Kultur | 03.05.2014

“Everything is awesome!” – Naja.

Seit dem Kinostart in den USA reisst der Hype um "The Lego Movie" nicht mehr ab. Kein Wunder, grast der Film doch vom "Unikitty" bis zum Superman jeden verfügbaren Witz ab. Besonders Internetplattformen verfielen in einen wahren Fankult. Eigentlich ist "The Lego Movie" aber ein 100-minütiger Werbefilm.
Emmett und das Unikitty: Der ideale Arbeiter und die Meme-Kreuzung.
Bild: zVg / (© 2014 Warner Bros. Ent. Alle Rechte vorbehalten.)

The Lego Movie handelt von Emmet (im Original gesprochen von Chris Pratt), einem gewöhnlichen und braven Legobauarbeiter. Fälschlicherweise wird er für den Auserwählten gehalten, der die Legowelt vor dem bösen Präsidenten Business (Will Ferrell) retten muss. Dieser will die gesamte Legowelt einfrieren lassen. Bei der Rettungsaktion wird Emmet unter anderem von der Widerstandskämpferin Wyldstyle (Elizabeth Banks), dem Zauberer Vitruvius (Morgan Freeman) und Batman (Will Arnett) unterstützt.

 

Regie führten Phil Lord und Christopher Miller, gemeinsam schrieben sie auch das Drehbuch für The Lego Movie. Lord und Miller arbeiteten schon bei vielen Produktionen in Film und Fernsehen zusammen, egal ob als Drehbuchautoren, Regisseure oder Produzenten. Unter anderem schrieben sie das Drehbuch für 21 Jumpstreet und übernahmen gemeinsam die Regie bei dem Animationsfilm Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen.

 

“Everything is awesome! Everything is cool when you’re part of a team!”

Die Ausgangsidee des Films ist nicht schlecht und manchmal gar amüsant. So ist zum Beispiel die Legowelt, in der Emmet lebt, ein kompletter Überwachungsstaat, dessen Bewohner wie durch Gehirnwäsche alles “awesome” finden. Auch die “Staatshymne” (die jeden Zuschauer noch Tage nach dem Film begleiten wird), in der die Zusammenarbeit im Team und die Grossartigkeit des Staates glorifiziert wird, singen die Legomännchen am liebsten den ganzen Tag.

 

Diese Heiterkeit lullt ein, nach dem Film trifft einen jedoch die erschreckende Erkenntnis: Gerade hat man für 100 Minuten feinster Werbung Kinoeintritt gezahlt. Unterhaltsame Werbung, aber eben Werbung. Jedes Kind wird nach diesem Film neue Legosteine kaufen. Wie nett von den Machern, dass sie möglichst viele verschiedene Charaktere in den Film gepackt und noch mehr Transportmittel, Gebäude und Waffen kreiert haben. So kann man sich vermutlich bald die Lego-Super-Sonder-Edition zum Film kaufen und die Geschichte zu Hause nachspielen. Awesome.

 

Internet-Hype

Doch wie kommt man mit einem Werbefilm an möglichst viele Zuschauer? Am liebsten nicht nur an Kinder, sondern auch an Jugendliche und junge Erwachsene, die sich das Spielzeug gleich selber finanzieren? Auch darauf haben die Macher des Films eine Antwort: Internetpopularität. Der Film ist vollgepackt mit Witzen und Charakteren, die man oft auf Webseiten wie 9gag.com oder memebase.com findet. Ein Beispiel: Was ist im Internet besonders beliebt? Katzenvideos, oder Bilder von Katzen. Was ist im Internet noch beliebter? Einhörner (warum auch immer). Das Ergebnis nennt sich “Unikitty”. Halb Einhorn, halb Katze.

 

Die Marschrichtung ist klar, von Minute zu Minute ein neuer Insidewitz, der bald darauf im Internet gehypt wird. Von Batman bis zu Gandalf. Sie alle tauchen kurz auf, um für einen noch kürzeren Lacher zu sorgen. Diese Strategie zeigt sich auch in der Besetzung. Da ist zum Beispiel Liam Neeson, der seit einigen Jahren auf die Rolle des Actionheld über 60 abonniert ist, als Bad Cop. Oder Channing “Magic” Tatum als Superman sowie Jonah Hill als Green Lantern.

 

Lieber eine eigene Legowelt bauen

 

Immerhin, die Bilder des Films und die Effekte sind gut gemacht. Sogar die 3D-Version stellt sich nicht als überflüssig heraus. The Lego Movie hat ab und an seine Momente. Doch reicht das aus, um über eine ganze Werbekampagne hinwegzusehen? Wer hinwegsehen kann, soll sich den Film anschauen und findet darin eine kurzweilige Unterhaltung, die man bald darauf wieder vergessen wird. Wer nicht darüber hinwegsehen kann, soll zu Hause bleiben und ein gutes Buch lesen. Oder sich eine eigene Legowelt bauen.