Kultur | 06.04.2014

Eine neue Art Filme zu machen?

Filmen mit dem Handy ist in. Auch die Jugendfilmtage springen dieses Jahr auf den Zug auf. Sie erweitern den Wettbewerb um die Kategorie "Mobile Movies" und haben den "Verein Einfach Einfach" (VEE) für die Durchführung eines Workshops engagiert. Warum Mobile Movies so wichtig sind und wie jeder sie selbst machen kann.
Wird bald jeder Smartphone-Besitzer zum Filmemacher?
Bild: Kigoo Images / pixelio.de

Ein Fisch bläst sich auf und explodiert. Ein Junge wird von einem Klebeband manipuliert. Aus Klebeband entsteht eine Wohnung mit menschlichen Bewohnern  und wird wieder weggewischt – Szenen aus Filmen, welche im Rahmen des Mobile Movies Ateliers entstanden sind.

Die Kameramänner sind dabei gewöhnliche Leute und gefilmt wird mit dem Handy. Genauer gesagt mit der iPhone App Stop Motion. Und eigentlich wird auch gar nicht gefilmt, sondern fotografiert – jede einzelne Bewegung. Am Ende werden die Bilder aneinandergefügt und so entsteht dann der Film.

 

Mehr Arbeit als gedacht

Klingt simpel. Hinter einem solchen Mobile Movie steckt jedoch eine Menge Arbeit. Die Ideenfindung und das Filmen beanspruchen vergleichsweise wenig Zeit. Es ist die Nachbearbeitung, die wie auch beim herkömmlichen Filmemachen ungeheuer aufwendig ist. Der Film muss geschnitten und vertont werden und um das Ganze abzurunden werden zusätzlich Vor- und Abspann benötigt. Das Ergebnis kann sich jedoch sehen lassen. Denn die entstandenen Kurzfilme sind kleine Kunstwerke.

 

Kleiner Andrang, grosse Motivation

Nur vier Personen besuchten das Atelier. Eine geringe Zahl, vor allem in Anbetracht dessen, dass der Verein Einfach Einfach (VEE) fast doppelt so viele Betreuer zur Verfügung stellte. Die Teilnehmenden waren jedoch Feuer und Flamme.

Der Dokumentarfilmer Wolfgang und seine Freundin produzieren ihren Film praktisch ohne Unterstützung. Ihr Film kann sich jedoch sehen lassen, denn die beiden Teilnehmer denken an alles: Die Bilder sind richtig ausgeleuchtet, der Hintergrund bewusst gewählt. Eifrig widmen sich die beiden dem Kneten, Basteln und natürlich Fotografieren. “Es ist spannend, was man mit kostenlosen, einfachen Mitteln machen kann”, findet Wolfgang.

 

Daneben sind der kleine Tom und sein Vater in die Arbeit vertieft. Der Jungschauspieler, welcher mit seiner Theatergruppe die Jugendfilmtagen besucht,  ist mit Elan dabei und weiss genau, was er will. Wie ein Grosser gibt er seinem Vater Regieanweisungen. “Jetzt. Nicht so. Ach, Papa, mach doch endlich!”, weist er seinen Vater an. Auch der Hauptdarsteller des Filmes ist natürlich Tom. Mit viel Sorgfalt und Freude macht er jede einzelne Bewegung.

Nebst den Teilnehmern produzierten auch die Mitglieder des VEE einen Film. Darin entsteht aus Klebestreifen eine Wohnung, welche schlussendlich wieder weggewischt wird.

 

Neue Wettbewerbskategorie

Der neue Festivalleiter Moritz Schneider glaubt fest an den Erfolg der Mobile Movies. “Dieser neue Wettbewerb lockt Jugendliche an, die vorher vielleicht noch nie mit dem Filmemachen in Berührung kamen und auch nicht über professionelles Filmequipment verfügen. Wir sind sehr gespannt wie sich dieses Experiment entwickeln wird und freuen uns auf die kleinen Kunstwerke”, meint er dazu in einer Pressemitteilung.

Die Wettbewerbsfilme der neuen Kategorie konnten auch online begutachtet und bewertet werden. Eingereicht wurden acht Kurzfilme mit einer Maximaldauer von fünf Minuten. Alle Teilnehmenden sind unter 25 Jahren alt und haben den Film selbst mit dem Handy gedreht und teils auch geschnitten.

 

Alles möglich – im kleinen Rahmen

Leila Asmeg, Kommunikatorin beim VEE, ist der Meinung, dass Apps wie die im Kurs verwendete Stop Motion sinnvoll für Jugendliche sind, da sie sich mit diesen die Welt neu erklären können. Durch das Versetzen der eigenen Probleme in ein anderes Medium werde ermöglicht, dass Hemmungen abgebaut werden. Zudem fördere das Filmedrehen die Kreativität. Der Vorteil der Apps ist nämlich ganz klar ihr Preis: Sie sind umsonst. So können sich die Jugendlichen selbst verwirklichen und ihre Kreativität ausleben ohne damit Kosten zu verursachen. Allerdings seien den Jugendlichen gestalterische Grenzen gesetzt: “Die Apps verfügen nur über eine Schriftart und zwei Audiospuren. Dadurch ist der gestalterische Einfluss der Jugendlichen gering. Das Filmen mit dem Handy bietet alles, nur einfach in kleinem Rahmen”, meint Asmeg dazu.

 

Apps en masse

Apps zum Filmemachen gibt es mittlerweile einige. Nebst der im Atelier benutzten Stop Motion gibt es auch noch Splice, welches die Nachbearbeitung eines Filmes ermöglicht. Soll der Film gezeichnet werden, so greift der iPhone-Besitzer auf die App Animation Express zurück. Der Android-Besitzer braucht derweil die App Flipaclip. Für die Fotoanimation greift er auf Stop Motion Maker zurück und schneiden kann er das Ganze mit Andromedia.

Wer kein Smartphone besitzt muss leider (vorerst) auf die Produktion eines Mobile Movies verzichten.