Kultur | 17.04.2014

Natur als Wohnzimmer

Anfang April wurde im Werkhof in Brig (VS) eine Fotoausstellung von Pedro Rodrigues präsentiert. Die Idee für die Ausstellung kam ihm im Traum, erzählt der Künstler im Interview mit Tink.ch.
Pedro Rodrigues im Ausstellungsraum.
Bild: Lara Capelli Wohnzimmer im Wald. zVg Pedro Rodrigues

Die Besucher der Fotoausstellung finden sich in einem überschaubaren, fensterlosen Raum wieder. In besagtem Raum stehen nur wenige Dinge, die den Betrachter von den Bildern ablenken können. Dazu gehören ein ungefähr in der Mitte des Raums platziertes Sofa und ein Tisch mit Erfrischungen und Snacks am Rand. Die Bilder sind über zwei weisse Wände verteilt aufgehängt. Sie zeigen drei eigens erstellte Wohnzimmer, welche die Geschichten von drei fiktiven Charakteren erzählen. Dabei wird jeder Charakter von einer anderen Frau dargestellt.

 

Eine Türe, dahinter ein Zimmer. Wie es wohl aussehen mag? Das dürfte der erste Gedanke des Eintretenden sein. Dabei offenbart ein Zimmer dem Betrachter oft mehr als dieser sich vorzustellen vermag. Die Wände eines Zimmers können einiges über die Persönlichkeit und Individualität des Bewohners preisgeben. Damit befasst sich auch die Fotoausstellung von Pedro Rodrigues.

 

Tink.ch: Dies ist nicht deine erste Ausstellung. Was war das Thema deiner letzten Ausstellung?

Pedro Rodrigues: Meine letzte Ausstellung fand vor zwei Jahren zum Thema funny side of life in Fiesch (VS) statt. Dabei ging es darum, anhand von Clowns die negativen Seiten der Gesellschaft aufzuzeigen. Dieser Kontrast zeigte einerseits die Probleme der Gesellschaft auf, aber auch, dass diese nicht wahrgenommen werden.

 

Wie ist dir die Idee für die Ausstellung gekommen?

Die eigentliche Idee ist mir im Traum gekommen. Auch wenn das jetzt seltsam klingt  – Als ich am Morgen aufgewacht bin, hatte ich diesen surrealen Traum von Livingrooms.

 

Welche Aussage willst du mit dieser Ausstellung vermitteln?

Der Grundgedanke der Ausstellung ist, dass unsere vier Wände sehr viel über uns preisgeben, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Allerdings wollten wir für die Umsetzung nicht einfach nur in unseren vier Wänden denken. Deshalb haben wir unsere arrangierten Wohnzimmer nach draussen in die Natur verlagert.

 

Es gibt in der Ausstellung drei verschiedene Themen: Forest, Road und Anarchy. Wie bist du auf diese Unterteilung gekommen?

Ich wollte dem Ganzen mehr Tiefe geben, deshalb habe ich mich für drei Charaktere entschieden. Durch die Wahl von drei Geschichten, in denen jeweils eine andere Frau vorkommt, konnte auch ein gewisser Fluss geschaffen werden. Mit nur einer Geschichte wäre dies nicht möglich gewesen.

 

An welchen Orten wurden die Bilder aufgenommen?

Forest wurde im Pfynwald aufgenommen, Anarchy im Kieswerk in Visp und Road hatte mehrere Standorte und zwar den Pfynwald, eine abgesperrte Strasse in Steg und das Kieswerk Baltschieder.

 

Wie viel Zeit musste für ein Shooting eingerechnet werden?

Ein Shooting dauerte einen Tag, jeweils zwischen 12 und 14 Stunden.

 

Können Interessierte diese Bilder auch kaufen?

Ja, Interessierte können die Bilder kaufen. Allerdings ist dies nicht die primäre Absicht. Das Ganze ist mehr ein Projekt, welches ich für mich gemacht hab


 

Zur Person: Pedro Rodrigues, geboren am 24.05.1989 in Portugal, absolvierte eine Berufslehre als Fotofachmann und arbeitet seit 2011 als selbstständiger Fotograf. Im Herbst 2012 begann er eine Weiterbildung an der eidgenössischen Schule für Gestaltung in Bern mit Spezialisation auf Fotodesign.

 

Für seine nächste Ausstellung, die wahrscheinlich nächstes Jahr realisiert wird, hat Rodrigues schon einige Ideen, mehr will er allerdings noch nicht verraten.

Links