Gesellschaft | 20.05.2014

Männer als Gesellschaftsopfer

Zu jeder Entwicklung gibt es eine Gegenbewegung. Feminismus in all seinen Ausprägungen, Gender Mainstreaming und Diskussionen über Quotenregelungen haben dazu geführt, dass sich manche Männer gesellschaftlich und rechtlich benachteiligt fühlen. Antifeministische Gruppierungen sind neben Männerrechtsbewegungen und Männerparteien eine Antwort darauf.
"Die Quelle einer Feministin ist es, sämtliche Vorteile auf ungerechte Weise zu erlangen."
Bild: flickr.com/jDevaun Dieser Artikel wurde von unserem Partnermagazin mokant.at entweder für tink.ch verfasst oder zur Zweitveröffentlichung zur Verfügung gestellt.

Die Schweizer Antifeministen sind eine der stärksten Interessensvertretungen im deutschsprachigen Raum. Im Gespräch mit mokant.at entschuldigt sich deren neuer Vorstand Michael Balmer für den Frauenhass auf seiner Seite und erklärt, warum man besser auf eine Heirat verzichten sollte. Ein Interview über Probleme in den eigenen Reihen und Väter, die zu wenig Krawall machen.

 

mokant.at: Feministinnen werden politisch eher links eingeordnet. Sie bezeichnen sich als politisch neutral. Sind Forderungen nicht immer politisch?

Michael Balmer: Da gebe ich Ihnen recht und wir müssen unbedingt noch politischer werden.

 

Das heisst Sie wollen etwas verändern. Sie sind ja noch nicht lange Vereinsvorstand…

Das ist korrekt, es sind jetzt ungefähr vier Wochen. Und ja, wir wollen etwas professioneller in Hinblick auf die Substantiierung unserer Ideen werden. Der Begriff Antifeminist klingt immer so nach: “wir sind gegen Frauen”. Das stimmt nicht, im Gegenteil. Dieses Profil muss noch klarer herausgeschält werden.

 

In welche politische Richtung soll es gehen?

Es geht hier nicht um rechts, links oder um die Konfession. Es geht um die Bundesverfassung und um Mann und Frau.

 

Auf ihrer Webseite ist schon im Einleitungstext zu lesen: “Frauen missbrauchen die Gesetze, um Rache gegenüber den Männern auszuüben” und auf anderer Stelle ist als Synonym zu Feministin von Männerhasserin die Rede. Was verstehen Sie persönlich unter einer Feministin?

Feminismus ist eine üble Form von weiblichen Forderungen und Anschuldigungen gegen den Mann, der nichts anderes als Misandrie (ablehnende oder feindselige Haltung gegenüber Männer, Anm. d. Red.) ist. Der Begriff macht zunehmend auch redlichen Frauen zu schaffen, weil diese sich unter den Hetzerinnen ständig als falsche Frauen empfinden.

 

Ich habe Sie eigentlich gefragt, was Sie unter einer Feministin verstehen?

Ja, selbstverständlich. Eine Feministin ist kein Produkt, wie zum Beispiel ein Auto, sondern es gibt hier viele Facetten. Dazu gehört unter anderem auch der Trend, dass Frauen ohne nennenswerten Leistungen in die Chefetage wollen. Quote ist eine Gleichmacherei ohne Qualifikation.

 

Also Verfechterinnen dieses Systems, sind für Sie Feministinnen?

Korrekt. Die Quelle einer Feministin ist es, sämtliche Vorteile auf ungerechte Weise zu erlangen.

 

Auf Ihrer Seite findet man immer wieder der Slogan: “Wir Antifeministen fordern richtige Gleichberechtigung.” Wie vereinbaren Sie diese Forderung der Gleichstellung von Mann und Frau, bei gleichzeitiger Verwendung von negativ besetzten Wörtern nur für Frauen wie z.B. “Drecksweiber”?

Gar nicht. Ich möchte mich für diese Worte entschuldigen. Es ist von einem Mann mit schäumendem Mund geschrieben, der mit Frau und Staat belastende Erlebnisse hatte. Die Inhalte zu wandeln ist eine der ersten Aufgaben, die ich anpacke. Weg von der Aggression und hin zu einer verständlichen Argumentation.

 

Sie wollen also die Texte umändern. Auch die Zitate?

Die Zitate möchte ich so weg haben. Ich bitte, mir hier ein bisschen Zeit zu geben.

 

Ich habe noch eine Frage zu einem dieser Zitate: Das Zitat betrifft Lessing: “Zweimal taugt eine Frau – für die mich Gott bewahre. Einmal im Hochzeitsbett und einmal auf der Bahre.”  Wie sehen Sie das persönlich?

Ich muss jedem Mann von der Heirat abraten. In über fünfzig Prozent der Ehen kommt es zu Scheidungen, die zu achtzig Prozent von Frauen eingereicht werden. Der Mann verliert in der Regel alles und während die Frau sich nach einem Jahr deutlich besser fühlt, ist die männliche Mortalität immens. Eine Heirat ist für den Mann ein großes Risiko. Das sage ich als Familienmensch.

 

Diese Sprüche klingen nicht wirklich antifeministisch, sondern eher frauenfeindlich.

Richtig, aber für den möglichen Frauenhass auf unserer Seite möchte ich mich nicht erklären, weil er unter meinem Vorgänger installiert wurde. Wir hatten auch im Vorstand verschiedene Wellen und ich hoffe, dass jetzt Ruhe einkehrt. Wir werden das (die Inhalte, Anm. d. Red.) noch überarbeiten. Es ist nicht das Ziel Frauen zu beleidigen, so wie das jetzt stattfindet. Wir werden uns auf der argumentatorischen Seite vorwärts bewegen.

 

Inhaltlich setzen Sie sich für dieselben Themen wie Männerrechtsbewegungen oder auch Männerparteien ein. Wie unterscheiden sich diese Gruppierungen von ihnen?

Wir setzen auf Information und besetzen neue Themen. Wir waren gestern in Genf auf der Erfindermesse und bringen in cirka einer Woche den Bericht im Internet raus. Mehrere Flyer, zum Beispiel zur Wehrpflicht, sind fast fertig und wir werden bald in Kasernen aufkreuzen.

 

Das heißt sie argumentieren stärker als Männerrechtsbewegungen?

Ja, wir sind stärker dahinter. Doch leider wurde das in den letzten Jahren vernachlässigt, wir müssen wieder daran arbeiten und besser werden. Eine große Stärke ist, dass wir unabhängig sind und alles in unserer Freizeit machen.

 

Drei Mal hat Ihr Verein ein internationales Antifeministentreffen in der Schweiz organisiert, zuletzt 2013. Wie vernetzt ist man im deutschsprachigen Raum?

Viel zu wenig. Es gibt dafür zwei Gründe: die bestehenden Männerrechtsorganisationen waren bis jetzt zu wenig fähig aufeinander einzugehen, noch viel zu sehr auf sich selber fixiert und haben zu wenig zusammen gearbeitet. Das Hauptproblem ist aber der Mann selbst. Alle reklamieren, aber wenn es darum geht, Profil zu zeigen und wir sie bräuchten, dann sind sie nicht da.

 

Profil zeigen heißt aus der Anonymität herausgehen?

Genau, sie werden politisch nicht wahrgenommen. Frauen machen aber teilweise Inhalte zum Thema, die in der Schweiz nicht so eine große Bedeutung haben. Zum Beispiel Beschneidungen in Afrika. Trotzdem wird darüber viel geschrieben und diskutiert, während reale Probleme keine Beachtung finden. Zum Beispiel wenn ein geschiedener Vater sein Kind sehen will, weil es vielleicht verletzt ist und Freude an einem Besuch hätte und das nicht möglich ist. Das ist nicht nur die Schuld der Medien, sondern vor allem die der Väter, weil sie nicht mehr Krawall machen.

 

Zurück zu den Vernetzungstreffen. Es gibt eine Gruppierung von linken Maskulisten. Waren die auch eingeladen?

(lacht) Es waren alle eingeladen. Nur schickten die uns Späher und haben uns Immobilien versperrt, das fand ich schade. Dies kann nicht die Lösung sein. Bei uns sind alle willkommen, es wird debattiert und wir freuen uns an allen Argumenten. Sie waren nicht da, obwohl sie hätten da sein können.

 

Ich bin mir nicht sicher, ob ich Sie hier richtig verstanden habe. Ich kann mit dem Wort Späher in dem Zusammenhang wenig anfangen. Welcher Begriff ist hier gemeint?

Die linke Szene ist in der Tat sehr unberechenbar. Bei allen Treffen gab es schon im Vorfeld Schmierereien und Drohungen die sehr ernst genommen werden mussten. Ständig wollten militante Gruppen die Redefreiheit stören. Und es wurden Häuser verschmiert und versprüht. Übrigens völlig unbegründet, weil ich alle die ein persönliches Anliegen glaubwürdig darlegen konnten, berücksichtigt hatte. Wir luden unsere Kritiker ein. Es kamen alle Kritiker zu Wort und es beklagte sich keiner wegen unfairer Behandlung. Wer ausser uns macht das schon?

 

Also waren sie eingeladen. Und warum gibt es das Treffen nicht mehr? Woran ist man gescheitert?

Wir werden immer mehr vom Beruf aufgefressen und viele sind bereits in Positionen, wo sie keine Zeit mehr haben. Das ist das Hauptproblem. Wir suchen wieder Nachwuchs.

 

Bei meinen Recherchen habe ich viele Deutsche und Schweizer antifeministische Organisationen und Männerrechtler gefunden. Wenige in Österreich, abgesehen von der Männerpartei. Gibt es in Österreich weniger Antifeministen?

Das glaube ich nicht. Es gibt in ganz Europa die gleiche Strömung. Es ist ein Kampf zwischen dem abstrakten Gedanken und dem Erfassen der Problematik oder wie es Esther Vilar formuliert: “Im Gefäß der dressierte Mann”. Auf der anderen Seite geht es um die Sozialisierung. Männer erleben etwas, das bei der Mutter anfängt und bis ins hohe Alter weitergeht. In der Schule werden sie dressiert, bis sie irgendwann ihre kritische Seite ablegen.

 

Ist das umgekehrt nicht genau dasselbe? Es wird doch jeder sozialisiert.

Natürlich. Frauen werden auch sozialisiert, nur sind Frauen unter Frauen besser aufgehoben, als Knaben unter Frauen. Knaben werden von Frauen oft nicht verstanden, wir sprechen hier von der vaterlosen Gesellschaft. Frauen lösen das gesellschaftliche Problem, in dem sie sich Knaben dressieren. Das macht die Kinder aggressiv und sie verweigern sich in der Folge in der Schule. Es ist wichtig, dass Knaben auch den männlichen Kontakt haben. Nur wird das verteufelt, weil heute jeder Mann ein Gewalttäter und ein Pädophiler ist.

 

Sie sprechen immer von “den Knaben” und “den Frauen”. Werfen Sie alle Frauen oder alle Kindern in einen Topf?

Nein, selbstverständlich differenziere ich hier. Nur Fakt ist, dass es in der Schule fast keine männlichen Personen mehr gibt. Also das, was Frauen immer an einer Quote fordern, missachten sie gerade bei Betreuung und Ausbildung von Kindern massiv.

 

Noch eine Abschlussfrage: Der Feminismus hat eine Debatte zu den Geschlechterverhältnissen ausgelöst – kann man nicht auch von ihm lernen?

Ja, klar. Natürlich kann man das. Diese Debatte ist schon hunderte Jahre alt. Jede Generation muss wieder aufs Neue den Weg nach dem Optimum suchen und die Werte neu definieren.