Gesellschaft | 30.05.2014

Elfter Brief aus Deutschland

Der elfte Brief aus Deutschland offenbart, dass die Schweiz nicht die alleinige Zielscheibe deutscher Spötteleien ist. Die Wut des grossen Kantons trifft auch Parteien, Insekten, Zahlen und primär das weibliche Geschlecht.
Die deutsche Friedenstaube überbringt in dieser Woche eine Botschaft der Frauenverachtung.
Bild: Katharina Good

Hallo Schweizer und Schweizerinnen,

 

Wir haben in den vergangenen Wochen immer wieder Leserbriefe erhalten. Und in allen beiden stand so ziemlich dasselbe: “Was haben Sie eigentlich gegen die Schweiz?”, wurden wir da gefragt.

 

Nun, es ist ja gar nicht so, dass wir nur die Schweizer nicht mögen. Gott bewahre! Nein, wir mögen so einiges nicht. Staus, zu warmes Bier, Unpünktlichkeit, die (deutsche) FDP, Mücken, Dicke, die Zahl 72, Fahrradfahrer, Gartenzwerge, Arbeitsämter und Frauen. Ja, vor allem gegen Frauen haben wir was.

 

Dafür mag man uns verurteilen, aber wir befinden uns da in guter Gesellschaft – laut einer Erhebung führender Statistiken ist nämlich beinahe die Hälfte der Menschheit männlich. Hier in unserer Redaktion haben wir beispielsweise gar keine Frauen. Überhaupt ist unsere Branche (Information/informelle Finanzgeschäfte) aus guten Gründen männlich dominiert.

 

Bis vor wenigen Jahren war uns Ihr Land (die Schweiz) natürlich nur halb so unsympathisch, denn angeblich “elementare Rechte” wurden den Frauen vorenthalten. Wenn wir uns recht entsinnen – korrigieren Sie uns, falls nötig – erhielten die Frauen erst in den 90ern schweizweit das Wahlrecht. Davor war das ganz offenbar nicht gestattet. Das fanden wir toll. Da haben wir uns noch gesagt: Ja, doch, die Schweizer, die haben es wirklich drauf. Die verstehen was von der Welt.

 

Naja, aber dann sind Sie doch wieder eingeknickt. Vermutlich haben Sie sich erweichen lassen von irgendwelchem Mainstream. Wir haben mal recherchiert und uns von einer Schweizerin erläutern lassen, wie sie dieses Recht zu wählen eigentlich persönlich im Alltag berührt. Die Dame antwortete auch, aber wir konnten sie leider nicht verstehen – vermutlich redete sie in Schweizer Zunge.

 

Aber es gibt ja noch Lichtblicke: Sie, die Deutschschweizer, sind ein Vorbild in der Versachlichung der Weiblichkeit. Wir arbeiten gerade daran, auch in Deutschland “das Mami” zu etablieren. “Der Papi”, aber “das Mami” – super! Subversiver kann man seine Meinung über Frauen eigentlich nicht zum Ausdruck bringen. Ihnen fehlt da aber leider noch die Konsequenz. Wir schlagen auch “das Frau” vor, und “das Mädchen”. Halt, Verzeihung: den letzten Vorschlag können Sie ignorieren – das wird ja schon vorbildlich gebraucht.

 

Ach, viel mehr fällt uns zu dem Thema gerade gar nicht ein. Unser Rat an Sie ist also, weiter zu machen wie bisher und zudem aber wahltechnisch noch einen Schritt zurück in die 1970er zu machen.

 

Nehmen Sie sich das Bitte mal zu Herzen.

 

Herzlichste Grüße,

Ihr vereinigtes Deutschland