Kultur | 16.04.2014

Unabhängig

Text von David Schneider | Bilder von David Schneider
Drei kaum bekannte Schweizer Bands und ein halb voller Club lassen nicht auf einen mitreissenden Konzertabend schliessen. Doch die Keep it Indie-Reihe der Kulturfabrik Lyss blieb ihrem Namen treu und beschenkte das Publikum mit Perlen abseits des Mainstreams.
  • Saenger Lorenzo Bonati von Matto Rules fuehlte sich in die Musik ein.

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  • Matto Rules liessen Gitarren- und Synthieklänge ineinander greifen.

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  • Hallende Bassklänge füllten den Club der Kulturfabrik Lyss im Berner Seeland.

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  • Die Rival Kings überzeugten musikalisch und stimmlich.

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  • Die Rival Kings überzeugten musikalisch und stimmlich.

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  • Sowohl Tempo als auch die Melodien der beiden Gitarristen beeindruckten.

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  • Rival Kings spielten die Songs ihres Debütalbums Citizens.

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  • We Invented Paris-Frontmann Flavian Graber zeigte seine gefühlvolle Stimme.

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  • Der Sound des Musikerkollektivs besticht durch eingängige Gitarren-Melodien.

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  • Der Sound des Musikerkollektivs besticht durch eingängige Gitarren-Melodien.

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  • We Invented Paris schafften es, das Publikum mit einzubeziehen.

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Indie, der sich vom englischen “independent” also “unabhängig” ableitet, existiert an sich als Musikrichtung nicht. Vielmehr ist es eine Gangart von Bands, welche unabhängig von der Musikindustrie und grossen Labels ihre Ideen umsetzen wollen. Was aber nicht heissen soll, dass ihre Musik, wie oftmals angenommen, nicht massentauglich sein kann. Vom Potenzial solcher Bands kann sich dank der Konzertreihe Keep it Indie jeder selbst überzeugen. Und durch die drei Schweizer Bands Matto Rules, Rival Kings und We Invented Paris wurde deutlich, wie wandelbar diese Musik sein kann.

Melancholische Klänge mit Matto Rules

Um acht Uhr abends sollte Matto Rules aus Bern eigentlich als erste Band des Abends die Bühne besteigen. Zu diesem Zeitpunkt herrschte im Club der KUFA Lyss (BE) aber noch gähnende Leere. Zu schön war es draussen und so sassen Konzertbesuchende und Bandmitglieder der übrigen Bands gemütlich beisammen. Doch bald darauf erklangen wummernde Bässe aus der KUFA und lockten die Leute wie von Zauberhand nach drinnen. Die tiefe, tragende Stimme von Sänger Lorenzo Bonati fügte sich angenehm ins Gebilde von melodischen Gitarrenläufen und hallendem Bass.

Die vierköpfige Gruppe, die 2009 aus der Auflösung der Rockband Kissing Disease entstanden war, präsentierte die Songs ihrer vor kurzem erschienenen EP Lonely Cat. Die Stücke erinnern durch hallende Gitarrensounds und Electronica-Elemente an Grössen wie Editors oder Depeche Mode. Doch der Funke dieses anmutigen Post-Pops wollte an diesem Abend nicht recht springen. Das spärlich vertretene Publikum stand auf Abstand und so verpuffte die Magie von Songs wie dem schleppenden Saranda und dem vergleichsweise temporeichen Syd in der Leere des Raums. Es fehlte der Band nicht an Qualität, nur leider schaffte sie es nicht, das Publikum zu begeistern.

Sphärischer Alternativrock der Rival Kings

Nachdem die erste Band ihr Potenzial nicht ausgeschöpft hatte, bedurfte es eine Steigerung. Und diese offenbarte sich in Form der Rival Kings: Nicht genug damit, dass nun mehr Zuschauende im Club waren. Nein, auch Bewegung kam endlich mit ins Spiel. Was nicht zuletzt an den treibenden Beats und der packenden Stimme des Sängers lag. Die Band aus Luzern, welche im Januar ihr Debütalbum Citizens getauft hatte, begeisterte das Publikum mit Songs wie Brother oder Echoes, welche bereits schweizweit im Radio zu hören waren. Man merkte den fünf Musikern ihre Spielfreude an, welche sich durch das energische Zusammenspiel der Instrumente äusserte.

Schnelle Stücke wechselten sich mit ruhigeren. Durch das ganze Set hindurch zeigte die Band, dass die in ihren Liedern thematisierten grossen Gefühle wie Schwermut und Sehnsucht auch auf der Bühne nichts von ihrem Bann verlieren. Das Publikum dankte mit kräftigem Applaus und war warm für die letzte Band des Abends.

Facettenreiche Melodien von We Invented Paris

Laut dem Veranstalter Keep it Indie Production galten We Invented Paris als Hauptact des Abends. Ob die gut 50 Besuchende tatsächlich alle wegen der Band aus Basel angereist waren, ist zu bezweifeln. Zwar hat das Kollektiv, das neben Musikern auch Grafiker, Maler und Fotografen vereint, mit über 10’000 Fans die grösste Fanbase. Jedoch befindet sich der Grossteil davon in Deutschland, wo die Schweizer Jungs grössere Erfolge feiern als anderswo und es gar an namhafte Festivals wie das Southside oder das Hurricane geschafft haben.

Hierzulande gelten andere Regeln und We Invented Paris haben es als unabhängige Indie-Band genauso schwer ausserhalb der Heimatstadt Leute an die Konzerte zu locken, wie die beiden anderen Bands. Weshalb sie aber in Deutschland solch grosse Erfolge feiern, merkte das Publikum in Lyss umgehend: Die Songs von Sänger und Bandgründer Flavian Graber gehen direkt ins Ohr und von dort weiter in die Beine. Ob nun Songs von ihrem selbst betitelten Debütalbum oder Stücke des im Februar erschienen Zweitlings Rocket Spaceship Thing: Die Leichtigkeit ihrer Musik, verbunden mit stimmigen Texten, setzte einen ausgelassenen Abschluss der Konzertreihe und liess das Publikum bis zum Bühnenrand vorrücken.

Die Gruppe, welche immer für Überraschungen gut ist und bereits durch eine Couchtour mit Wohnzimmerkonzerten quer durch Europa für Aufsehen sorgte, kürte ihren Auftritt mit einem Ballonregen. So zeigte sich, dass schlussendlich auch Indie-Bands, die gegen den Mainstream ankämpfen, eine Show zu inszenieren vermögen. Auch wenn die Auftritte dieser drei Schweizer Bands noch keine Hallen füllen, ihre Namen sollte man sich im Hinterkopf behalten.