Gesellschaft | 14.04.2014

Nichts Neues aus dem Osten

Seit mehr als drei Jahren tobt der syrische Bürgerkrieg. Über 100'000 Opfer forderte der anhaltende Krieg. Attentate und immer härter geführte Auseinandersetzungen zwischen Rebellen und Assad-Anhängern sind an der Tagesordnung. Ein Ende ist nicht in Sicht.
Die internationalen Regierungen sollten sich weniger um die Frage kümmern, ob sie die Rebellen oder das Assad-Regime unterstützen wollen.
Bild: Flickr.com/isafmedia

“Das ist in Syrien passiert”, erklärt der Dozent und schreitet vor den Studierenden auf und ab. “Frustration hat sich angestaut, was wiederum die Depression des Volkes bewirkt. Eine Revolution ist dann nicht mehr weit entfernt.” Niemand bedenkt, dass persönlich betroffene Studierende im Vorlesungssaal sitzen und den sachlichen Ausführungen des Dozenten zuhören. Es ist ein emotionales und schreckliches Ereignis, das nicht auf eine sachliche Ebene gestellt werden sollte. Die Versachlichung des Syrien-Konfliktes ist möglicherweise mit ein Grund, warum internationale Gespräche ins Leere führen.

 

Während den Friedensverhandlungen in Genf letzten Januar sind gemäss Euronews fast 1’900 Menschen getötet worden. Russland lehnt bis heute alle Sanktionen gegen ihren Verbündeten Bashar al-Assad ab. Schon im Voraus war klar, dass sich Russland hartnäckig auf die Seite des Syrien-Regimes stellen würde. Es waren weniger Friedensverhandlungen als ein Schaubild der internationalen Regierungen, über die verworrenen, diplomatischen Beziehungen. Die Friedensgespräche wurden nach zwei Wochen am 15. Februar erfolglos beendet.

 

Seitdem wurde wenig unternommen, um der syrischen Bevölkerung zu helfen. Eine Granate, eine Explosion, zerfetzte Leichnahme und unendlich viel Leid – jeden Tag. Ein Kontakt aus Syrien berichtet Tink.ch von einem Ereingis im christlichen Dorf Maluaa: “Die Rebellen griffen das Dorf an. Sie begannen Menschen umzubringen und sie zu kreuzigen.”

 

Die Assad-Armee habe die Rebellen vertrieben. Die katholischen Pfarrer schrieben daraufhin Briefe an Obama: Er solle die Rebellen nicht weiter unterstützen. In Syrien herrscht ein Durcheinander. Die Rebellen, welche gegen das Regime vorgehen, greifen mittlerweile ihr eigenes Volk an. Assad und ein Teil der Oppositionellen blockieren gleichermassen die humanitäre Hilfe für die syrische Bevölkerung. Zu Beginn des Konfliktes kämpften die Oppositionellen zwar gegen das Assad-Regime. Beide Seiten aber beteiligten sich an der blutigen Auseinandersetzung um der Macht willen – und nicht für das syrische Volk.

 

Die internationalen Regierungen sollten sich weniger um die Frage kümmern, ob sie die Rebellen oder das Assad-Regime unterstützen wollen. Es ist die Bevölkerung Syriens, welche Unterstützung braucht. Diejenigen, welche weder Waffen abfeuern, noch sich zu einer der beiden Seiten zählen. Das Einzige, wonach sich ein grossteil der Bevölkerung sehnt, ist das Ende des Krieges.

 

Wenn Friedensverhandlungen nicht helfen, dann müssen andere Vorkehrungen getroffen werden. Das hat der UN-Sicherheitsrat erkannt und begann kleinere Schritte einzuleiten: Er verabschiedete eine Resolution, wonach Assad humanitäre Hilfe zulassen sollte. Bislang konnte die Resolution allerdings nicht umgesetzt werden. Der ehemalige russische Premier Sergei Stepaschin lies gar verlauten, dass Bashar al-Assad den Krieg gewinnen werde. Falls Assad tatsächlich wieder seine Position als Diktator einnehmen würde, dann ist Syrien das neue Exempel für die Sinnlosigkeit des Krieges.