlossenes und ernstes Gesicht. Auch ein bisschen verpixelt und verschwommen, weshalb man mehrmals hinschauen müsste, um zu erkennen, um wen es sich handelt.

 

Euer neuestes Werk Centillion ist ein 20 Song starkes Doppel-Album. Wie viele verschiedene Facetten sind darauf zu hören?

Die einen mögen es akustisch und ruhig, die anderen poppig und elektronisch, wieder andere verträumt und fantasievoll oder groovig und cool. Auf Centillion werden fast alle fündig, die den Mut haben, zu suchen. Die Facetten unserer Musik spiegeln sich auch in unserem Publikum wider. Es besteht aus tätowierten Rockern, grauhaarigen 60-Jährigen, hübschen Mädels, anständigen Durchschnittsbürgern und verwuschelten Hipstern.

 

Je nach Zählsystem ist eine Centillion eine Eins mit 600 oder 303 Nullen. Was hat diese schwer fassbare Zahl mit eurem gleichnamigen Doppel-Album zu tun?

Die Zentillion löst bei mir Faszination und Ehrfurcht aus. Sie zeigt mir die Grenzen allen Verstandes und Lebens auf. Aus dieser gedanklichen Ohnmacht schöpfe ich enorm viel Kreativität und Ausdauer. Titel und Namen sind für mich immer etwas Zentrales. Ich sammle geheimnisvolle und ästhetische Wörter.

 

Sie zu finden, treibt mich an. Ich würde eher einen Song zu einem bestimmten Titel schreiben, als einen Song am Ende mit den offensichtlich markantesten Worten benennen. Centillion begleitete mich und die Albumproduktion von Anfang an und hat sich bis zum Albumtitel vorgedrängt.

 

War von Beginn an geplant, dass euer neues Werk als Doppel-Album erscheint?

Ja, es war von Anfang an klar. Einerseits war es der Berg, den zu bezwingen es galt, andererseits der Rückenwind, der uns antrieb. Als Songwriter und Produzent ein ziemlicher Haufen Arbeit. Ganz ehrlich: Ich spüre die Arbeit an Centillion noch immer in meinen Knochen.

 

Ihr kombiniert Gitarrenmelodien mit Synthesizer-Klängen und deine Stimme vervollständigt das Ganze. Bei solch vielschichtigen Stücken bedarf es einer guten Mischung – wie konstruiert ihr eure Songs?

Ich konstruiere die Songs weitgehend im Alleingang, trage Songs in verschiedenen Varianten ein bis zwei Jahre mit mir herum, bis sie schliesslich gereift sind. Dann steht der Song, der Titel, das Arrangement und der Text. Meine Mitmusiker geben regelmässig Feedbacks und werden für gezielte Aufnahme-Sessions eingespannt. So finden sich sowohl Songs, auf denen ich an allen Instrumenten zu hören bin, als auch solche, auf denen jeder sein Instrument selber eingespielt hat.

 

Du bist nebst Musiker auch Künstler und Grafiker – wie nehmen diese Fähigkeiten Einfluss auf dein Vorgehen beim Produzieren und Machen von Musik?

Ich arbeite an Musik eben eher wie ein Maler und nicht wie ein Komponist. So viel weiss ich. Die Prozesse beim Arbeiten sind aber auch mir meistens schleierhaft.

 

Das neue Album ist noch keinen Monat alt und wenige Konzerte jung. Wie habt ihr es bis anhin erlebt, die 20 Stücke live zu präsentieren?

Bisher haben wir viele positive Rückmeldungen erhalten. Wir spielen aktuell etwa zehn der zwanzig Songs von Centillion, sowie zwei alte Stücke. Das Ziel der Band ist es, die Songs zu spielen, wie sie sind und darin zu versinken. Jeder ist an seinem Instrument stark und in sich gekehrt, was unsere Songs live noch intensiver und energetischer macht. In meinen Augen ist es das stärkste Live-Set, das wir bisher hatten. Es macht uns jedes Mal ein bisschen fertig, das lieben wir.