Kultur | 05.04.2014

Cowboycolts und Filmeinstellungen

Text von Caroline Meier | Bilder von Caroline Meier
Während der Jugendfilmtage wird nicht nur Film geschaut sondern auch gemacht. Im Atelier Kamera erlernten Jugendliche von 12 bis 19 die Grundlagen der Kameraführung.
Neben viel Theorie kam im "Atelier Kamera" auch die Praxis nicht zu kurz.
Bild: Caroline Meier

„Say no! Say no to vertical videos!“ Ein Plüschbieber erklärt im Einführungsfilm, dass vertikales Filmen Unsinn sei. Es führe nämlich dazu, dass Leute im Flugzeug einen steifen Nacken bekämen, Kinos in die Vertikale ausgebaut und Star Wars in einer „skinny version“ neu aufgezogen werden müssten.

Damit jungen Filmeinsteigern solche Missgeschicke nicht passieren, gab Kursleiterin Gabriela Betschart im Atelier Kamera eine dreistündige Einführung in die stilistische und theoretische Grundlage der Kameraführung.

 

Von der Totalen ins Detail

Eine der grundlegendsten Frage sei die Auswahl des Bildausschnitts, erklärt die freischaffende Filmemacherin und Kamerafrau den fünf Teilnehmern zwischen 12 und 19 Jahren. Zwei der Teilnehmer sind Mitstreiter der Kategorie A, ein weiterer strebt ein Studium an der Zürcher Hochschule der Künste an. Die Möglichkeiten der Bildeinstellungen variieren von der Totalen zur Halbtotalen über die Nahaufnahme bis hin zur Detailaufnahme. Andere Bildeinstellungen wie die Amerikanische, die vom Kopf bis zur Mitte des Oberschenkels reicht, wird mehrheitlich in Hollywoodfilmen genutzt. Der Grund dafür ist in den Zeiten der Cowboyfilms zu finden: Damals war es wichtig, dass der Colt im Bund stets im Bild sichtbar war.

 

Gezeichnete Version des Films

Bei der Planung eines Films ist das Storyboard von grosser Bedeutung. Dieses stellt eine gezeichnete Version des Films dar und hilft effizient zu drehen. Um die Theorie gleich in die Praxis umzusetzen, erhalten die Teilnehmer die Aufgabe, in einer Viertelstunde eine kleine Geschichte zum Thema „Übergabe eines geheimen Gegenstands“ zu erfinden.

 

Kleine Erfolgserlebnisse

Nach viel Theorie und stilistischen Tipps bekommen die Jugendlichen die Chance ihr Storyboard vor Ort umzusetzen. In Zweier- und Dreiergruppen wählen sie eine Geschichte aus und drehen innerhalb von 40 Minuten ihren eigenen Kurzfilm. Für die Jugendlichen ist dies ein kleines Erfolgserlebnis, wie nach Drehschluss an den glücklichen Gesichtern erkennbar ist. Um möglichst viel für die weitere Filmkarriere zu lernen werden die Aufnahmen im Plenum angeschaut und analysiert. Gabriela gibt den Jungs nützliche Tipps mit auf den Weg. Mit einem herzlichen Dankeschön von Seiten der Teilnehmer endet der Workshop.

 

Gelungener Workshop

Der Kursleiterin gelang es, in drei Stunden die wichtigsten Grundlagen der Kamerahandhabung verständlich und jugendgerecht zu vermitteln. Kleine Extras wie der Exkurs zum Cowboyfilm oder die Vorführung des witzigen Youtubefilms machten den Workshop unterhaltsam und spannend.  Es wäre eine Überlegung wert, den Kurs nächstes Jahr an einem Mittwoch oder Samstagnachmittag anzubieten, wenn kein offizieller Schulunterricht stattfindet. So ist es denkbar, dass die Teilnehmeranzahl etwas grösser ausfallen könnte.