Kultur | 05.04.2014

Vom Achtjährigen bis zum Filmstudenten

Text von Sonja Nodup | Bilder von zVg
Der neue Festivalleiter der Jugendfilmtage hat viel vor. Im Interview mit Tink.ch sprach der 25-jährige studierte Publizist über sein erstes Amtsjahr und die Entwicklung des grössten Schweizer Jugendfilmfestivals.
Moritz Schneider hat als Jugendlicher selber Kurzfilme gedreht.
Bild: zVg

Tink.ch: Was sagst du zum diesjährigen Programm?

Moritz Schneider: Man kann dieses Jahr den Fokus Türkei herausheben. Das ist ein spannendes Programm und es ist auch das erste Mal, dass wir ein ausländisches Jungfilmfestival eingeladen haben.

 

Das Thema ist aktuell, da es mit den Studentenprotesten in der Türkei vom letzten Jahr zusammenhängt.

 

Hast du selber auch schon Kurzfilme gedreht?

Ja, ich habe als Jugendlicher Kurzfilme gedreht und bin so in die Filmwelt

gerutscht. Später habe ich vor allem auf der Produktionsseite gewirkt.

 

Was reizt dich am jungen Film?

Talente zu entdecken und zu fördern. Sowohl bei den Jugendfilmtagen wie auch bei der Filmrepräsentanz (Anm.d.Red. Moritz Schneider arbeitet bei einem Unternehmen, das junge Filmemacher gegenüber Agenturen und Kunden vertritt) wollen wir gute junge Leute finden und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Filme zu zeigen.

 

Und habt ihr solche Talente entdeckt?

Wir haben dieses Jahr einige Teilnehmer, die zum ersten Mal einen Film auf Grossleinwand zeigen und sowohl die Vorjury als auch die Jury extrem beeindruckt haben.

 

Zum Beispiel?

Ein Beispiel ist Yoldas Gündogdu, dessen Film Alles oder Nichts in der Kategorie C läuft. Er kommt aus der Theaterszene und hat dramaturgisch viel Können. Gerade das Dramaturgische ist etwas, woran es in dieser Alterskategorie oft noch etwas fehlt.

 

Wie hast du dein erstes Amtsjahr als Festivalleiter erlebt?

Wie bei der Eröffnung schon gesagt bin ich mit relativ vielen Visionen gekommen und jetzt selber erstaunt, wie viel davon wir schon im ersten Jahr umsetzen konnten. Ich bin zufrieden, dass bis jetzt alles so gut geklappt hat.

 

Wie zufrieden bist du mit den in der neuen Kategorie Mobile Movies eingereichten Beiträgen?

Im Vorfeld haben wir in Jugendtreffs Workshops angeboten mit dem Hintergedanken, auch Jugendliche zu erreichen, die vorher noch gar nichts mit Film zu tun hatten –  aber eben ein Handy besitzen. Zu den Workshops sind auch viele ganz Junge zwischen acht und zwölf Jahren gekommen. Und das merkt man den Filmen an.

 

Ich finde, es hätte qualitativ noch mehr reinkommen können. Aber ich glaube, das braucht jetzt ein, zwei Jahre, bis sich die Kategorie etabliert hat. Das war jetzt eine Art Experiment. Am Online Voting sieht man, dass es eigentlich gut angekommen ist. Es ist aber noch viel Entwicklungspotenzial da.

 

Hast du das Gefühl, die Mobile Movies könnten sich als neue Filmform etablieren? Oder siehst du sie nur als Einstiegshilfe ins professionelle herkömmliche Filmemachen?

Ich glaube, es ist beides möglich. Es gibt sicher Leute, die auf diesem Handyformat bleiben, die gar keine weiteren Ambitionen haben. Aber wir wollen natürlich auch, dass Jugendliche durchs Handy das Filmemachen für sich entdecken.

 

Was steckt hinter eurem neuen optischen Auftritt?

Graphisch ist er vom bekannten Countdown alter Filme inspiriert. Wir wollten ausserdem die Jugendlichen wieder mehr ins Zentrum stellen: Die Leute auf den Plakaten sind alles Filmemacher und Schauspieler, die selber einmal an den Jugendfilmtagen dabei waren. Und wir wollten etwas plakativer werden.

 

Hast du das Gefühl, dass ihr damit ein breites Publikum erreicht?

Das ist schwierig einzuschätzen. Wir wollten einfach mehr auffallen mit den Farben, dem Leuchtorange. Aber mehr Zuschauer werden wir nur wegen einem Plakat nicht erreichen.

 

Was für einen Beitrag leistet dein Festival zur Entwicklung der Schweizer Filmszene?

Ich glaube einen ziemlich grossen, denn wir bieten jungen Filmemachern eine erste Plattform und eine Vernetzungsmöglichkeit. So hatten wir zum Beispiel letztes Jahr Leute, die sich an den Jugendfilmtagen getroffen haben und inzwischen zusammen Filme machen. Junge Filmeinsteiger haben die Möglichkeit, Werke bei uns ein erstes Mal einstufen zu lassen, sowohl von der Vorjury als auch der Jury. Ich glaube, das hilft jungen Filmemachern sich in die richtige Richtung zu entwickeln.

 

Wo siehst du die Jugendfilmtage in den nächsten Jahren?

Ich will alles, was ich im ersten Jahr angerissen habe, weiterentwickeln und etablieren. Die Mobile Movies können sicher noch stärker ins Festival eingebunden werden.

 

Dieses Jahr führten wir erstmals auch unter dem Jahr und ausserhalb von Zürich einen Event durch: In Lausanne, wo wir im Rahmen der Tour de Ciné Jeunesse vor Ort ein Best Of zeigten. Das wollen wir sicher weiterführen und -entwickeln.

 

Kommst du eigentlich auch selber mit den Teilnehmern in Kontakt? Wie hast du sie erlebt?

Ja, klar. Bei der Anmeldung, bei den Zu- und Absagen der Jury und während des Festivals sowieso. Die Jugendlichen sind extrem motiviert, es ist spürbar viel Energie da, um Filme zu machen und sich kreativ auszuleben. Und die Bandbreite ist natürlich extrem, wir haben alles, von Achtjährigen bis hin zu Filmstudenten.