Sport | 21.04.2014

Vom Jammern und Siegen

Text von Simon Scheidegger | Bilder von Simon Scheidegger
Der FC Zürich gewinnt auch den vierten Cupfinal gegen den FC Basel. Während die Zürcher den ersten Titel seit 2009 bejubeln, hadern die Basler mit Schiedsrichter Patrick Graf.
Die Spieler des FC Zürichs auf dem Weg zur Pokalübergabe, flankiert von Verlierer Basel.
Bild: Simon Scheidegger

In keinem Spiel sind die Kontraste zwischen den beiden Teams grösser als in einem Cupfinal. Die einen feiern in der Kabine, singen und tanzen, die anderen trotten mit leeren Blicken still in den Mannschaftsbus. Auch in diesem Jahr war das nicht anders. Während in den Katakomben des Stade de Suisse die Spieler des FC Zürich ausgelassen singen, analysiert Fabian Frei ruhig, warum der FC Basel zum zweiten Mal in Folge bei einem Cupfinal als Verlierer vom Feld musste.

 

Mutiger Entscheid von Schiedsrichter Graf

Die Analyse des St. Gallers in Basler Diensten beschränkte sich auf eine einzige Szene, die eine Partie, die nach einer wenig animierten ersten, und einer etwas besseren zweiten Halbzeit in die Verlängerung gegangen war, in entscheidende Bahnen lenkte. Giovanni Sio setzte sich auf der linken Seite gegen Jorge Teixeira durch. Der portugiesische Verteidiger zog den Ivorer leicht am Trikot, worauf dieser fiel. Schiedsrichter Patrick Graf entschied nicht auf Freistoss für Basel, sondern auf Schwalbe des Stürmers und verwarnte diesen. Da Sio bereits in der ersten Halbzeit die gelbe Karte erhalten hatte, musste er frühzeitig unter die Dusche. Es war ein mutiger Entscheid des Emmentaler Schiedsrichters, der die vorangegangenen knapp 100 Minuten dieses Cupfinals auf einen Schlag in den Hintergrund rückte.

 

“Ich bin nicht einer, der nach Niederlagen nach Ausreden sucht,” sagte Frei, “aber dieser Platzverweis war die Entscheidung in diesem Spiel.” Basel musste für die verbleibenden 20 Minuten der Verlängerung mit neun Mann auskommen: Gaston Sauro hatte bereits in der 66. Minute Franck Etoundi zu Boden gerissen, als dieser, ideal von Davide Chiumiento lanciert, alleine auf Basel-Goalie Yann Sommer zulief. Der folgerichtige Platzverweis gegen den Argentinier sorgte nach Spielschluss für deutlich weniger Gesprächsstoff als was eine halbe Stunde später folgen sollte. “Die Aktion von Sauro ist ein Foul und folglich auch eine rote Karte,” sagte Fabian Frei.

 

Zürich das aktivere Team

Hatte der erste Platzverweis noch wenig Einfluss aufs Spiel – der FCZ hatte wie zuvor bei Gleichbestand mehr vom Spiel, konnte aber seine Chancen nicht nutzen – sorgte die zweite rote Karte für Unordnung in den dezimierten Basler Abwehrreihen. Jorge Teixeira flankte kurze Zeit später von rechts in den Basler Strafraum, wo sowohl Yassine Chikhaoui als auch Mario Gavranovic freistanden. Letzterer köpfte gekonnt gegen die Laufrichtung von Torhüter Sommer in die rechte Torecke zur Führung.

 

Die Führung der Zürcher war trotz der turbulenten Szenen, die vorangegangen waren, nicht unverdient. Basel agierte sehr passiv und hatte im gesamten Spiel nur eine grosse Torchance, als Davide Calla in der 50. Minute alleine auf David Da Costa ziehen konnte, der Zürcher den Ball aber übers Tor lenkte. Ansonsten reduzierten sich die Basler Offensivaktionen auf ungefährliche Distanzschüsse. Zürich seinerseits agierte vor allem nach der Pause deutlich engagierter und konnte einige gute Chancen herausspielen. Yassine Chikhaoui gestaltete das Spiel mit viel Übersicht, und durch seine Lauffreudigkeit stellte er das Basler Mittelfeld um Geoffroy Serey Die und Mohamed Elneny immer wieder vor Probleme. “Chikhaoui hat entscheidend Einfluss genommen aufs Spiel,” kommentierte FCZ-Trainer Urs Meier die auffällige Darbietung des Tunesiers. Da aber sowohl Gavranovic zweimal alleine vor Yann Sommer als auch Etoundi und Chiumiento ihre Chancen nicht nutzen konnten, musste die Verlängerung entscheiden. “Wir brauchten den Schiedsrichter nicht. Wir hatten die besseren Chancen,” sagte Oliver Buff und relativierte so die Rolle des Spielleiters.

 

Entschädigung für Meier

Doch wie die jüngste Vergangenheit zeigte, sind Schiedsrichterdiskussionen des Öfteren Teil von Spitzenspielen: Als die beiden Cupfinalisten am vergangenen Mittwoch aufeinander trafen, erhielt Basel einen umstrittenen Penalty zugesprochen und FCZ-Verteidiger Loris Benito flog vom Platz, was die Gemüter im Vorfeld des Endspiels in Bern bereits stark erhitzte. “Offenbar nützt es zu jammern,” sagte FCB-Trainer Murat Yakin, nachdem die strittigen Szenen des Cupfinals für einmal zu ungunsten der Basler gefällt wurden. Yakin beklagte – oder besser – jammerte, dass das ganze Jahr über von allen Seiten beklagt würde, dass sein Team von den Schiedsrichtern bevorteilt werde, heute könne man davon sicher nicht sprechen. Sein Antipode Urs Meier sah einen “verdienten” Sieger und er fügte rückblickend auf das Spiel vom Mittwoch an: “Wir sind ein bisschen entschädigt worden für die Schiedsrichterentscheidungen, die nicht immer für uns fielen in der letzten Zeit.” Auch bei den Trainern könnte also der Kontrast kaum grösser sein.