Gesellschaft | 11.04.2014

Vierter Brief aus Deutschland

Kein Gerücht, das man sich im Ausland erzählt: In der Schweiz besitzt dank der Wehrpflicht jeder anständige Bürger eine eigene Waffe. Auch der Journalismus profitiert davon.
Eine Welt ohne Mord und Totschlag wäre der Tod der Nachrichtenindustrie.
Bild: Katharina Good

Hallo Schweiz!

 

Viel war bei Ihnen ja nicht los in dieser Woche. Das beherrschende Thema scheint ein Mord im Kanton Liechtenstein gewesen zu sein, wo es scheinbar Menschen gibt, die zuhause Waffen haben.

 

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: als Journalisten wissen wir den Wert einer Privat-Pistole durchaus zu schätzen. Viele Nachrichten wären ohne kraftvolle Gewaltanwendung gar nicht denkbar. Eine Welt ohne Mord und Totschlag wäre der Tod der Nachrichtenindustrie.

 

In Deutschland hält sich übrigens hartnäckig das Gerücht, dass viele Schweizer grundsätzlich eine Waffe im Haus haben, die sie von der Armee bekommen haben. Das glauben hier in der Tat viele Menschen! Angeblich ist das Teil der Landesverteidigung. Sowas erzählt man sich im Ausland über Ihr kleines Land. Hanebüchene Geschichten – man stelle sich nur vor, dass hunderttausende Pistolen im Umlauf sein könnten – in einem Land mit nur etwa 700’000 Einwohnern. Das ist ja nicht mal die Bevölkerung der Stadt Zürich.

 

Aber als aufgeklärte Deutsche meinen wir zu wissen, dass das nur ein unbegründetes Gerücht sein kann. Ganz ähnlich der Geschichte, dass der Schweizer eine angeborene Angst vor Katzen haben soll (Ailurophobie). Das stand vor einigen Jahren in der New York Times, stellte sich aber schnell als falsch heraus: da der Schweizer an sich ja ein Fluchtmensch ist, ist die Angst nicht spezifisch auf eine Tiergattung beschränkt, sondern auf praktisch alles, was größer oder kleiner als er selbst ist.

 

Aber zurück zu diesem Waffending: vermutlich ist es ja einfach bloß ein kleiner Witz, um die Schweiz in Misskredit zu bringen. Obwohl, wir könnten ja mal kurz recherchieren, was an diesem fiesen Gerücht dran sein könnte. Dann landen wir bestimmt auf einer Witzseite von Marco Rima.

 

Moment bitte…

 

…wir googlen…

 

Okay.

 

Oha.

 

Ja, habt Ihr denn ein Rad ab? Leute, Ihr lasst Eure Soldaten ihre Waffen Zuhause aufbewahren? 700’000 Haushalte sind laut Wikipedia mit Armeewaffen ausgestattet. Das ist irgendwie – nun ja.

Nein, ernsthaft jetzt: heißt das, dass praktisch jeder Schweizer potenziell bewaffnet ist? Für die Landesverteidigung? Oder um Auseinandersetzungen daheim mit der Ehefrau schneller zu beenden?

 

Antworten bitte unten in das Kommentarfeld. Danke.

 

Herzlichste Grüße,

 

Ihr Deutschland