Gesellschaft | 28.04.2014

70er-Jahre-Action

Text von Naomi Fischer | Bilder von zVg
«The Cassandra Crossing" stammt aus einer anderen Zeit. Wer in den Zug steigt, rast durch die 70er-Jahre auf eine verlotterte Brücke zu. Als Pan Cosmatos noch unbekannt war und "Rambo" noch nicht abgedreht, war dieser Film sein Versprechen für die Zukunft.
Aktuellen Actionstreifen hetzt dieser Film hinterher.
Bild: zVg

Ein Überfall auf ein militärisches Geheimlabor in Genf bildet den Auftakt. Die entstehende Schiesserei führt dazu, dass zwei der schwedischen Einbrecher sich mit einem pestähnlichen Virus anstecken. Einer entkommt, der andere besteigt den Zug nach Stockholm. Während das Militär bereits den Funkkontakt mit dem Zug sucht, um eine Massenpanik zu verhindern, ahnen die Passagiere noch nichts von der tödlichen Fracht.

 

Gemeinsam mit einer Genfer Ärztin gibt der Colonel (Burt Lancaster) die Anweisungen für Massnahmen, die verhindern sollen, dass sich das Virus ausserhalb des Zuges weiterverbreitet. Der Zug soll schliesslich über die alte und lange unbenutzte Kassandra-Brücke umgeleitet werden.

 

Internationale Besetzung

Alt aber nicht ungenutzt ist auch der Film selbst: The Cassandra Crossing stammt aus dem Jahr 1976. Derselbe Pan Cosmatos, der den Zug auf die Kassandra-Brücke zurattern lässt, zeichnete später als Regisseur für testoterontreibende Streifen wie Rambo 2 oder Tombstone verantwortlich. The Cassandra Crossing drehte der Grieche mit italienischen Wurzeln noch bevor er bekannt wurde.

 

Pan Cosmatos lässt den Neurochirurgen Chamberlain (Richard Harris) seine Ex-Frau (Sophia Loren) necken. Für das an sich unterhaltsame Techtelmechtel verzichtet der Zuschauer allerdings auf einen straff gezogenen Spannungsbogen. Während die Kassandra-Brücke immer näher kommt, befasst sich der Film mit den Reaktionen der Passagiere. Dabei werden durchaus gesellschaftskritische Themen angesprochen. Während der Colonel sich um die Staatssicherheit sorgt und alle Passagiere unter Quarantäne setzen und notfalls deren Tod riskieren möchte, glaubt die Ärztin daran, dass man die Krankheit heilen kann und möchte jedes Menschenleben retten.

 

Katastrophenfilm mal langsam

Dass der Film aus den 70er Jahren kommt, merkt der Zuschauer den Bildern stark an. Ästhetisch ruhig konzipiert und durch langsame Schnitte zusammengefügt, wirkt der Film im Vergleich zu akutellen Action-Streifen, wie das Tintenfass neben der Computer-Tastatur. Irgendwie aus einer anderen Zeit und doch irgendwie mit einem besonderen Charme. Dabei geht gerne vergessen, dass der Film schon in den 70er-Jahren als “langatmig” gebrandmarkt wurde. Ein Action-Film zum Geniessen ist The Cassandra Crossing aber allemal.