Politik | 05.04.2014

Nur jeder Fünfte ging abstimmen

Nach der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative war die Empörung gross. Studierendenorganisationen trugen auf dem Bundesplatz das Erasmus-Programm zu Grabe. Jetzt zeigt die VOX-Analyse: Gerade die unter 30-Jährigen haben für die Entscheidung gesorgt - indem sie der Abstimmung ferngeblieben sind.
Die tiefe Stimmbeteiligung bei den unter 30-Jährigen am 9. Februar verhalf der Masseneinwanderungsinitiative zum Durchbruch.
Bild: Tink.ch/Archiv

Gross war sie, die Enttäuschung der Gegner nach der Abstimmung vom 9. Februar über die SVP-Zuwanderungsinitiative. Nur 0.3 Prozent der Stimmbevölkerung oder knapp 20’000 Stimmen haben zum Ja für die Zuwanderungsinitiative der SVP geführt. 20’000 Stimmen sind so wenig, dass die Politiker-Floskel “Jede Stimme zählt” mehr Gültigkeit hat denn je. Eine 49.7 Prozent grosse Minderheit war sauer, fühlte sich vor den Kopf gestossen. Studierende hatten – wie sich bald zeigen sollte zurecht – Angst um ihr Austauschprogramm Erasmus. Die Empörung ist aber aus zwei Gründen unverständlich.

 

Erstens: Demonstrieren gegen einen demokratischen Volksentscheid macht nur dann Sinn, wenn man die demokratischen Strukturen als solche hinterfragt.

 

Und zweitens – und das ist weit wichtiger: Die VOX-Analyse des gfs.bern, welches nach den Wahlen Befragungen durchführte zeigt “dass die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen die Initiative zwar am klarsten verwarf, gleichzeitig der Urne aber auch am häufigsten fernblieb”. Nur gerade 17 Prozent der unter 30-Jährigen gingen an die Urne. Der landesweite Durchschnitt lag über 50 Prozent. Dies ist die eigentliche Enttäuschung der Abstimmung vom 9. Februar. Selbst eine Vorlage, die von beiden Seiten als absolut zentral für die Zukunft der Schweiz betrachtet wird, vermag Junge, die von dieser Zukunft unmittelbar betroffen sind, nicht an die Urne zu locken.

 

Es bringt in einer Demokratie wenig, an einer Protestkundgebung für eine weltoffene Schweiz nach der Abstimmung teilzunehmen. Einen Einfluss hätte sie allenfalls vor der Abstimmung. Aber in dieser Phase beschränkt sich der politische Aktivismus in den meisten Fällen leider auf das Liken von Facebook-Seiten. Wer politisch etwas erreichen will, muss sich aus der Komfort-Zone heraus bewegen, seine Freunde überzeugen, sich politisch engagieren. Entscheidungen werden bis zum Abstimmungssonntag gefällt, bis die Urnen schliessen. Und nicht danach.

 

Deshalb, liebe junge Schweizerinnen und Schweizer, wenn euch etwas an der Schweiz gelegen ist, steht am nächsten Abstimmungssonntag früher auf!