Sport | 06.04.2014

YB zittert sich aus der Krise

Nach fünf Spielen ohne Sieg gehen die Young Boys gegen Luzern erstmals wieder als Sieger vom Platz. Trotz deutlicher Überlegenheit wurde es in der Schlussphase jedoch vermehrt brenzlig.
Nach einem Eckball lenkt Tomislav Puljic den Ball ins eigene Tor. Torhüter Bucchi hat das Nachsehen.
Bild: ybforever.ch/Thomas Hodel

Es läuft die 4. Minute. Ex-YB-Spieler François Affolter unterläuft einen Ball, und Raphael Nuzzolo kann alleine auf Torhüter David Zibung losziehen. Der Schlussmann weiss sich nicht anders als mit der Notbremse zu helfen und fliegt daraufhin vom Platz. Es beginnen 86 Minuten Einbahnfussball.

 

Interne Unruhe beim FC Luzern

Letzte Woche wurde bekannt, dass der FCL den Offensiv-Spieler Mahmoud Kahraba suspendierte. Ein Knall beim kriselnden Verein, der nach der Hinrunde noch Platz 2 belegt hatte. Zudem ist die Vertragssituation von Captain Michel Renggli nach wie vor ungeklärt. Der Vertrag des Routiniers würde sich bei einem weiteren Einsatz automatisch bis 2017 verlängern. Der Club möchte die Zusammenarbeit jedoch Ende Saison beenden. Renggli stand also gegen die Young Boys nicht einmal im Kader. Neun Spiele, sechs Niederlagen, das ist die Rückrundenbilanz der Innerschweizer. Die Bilanz der Berner ist mit fünf Niederlagen jedoch auch dürftig.

 

Dass beide Vereine diese Bilanz aufpolieren wollten, sah man in den ersten Minuten des Spiels. Doch das muntere Aufspielen beider Teams endete mit dem Platzverweis gegen FCL-Torhüter David Zibung in der 4. Minute. Den darauffolgenden Penalty verschoss YB-Topskorer Josef Martinez jedoch kläglich. Die Berner sind nach wie vor stark verunsichert. Denn aus den letzten fünf Spielen konnte YB lediglich einen Punkt mitnehmen.

 

YB mit viel Ballbesitz

In Überzahl liessen die Berner den Ball gut in den eigenen Reihen zirkulieren, wurden aber nicht gefährlich. Es brauchte eine Standardsituation und eine Menge Glück, dass YB in Führung ging. Nach einem Eckball von Gonzalo Zarate lenkte Tomislav Puljic den Kopfball von Alain Rochat ins eigene Tor ab. Pech für die Luzerner, denn trotz Unterzahl konnten sie die YB-Offensive 25 Minuten lang vom eigenen Tor fern halten.

 

Das Eigentor brachte Schwung ins Spiel des Heimteams, das in der Folge zu weiteren grossen Chancen kam. Michael Frey scheiterte innerhalb von drei Minuten zweimal am gut reagierenden Lorenzo Bucchi und einmal an der Latte. Auch Moreno Costanzo musste zusehen, wie sein Schuss vom starken Italiener pariert wurde.

 

Gefährliche 2:0 Führung

Kurz vor der Pause sah François Affolter erneut sehr schlecht aus. Josef Martinez fing seinen Pass ab und passte auf den besser postierten Zarate. Dieser legte an der Strafraumgrenze auf für Moreno Costanzo, der den Ball in die rechte, obere Torecke schoss. Wie YB-Trainer Uli Forte aber nach dem Spiel betont, ist eine 2:0 Führung das Schlimmste: «Ein 2:0 ist extrem schnell weg. Der Gegner braucht ein Tor zu schiessen und das Zittern beginnt. Ich habe der Mannschaft in der Pause gesagt, dass sie das 3:0 suchen sollen, denn dann ist das Spiel wohl gelaufen.«

 

Zittern bis am Schluss

Luzern spielte nach der Pause zwar besser als in der ersten Halbzeit, konnte sich jedoch keine gefährliche Aktion herausspielen. Doch weil auch die Berner durch Frey und Yuya Kubo weitere Chancen ausliessen, das vom Trainer geforderte dritte Tor zu erzielen, blieb es bis zum Schluss spannend. Und als Remo Freuler in der 83. Minute der Anschlusstreffer gelang, begann für die Berner erneut das grosse Zittern. Die Abwehr zeigte sich zum wiederholten Mal äusserst zögerlich und in der offensive fehlte oft der Mut, etwas zu riskieren. Der Querpass wurde dem Steilpass vorgezogen.

 

Für einmal sollten die Defizite im Berner Spiel jedoch nicht bestraft werden, und die Luzerner waren nach der langen Zeit in Unterzahl nicht mehr in der Lage, einen Punkt aus dem Stade de Suisse zu entführen. Mit dem Sieg verschaffen sich die Berner etwas Luft gegenüber den direkten Konkurrenten aus Luzern und Zürich um die Europa-League-Plätze. Bereits nächstes Wochenende im Letzigrund wird es aber wohl wieder zurückkehren, das grosse Zittern.